Chaos in Hamburg Sammer düpiert den HSV

Sein Engagement als Sportdirektor beim Hamburger SV schien sicher, doch nun hat Matthias Sammer dem Bundesligisten überraschend abgesagt. Stattdessen arbeitet er weiter für den Deutschen Fußball-Bund.

DFB-Sportdirektor Sammer: Bleibt beim DFB
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DFB-Sportdirektor Sammer: Bleibt beim DFB


Hamburg - Matthias Sammer bleibt Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Der Europameister von 1996 hat dem Bundesligisten Hamburger SV an diesem Freitag eine Absage erteilt. Das teilte der DFB nach der Präsidiumssitzung in Frankfurt am Main mit. "Nach reiflicher Überlegung und vor dem Hintergrund, dass eine schnelle Stellungnahme gefordert war, bin ich zu dieser Entscheidung gekommen. Das Interesse des HSV ehrt mich sehr, aber es warten beim DFB noch viele Aufgaben, auf die ich mich freue", sagte Sammer.

HSV-Aufsichtsratsmitglied Horst Becker zeigte sich hingegen enttäuscht. "Das ist nicht schön, das ist bitter", so Becker. Vorstandschef Bernd Hoffmann verschlug es die Sprache: "Wir sagen aktuell nichts dazu", sagte er wenige Stunden vor dem Bundesligaspiel gegen Eintracht Frankfurt (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Der neue Aufsichtsratsvorsitzende Ernst-Otto Rieckhoff reagierte mit Unverständnis. "Wir sind enttäuscht und überrascht. Wir hatten über Wochen sehr gute und konstruktive Gespräche und waren uns in den inhaltlichen Fragen einig", sagte Rieckhoff . " Es lag ein ausverhandelter Vertrag vor. Sein Rückzug ist für uns nicht nachvollziehbar", so Rieckhoff. Von einer Blamage wollte Rieckhoff nach der missglückten Verpflichtung nichts wissen. "Ich finde nicht, dass die Situation für den HSV peinlich ist", erklärte Rieckhoff und äußerte sich gleichzeitig zu möglichen Gründen: "Ich habe das Gefühl, dass der DFB Druck auf Sammer ausgeübt hat."

Theo Zwanziger nahm die Nachricht zufrieden auf. "Matthias Sammer hat in den vergangenen Jahren viele positive Dinge für die Entwicklung des deutschen Fußballs auf den Weg gebracht. Wir freuen uns, dass er die erfolgreiche und engagierte Arbeit im Nachwuchsbereich auch in Zukunft fortsetzen wird", so der DFB-Präsident.

Knapp fünf Stunden hatte das Präsidium des DFB am Freitag getagt, bis die mit Spannung erwartete Entscheidung veröffentlicht wurde. DFB-Chef Zwanziger hatte zuletzt von Sammer eine schnelle Entscheidung und für Freitag eine "klare Aussage" gefordert. Am Dienstag hatte der HSV-Aufsichtsrat Sammer offiziell als seinen Wunschkandidaten preisgegeben und von Verhandlungen gesprochen.

Laut DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach hatte der HSV den DFB am Donnerstagnachmittag offiziell über sein Interesse an einer Sammer-Verpflichtung informiert. "Ich kann den HSV absolut verstehen, dass er einen Mann von der Qualität eines Matthias Sammer gerne zu sich geholt hätte. Aber mein persönliches Gefühl hat mir die ganze Zeit gesagt, dass er beim DFB bleiben wird", sagte Niersbach.

Machtkampf mit Löw verloren

Nun bleibt Bastian Reinhardt beim siebenmaligen Deutschen Meister vorerst für die sportlichen Entscheidungen zuständig. Sammer hat einen Vertrag bis 2013 beim DFB.

Niersbach, der es als ausdrücklichen Wunsch des DFB bezeichnet hatte, dass Sammer dem Verband mit "seinem Engagement und seiner Kompetenz" erhalten bleibe, sagte: "Für den DFB ist es wichtig, dass wir auf einer solchen Position Klarheit und Planungssicherheit haben. Umso mehr freuen wir uns über dieses deutliche Bekenntnis von Matthias Sammer zum DFB."

Innerhalb des DFB ist das Verhältnis zwischen Sammer und Bundestrainer Joachim Löw sowie Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff seit längerem belastet. Sammer hatte unter anderem den Machtkampf mit Löw über die Verantwortlichkeit für die U21 verloren und war von Zwanziger auch öffentlich zurechtgewiesen worden.

Der 43-Jährige hatte sich für die Ablösung des erfolglosen U21-Trainers Rainer Adrion ausgesprochen, Löw für eine Weiterbeschäftigung seines engen Vertrauten. Sammer wurde im April 2006 gegen den Widerstand des damaligen Bundestrainers Jürgen Klinsmann vom DFB als Sportdirektor eingestellt.

Der HSV und Sammer sollen sich offenbar bereits über die Laufzeit des Vertrages (drei Jahre) und das Gehalt (2,5 Millionen Euro pro Saison) geeinigt haben. Einige Details, die angeblich noch geklärt werden sollten, sind jetzt hinfällig, nachdem der frühere Bundesligatrainer des VfB Stuttgart und von Borussia Dortmund sich für den Verband entschieden hat.

Für den HSV, der bei seiner Sportdirektor-Suche bis zur Ernennung von Bastian Reinhardt im vergangenen Juni rund zehn Kandidaten verschlissen hatte, ist nach der Absage von Sammer die Blamage perfekt. "Ich bin ratlos und enttäuscht, weil ich Matthias Sammer sehr gern beim HSV gesehen hätte. Wir müssen beim HSV jetzt gemeinsam und fest zusammenstehen und eine neue Lösung finden. Es muss weitergehen", sagte HSV- Aufsichtsratmitglied Jürgen Hunke der "Welt".

jar/dpa/sid

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