Transfer-Irrsinn China will "Geld verbrennen" im Fußball stoppen

Die Fußballklubs Chinas zahlen exorbitante Ablösesummen für ausländische Profis. Im Jahr 2016 wurde der Transferrekord fünfmal gebrochen. Nun will die oberste Sportbehörde den Kaufrausch stoppen.

DPA

Die Klubs der chinesischen Super League haben in den vergangenen Wochen und Monaten aufsehenerregende Summen für neue Spieler ausgegeben. Damit soll nach Plänen der obersten Sportbehörde Chinas Schluss sein. Die Vereine würden "Geld verbrennen" und die Entwicklung eigener Talente vernachlässigen, sagte ein Sprecher der Generalverwaltung des Sports, die dem Staatsrat direkt untergeordnet ist.

Die Auswüchse mancher Klubs seien ein "gravierendes Phänomen", so der Sprecher. Zu den Problemen gehörten demnach unter anderem riesige Transfersummen und zu hohe Gehälter für ausländische Spieler sowie der Fokus auf kurzfristige Erfolge während die langfristige Entwicklung ignoriert werde.

Deshalb werde die Behörde die Untersuchung und Überwachung der Finanzen der Klubs verstärken, deren Ausgaben für Spieler stufenweise regulieren und damit positive finanzielle Verhältnisse gewährleisten. Außerdem werde eine Obergrenze für Transferausgaben festgelegt, um unangemessene Investitionen zu verhindern. Die Generalverwaltung des Sports will auch Bonuszahlungen für Vertragsabschlüsse (der sogenannte Signing Bonus) und Geheimverträge bekämpfen und droht bereits mit empfindlichen Strafen.

Staatschef will China zur Fußballnation machen

Vor knapp zwei Wochen hatte der chinesische Fußballverband CFA bereits angekündigt, die bisherige 4+1-Regel für Legionäre in eine 3+1-Regel zu ändern. Bislang war es jedem Klub erlaubt, maximal vier ausländische Spieler und einen Legionär aus dem asiatischen Fußballverband im Kader zu haben.

Alleine im vergangenen Jahr haben die Klubs den chinesischen Transferrekord fünfmal gebrochen. Aktuell ist der Brasilianer Oscar der teuerste Spieler, der jemals nach China wechselte. Er schloss sich im Dezember für mindestens 60 Millionen Euro - manche Quellen berichten von 71,5 Millionen Euro - Shanghai SIPG an. Zuvor hatte er für den FC Chelsea gespielt.

Kurz darauf wechselte auch der argentinische Stürmerstar Carlos Tévez vom Hauptstadtklub Boca Juniors aus Buenos Aires zu Shanghai Shenhua. Details des Deals wurden zwar nicht bekannt. Argentinische Medien hatten aber im Vorfeld berichtet, dass Tévez angeblich in zwei Jahren umgerechnet etwas mehr als 80 Millionen Euro verdienen soll. Sein Landsmann Ezequiel Lavezzi erhält 56,7 Millionen Euro für einen Zweijahresvertrag bei Hebei China Fortune. Netto.

Auch namhafte Trainer sind in der Volksrepublik tätig. So etwa Brasiliens Weltmeistercoach von 2002, Luiz Felipe Scolari (Guangzhou Evergrande), der Chilene Manuel Pellegrini (Hebei China Fortune) oder der Portugiese André Villas-Boas (Shanghai SIPG). Auch Felix Magath ist seit vergangenem Sommer Trainer in China (Shandong Luneng).

Der Boom des chinesischen Fußballs hängt eng mit Staatschef Xi Jinping zusammen, der ein großer Fan der Sportart ist und der China zu einer Fußballnation machen will. Dabei hat er zwei große Ziele: Eine Weltmeisterschaft im eigenen Land, und dass China den WM-Titel holt. Die Nationalmannschaft ist allerdings weit von der Weltspitze entfernt. Derzeit liegt sie in der Fifa-Weltrangliste auf Platz 82. Für eine WM qualifizierte sich das Team, das derzeit von Star-Trainer Marcello Lippi betreut wird, zuletzt 2002. Damals schied man mit null Punkten und 0:9 Toren aus.

max/Reuters

insgesamt 8 Beiträge
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hevopi 06.01.2017
1. Anerkennung,
vielleicht begreifen auch andere Länder, dass es nicht mehr um Fussball als Sportart geht, sondern nur noch um "Kohle", die natürlich nicht versteuert wird. Fussball ist doch inzwischen zum "Abzockparadies" für sogenannte "Finanzberater" und "Steuerkriminellen-Hochburgen" gworden.
dth1978 06.01.2017
2. noch wird gelacht...
Es ist dich immer die gleiche "Masche". Es wird extern Know How eingekauft, um mittelfristig eigene Talente zu züchten. Was in der Wirtschaft klappt, sollte im Sport schon lange funktionieren...
Cologne65 06.01.2017
3. Erfolg nur bedingt kaufbar
Zitat von dth1978Es ist dich immer die gleiche "Masche". Es wird extern Know How eingekauft, um mittelfristig eigene Talente zu züchten. Was in der Wirtschaft klappt, sollte im Sport schon lange funktionieren...
Eben nicht. Oder spielen jetzt die arabischen Klubs jetzt in der Weltspitze mit? Alternde Stars weg, danach eher Rückschritt als Weiterentwicklung. In China wird es aus einem anderen Grund klappen. Das Gesetz der großen Zahl. Wenn 20 Mio kleine Jungs Fußball spielen, werden einige Dutzend Cracks dabei sein. Das hat auch wenig mit Tradition zu tun. Der kleine Nachbarsjunge hat zwar ein Beckenbauer Shirt an, es hilft ihm aber nicht. Was hilft: Training, Training, Training....
Herbert Diess VW 06.01.2017
4. Fußball ist einfach nur asozial
und ein Geschäft, mehr nicht. Sieht man ja an den ganzen Fans die,sorry, so blöd sind und jedes noch so überteuerte Trikot + Tickets kaufen.
RamBo-ZamBo 06.01.2017
5. asdf
Die Chinesen werden schon noch unter die Top10 der Fußballnationen kommen. Das haben sie in fast allen anderen Bereichen auch geschafft.
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