Nächster China-Gegner in der Regionalliga "Wir weichen keinen Zentimeter von den Grundrechten ab"

Sie gingen vom Feld, weil im Publikum Tibetfahnen gezeigt wurden: Der Eklat um das Freundschaftsspiel der chinesischen U20-Nationalmannschaft in Mainz hat für Aufsehen gesorgt. Auch beim nächsten Gegner sind Proteste zu erwarten.

Protest in Mainz
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Protest in Mainz


Der FSV Frankfurt lehnt Einschränkungen der freien Meinungsäußerung beim Spiel gegen die chinesische U20-Nationalmannschaft ab. "Wir weichen keinen Zentimeter von den Grundrechten unserer Demokratie ab, zu denen auch die Meinungsfreiheit gehört", sagte FSV-Präsident Michael Görner der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten".

Beim ersten Gastspiel der Chinesen am vergangenen Wochenende beim TSV Schott Mainz hatten Aktivisten der Tibet-Initiative Stuttgart in der ersten Halbzeit Tibet-Fahnen entrollt. Die chinesischen Nachwuchskicker wollten deswegen zunächst nicht auf den Rasen zurückkehren, spielten aber nach einer halben Stunde Unterbrechung doch weiter, nachdem die Aktivisten ihre Fahnen freiwillig eingerollt hatten (Hier können Sie unsere Reportage zu dem Thema lesen).

Die Vorkommnisse hatten für diplomatische Verstimmungen gesorgt. Das chinesische Außenministerium forderte von Deutschland mehr Respekt für die chinesischen Besucher. Tibet gehöre zu den "Kerninteressen" des chinesischen Volkes, betonte der Sprecher in einer Stellungnahme.

In Frankfurt wird wohl auch wieder eine Tibetfahne hängen

Tibet ist schon lange ein Konfliktherd. Nach der Machtübernahme der Kommunisten 1949 in Peking und dem Einmarsch der Volksbefreiungsarmee 1950 in Tibet hatte sich die Volksrepublik das Hochland als autonome Region einverleibt. Viele Tibeter fühlen sich politisch, kulturell und wirtschaftlich diskriminiert, während Peking separatistische Bestrebungen in dem Hochland beklagt.

"Gegenseitiger Respekt ist der richtige Weg, um seine Gäste zu behandeln", hatte der Sprecher mitgeteilt. Zuvor hatte der Deutsche Fußballbund (DFB) die Verantwortlichen aus China zu mehr Gelassenheit aufgerufen und darauf hingewiesen, dass in Deutschland Meinungsfreiheit herrsche.

FSV-Präsident Görner wird für das Spiel am Samstag (14 Uhr) in Frankfurt geplante Aktionen nicht verbieten. "Ich weiß, dass unsere Fans ein Banner angemeldet haben, auf dem sie auf die freie Meinungsäußerung in Deutschland hinweisen, und dass sie auch eine Tibet-Fahne aufhängen wollen", sagte Görner in der "hessenschau". Solange sich die Meinungsäußerung im Rahmen der Gesetze abspiele, werde der Verein sich nicht einmischen.

Das Spiel in Mainz war der Auftakt des umstrittenen Prestigeobjektes des DFB, der die U20-Spieler zu der Testspieltournee gegen Vereine der Regionalliga Südwest eingeladen hatte. Das Vorhaben in der deutschen Fußballprovinz hatte für Kritik gesorgt. Drei Vereine lehnten die freiwillige Teilnahme ab: Waldhof Mannheim, die Stuttgarter Kickers und TuS Koblenz.

bka/dpa



insgesamt 47 Beiträge
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order66 21.11.2017
1. Es ist schon
wirklich merkwürdig, das der DFB die Regionalliga aufmischt und versucht die Vereine mit je 15.000 zu bestechen. Noch merkwürdiger ist das Demokratieverständis des DFB und der Chinesen. Tibet wurde annektiert und hat das Recht auf gewaltlosen Widerstand.
crunchy_frog 21.11.2017
2. Richtig so!
Es kann ja nicht wahr sein, daß die Chinesen hierher zum Fussballspielen kommen und bei der Gelegenheit gleich noch ihre eigenen Gesetze (welche mit den unseren völlig unvereinbar sind) mitbringen. Entweder sie akzeptieren unsere Grundrechte oder... was heisst "auf Wiedersehen" in Chinesisch?
idee342 21.11.2017
3. Konflikte
Ob der DFB wohl auch an die importierten Probleme gedacht hat oder nur an das Geld?
schnittkerandre 21.11.2017
4.
Ich hoffe, dass bei jedem "Freundschaftsspiel" so eine Fahne hängt. Was der dfb da abzieht, ist doch nicht mehr normal. Respekt an die 3 Vereine, welche von vornherein das Spektakel abgelhnt haben.
Indigo76 21.11.2017
5.
Das Verhalten der chinesischen Mannschaft beim Spiel gegen Mainz hat weitere Proteste nicht nur provoziert, sondern sogar unvermeidbar gemacht. Fußballfans nutzen gezielt jede noch so kleine Schwäche des Gegners aus. Das geht bei harmlosen Fangesängen los und hört bei ekelhaften rassistischen Bemerkungen auf (Siehe den Bericht über die Erlebnisse von Herrn Boateng). Die Chenesen haben die "beleidigte Leberwurst" gespielt und werden erfahren, was ihnen das im deutschen Fußball einbringt. Papiertibetfähnchen werden der Renner sein. Und die Chinesen werden entweder lernen, das zu übersehen, oder sie werden jedes weitere Spiel abbrechen müssen. Und da es sich in Zukunft nicht mehr nur um geordnete Aktivisten handelt wird, die eine Fahne freiwillig wieder einrollen, wird das Spiel auch nicht wieder fortgesetzt werden. Keine deutsche Liga wird es wagen, den Zuschauern zu verbieten eine bestimmte Fahne, die keine verbotenen Symbole aufweist, zu schwenken.
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