Aktion gegen Rechtsextremismus Erstes Spiel in Chemnitz nach Trauerskandal - und ausgerechnet Frahn trifft

In Chemnitz wurde nach dem Trauerskandal wieder Fußball gespielt: Der Verein präsentierte sich "himmelblau und nicht braun", und die Fans demonstrierten gegen die Vereinsführung.
Mit diesem Banner setzten die Spieler beider Mannschaften vor dem Spiel ein politisches Zeichen.

Mit diesem Banner setzten die Spieler beider Mannschaften vor dem Spiel ein politisches Zeichen.

Foto: Harry Haertel/DPA

"Toleranz", "Weltoffenheit" und "Fairness": Mit diesen Wörtern hat der Chemnitzer FC im ersten Heimspiel nach dem Trauerskandal ein Zeichen gegen Rechtsextremismus gesetzt. Vor zwei Wochen hatte es vor dem Regionalligaspiel gegen Altglienicke eine Trauerbekundung für den verstorbenen Neonazi Thomas Haller gegeben. Werbebanden, Plakate, Aufkleber und T-Shirts wurden mit den Wörtern bedruckt.  Vor dem Spiel gegen Budissa Bautzen präsentierten beide Mannschaften zusammen einen Banner: "Gemeinsam für demokratische Grundwerte und Fairplay".

Das einzige Tor beim 1:0 (0:0)-Erfolg der Chemnitzer erzielte ausgerechnet Daniel Frahn. Der Angreifer hatte vor zwei Wochen im Heimspiel gegen Altglienicke ein T-Shirt mit der Aufschrift "Support your local Hools" ("Unterstützt eure lokalen Hooligans") hochgehalten. Für die Aktion war Frahn vom Sportgericht des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) für zwei Spiele gesperrt worden.

Obwohl mehrere Hundert Zuschauer mit einem Boykott gegen die Vereinsführung demonstrierten, weil sich diese nach dem Skandal von drei langjährigen Mitarbeitern getrennt hatte, war DFB-Vizepräsident Rainer Koch zufrieden mit dem Zeichen gegen Radikalismus. "Eine klare Mehrheit der Fans hat diese Position bezogen", sagte er beim Besuch im Stadion.

Die Proteste der Chemnitzer Fans richteten sich gegen die Vereinsführung.

Die Proteste der Chemnitzer Fans richteten sich gegen die Vereinsführung.

Foto: Harry Haertel/DPA

Öffentlicher Brief der Mannschaft

Bereits am Donnerstag hatte die Mannschaft in einem offenen Brief appelliert: "Es ist Zeit, Farbe zu bekennen und zu zeigen, dass Chemnitz himmelblau und nicht braun ist!" In der Kabine bekomme die Mannschaft zwar nicht alles mit, sie habe aber sehr wohl erlebt, "wie sich der Blick auf den Verein und auf uns Spieler verändert hat", heißt es in dem auf der Website des Chemnitzer FC veröffentlichten Brief. 

Die Spieler hätten Nachrichten bekommen, in denen sie gefragt worden seien, "für was für einen Nazi-Klub" sie denn spielen würden. In dem Brief rief die Mannschaft dazu auf, im Heimspiel gegen Bautzen zu zeigen, "wie lebenswert und bunt unsere Stadt ist".

hba/dpa
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