Chaos vor Champions-League-Finale in Paris Französischer Innenminister gibt Klopp Mitschuld

Das Einlasschaos vor dem Champions-League-Finale sorgt für gegenseitige Schuldzuweisungen. Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin wirft nun Liverpool-Coach Jürgen Klopp vor, Fans ohne Ticket nach Paris gelockt zu haben.
Jürgen Klopp

Jürgen Klopp

Foto: IMAGO/Alexey Filippov / IMAGO/SNA

Der französische Innenminister Gérald Darmanin hat Liverpools Trainer Jürgen Klopp eine Mitschuld an den chaotischen Szenen am Rande des Champions-League-Finales in Paris gegeben. »Ich erinnere Sie daran, dass der Liverpool-Trainer vor einigen Tagen – und das ist öffentlich – die Fans dazu aufgerufen hat, auch ohne Ticket nach Frankreich zu kommen«, sagte Darmanin.

Am Stade de France war am Samstagabend vor Beginn des Finales zwischen Real Madrid und dem FC Liverpool zahlreichen Liverpool-Fans der Einlass verwehrt worden. Rund 2700 von ihnen kamen nach Behördenangaben trotz eines regulären Tickets nicht ins Stadion. Bilder zeigten Männer, die über die Zäune zum Stadion kletterten, Polizisten, die Tränengas auf Liverpool-Fans sprühten sowie Konfrontationen an den Einlasstoren. Die Polizei in Paris registrierte rund um das Finale mehr als hundert Festnahmen und 230 Verletzte. Der Anstoß hatte sich um mehr als eine halbe Stunde verzögert (lesen Sie hier mehr dazu).

Viele Hintergründe sind weiterhin unklar, es kommt zu gegenseitigen Schuldzuweisungen.

Darmanin beharrte in einer von der neuen Sportministerin Amélie Oudéa-Castera einberufenen Krisensitzung darauf, dass groß angelegter Ticketbetrug und das Verhalten der Liverpooler Fans für das Fiasko verantwortlich seien. Hauptursache für das Chaos und die Verzögerung des Matches sei ein »massiver, groß angelegter und organisierter Betrug mit gefälschten Eintrittskarten« gewesen, sagte Minister.

Frankreichs Sportministerin Amélie Oudéa-Castera und Innenminister Gérald Darmanin

Frankreichs Sportministerin Amélie Oudéa-Castera und Innenminister Gérald Darmanin

Foto: Jean-Francois Badias / AP

Das Finale galt als Probe für Olympia

Er sprach von 30.000 bis 40.000 Liverpool-Fans, die sich mit gefälschten oder ohne Eintrittskarten vor dem Stade de France eingefunden hätten. Ein Teil des Problems sei gewesen, dass Liverpool auf Papiertickets statt auf elektronischen Tickets bestanden habe. Der Pariser Polizeipräfekt Didier Lallement schaltete wegen des Betrugs die Justiz ein.

Frankreichs Verantwortliche stehen unter Druck: In Paris finden im kommenden Jahr die Rugby-Weltmeisterschaft und in zwei Jahren die Olympischen Spiele statt. Das Champions-League-Finale galt auch als Probelauf für die dabei geltenden Sicherheitskonzepte.

Darmanin warf den Liverpooler Fans in der Folge vor, weniger gut organisiert gewesen zu sein als die Madrid-Anhänger. »Diese Probleme gibt es nur im Fußball bei bestimmten englischen Vereinen«, sagte er. Er behauptete, dass es beim Champions-League-Finale zwischen Liverpool und Tottenham 2019 in Madrid »die gleichen Probleme« gegeben habe und wies darauf hin, dass Klopp die Liverpooler Fans ermutigt habe, für das Spiel am Sonntag in die französische Hauptstadt zu reisen.

Der FC Liverpool hatte den Fans offiziell geraten, nicht ohne Ticket nach Paris zu reisen, Klopp aber hatte Anfang Mai gesagt , Paris sei »groß genug«, um dort auch ohne Karte eine gute Zeit zu haben. Er hatte bemängelt, dass die Vereine zu wenige Tickets hätten verkaufen können. »Benehmt euch, aber seid in der bestmöglichen Stimmung«, wird er unter anderem in der »Daily Mail«  zitiert. Auch beim Europa-League-Finale zwischen Liverpool und Sevilla in Basel 2016 hatte Klopp  die Fans ermutigt, auch ohne Tickets in die Schweiz zu reisen, später revidierte er seine Aussage. Die Uefa hatte Sicherheitsbedenken.

Uefa hatte Fanzonen für Liverpoolfans ohne Ticket eingerichtet

In Paris hatte die Europäische Fußball-Union Uefa Fanzonen mit freiem Eintritt eingerichtet. Auf der Website  heißt es ausdrücklich: »Im Fan-Treffpunkt wird das Spiel auch auf einer Großleinwand für Liverpool-Fans ohne Eintrittskarten übertragen.«

In Großbritannien hatte es scharfe Kritik an dem Vorgehen der Sicherheitskräfte gegeben. Der Sprecher des britischen Premierministers Boris Johnson hatte eine umfassende Untersuchung gefordert.

Scharfe Kritik aus Großbritannien, Uefa will Bericht vorlegen

Liverpools Bürgermeisterin Joanne Anderson, die selbst im Stade de France war, hatte am Montag in der BBC gesagt, die Polizei sei »wirklich brutal« vorgegangen. Zudem sei die Organisation des Fußballspiels »chaotisch« gewesen.

Die Uefa will die Vorgänge von unabhängigen Experten aufarbeiten lassen. Wie der Verband am Montagabend mitteilte, sei bei einem Team unter Leitung des ehemaligen portugiesischen Sportministers Tiago Brandão Rodrigues ein Bericht in Auftrag gegeben worden.

ngo
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