China Beckham-Fieber im Arbeiterstadion

60.000 chinesische Fußballfans haben David Beckham bei seinem Debütspiel mit Real Madrid in Peking wie einen Hollywood-Star empfangen. Bei seinem ersten von vier Testspielen in Asien traf Real Madrid auf eine chinesische Auswahl, deren Spieler laut chinesischer Medien 54 Mal weniger Geld verdienen als ihre Gegner aus Europa.

Von , Peking


Beckham gegen Wu Chengying: Am Ende siegte Real mit 4:0
REUTERS

Beckham gegen Wu Chengying: Am Ende siegte Real mit 4:0

Peking - "Die Chinesen sind eben nicht gut genug für so eine Mannschaft", kommentiert ein Pekinger Familienvater, der seinen kleinen Sohn auf den Schultern aus dem Arbeiterstadion trägt. "Aber die Spanier waren sehenswert."

Soeben ist das Freundschaftsspiel zwischen Real Madrid und einem aus vier A-Liga-Vereinen zusammengewürfelten "Drachen"-Team zu Ende gegangen. Zwar haben die Spanier mit 4:0 gewonnen, und der chinesische Nationalstolz hat wieder mal einen kleinen Kratzer abbekommen, aber dennoch: Die rund 60.000 Pekinger verlassen zufrieden das Arbeiterstadion.

Denn so eine Gelegenheit, eine Mannschaft mit so vielen Fußballgöttern live zu sehen, gibt es selten - auch wenn die Zuschauer dafür Eintrittspreise von bis zu 880 Yuan (94 Euro) zahlen mussten. Dies ist knapp die Hälfte eines durchschnittlichen Monatslohn in Chinas Hauptstadt.

Beckham-Mania: Die Fans nahmen eine weite Anreise in Kauf
Andreas Lorenz

Beckham-Mania: Die Fans nahmen eine weite Anreise in Kauf

Krankenschwestern in Uniform, Drachentänzer und Mädchen mit Pferdeschwanz, Blumen in der Hand: Wie Helden wurden die Starkicker von Real Madrid gestern abend im ausverkauften Stadion empfangen. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass China in der Welt der Idole und Popstars mit anderen Ländern gleichgezogen hat, so wurde er in den letzten Tagen erbracht: Aufgeregte Fans belagerten das Peking-Hotel und die Trainingsplätze, um Autogramme oder wenigstens einen Blick auf ihre Lieblinge zu erhaschen. Und die chinesischen Frauen fanden David Beckham, den "kleinen Bei", wie sie ihn liebevoll nennen, "einfach süß".

Über die "blinde Anbetung" murren bereits Chinas Funktionäre, und Kommentatoren schimpfen über die Geldgier der Spanier, die sich ihre Asien-Tournee (es geht noch nach Tokio, Hongkong und Bangkok) ungemein teuer bezahlen lassen. Gleichzeitig führt der Verein einen Werbefeldzug: "Vermarktung" heißt das Zauberwort, und Asiens Märkte sollen für die Produkte Real Madrids erobert werden.

Beckham-Shirt: Begehrtes Objekt
Andreas Lorenz

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Für das viele Geld ließ Real seine Stars Ronaldo, Figo und Zidane immerhin bis zur 65. Minute auf dem Feld. Beckham, Raul und Carlos wurden ein paar Minuten später ausgewechselt. Das sportliche Fazit eines warmen, freundlichen Fußballabends in Peking: Beckham, der Neuling bei Real Madrid, scheint sich schon jetzt in das Team der Giganten einzufügen. "Be-ke-ha-mu", wie er auf chinesisch heißt, schlug einige brillante Pässe und Ecken und schoss wie selbstverständlich die Freistöße.

Figo hat seine Stammposition im rechten Mittelfeld geräumt und ist in die Mitte gerückt. Sturmspitze Ronaldo scheint schlecht in Form und verstolperte Torchancen. Der Beste der Truppe im Pekinger Arbeiterstadion: Der Franzose Zinedine Zidane, der wie in einem Meisterschaftsspiel rackerte und der einmal mehr zeigte, was für ein Ballvirtuose er ist.



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