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18. November 2017, 14:10 Uhr

Chinas U20 in Regionalliga

Kampf der Kulturen

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Chinas Olympiamannschaft startet eine Serie von Freundschaftsspielen gegen deutsche Regionalligisten. Die kleineren Klubs freuen sich darüber - die größeren werfen dem DFB den Ausverkauf des Fußballs vor.

In der Regionalliga Südwest ist das Tischtuch zwischen dem DFB und den größeren Fanszenen zerschnitten. Seit am Donnerstag ein geplantes Gespräch zwischen einer Faninitiative und Verbandsvertretern platzte, fliegen die Giftpfeile hin und her. Als "Verschwörungstheorie" bezeichnete DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann am Freitag den Verdacht der Fans, dass dem China-Deal auch handfeste ökonomische Interessen bestimmter Unternehmen zugrunde lägen.

Derweil werfen die Fans dem Verband "Intransparenz" vor - und den Ausverkauf des Fußballs. "Dem DFB geht es viel zu sehr um das Geld statt um seine ursprüngliche Aufgabe, den Sport", sagte ein Initiativen-Sprecher SPIEGEL ONLINE. "Das muss sich ändern, ansonsten werden wir erleben, wie sich die Basis, die kleinen Vereine und Ihre ehrenamtlichen Helfer wie auch die Fans komplett abwenden."

Dabei hatte es im Spätsommer sogar danach ausgesehen, als könne es zu einem Dialog zwischen dem DFB und den Fans kommen. Ein Termin war bereits festgelegt worden. Einer Delegation aus drei Fanvertretern hätten drei Verbandsvertreter gegenübergesessen. Gescheitert ist das Treffen an der Weigerung des Verbands, Pressevertreter als stille Beobachter zuzulassen, daraufhin sagten die Fans ab. Es gebe "keinen Grund, das öffentliche Interesse bei einer Grundsatzdebatte nicht zu berücksichtigen. Das ist nicht nachzuvollziehen und widerspricht der propagierten Transparenz".

Der Verband wollte hingegen erst einmal hinter verschlossenen Türen sprechen, hatte allerdings seinerseits eine anschließende Pressekonferenz vorgeschlagen. "Wir wollten erst danach eine offene Runde für alle Medienvertreter", so Zimmermann. "Wir haben nichts zu verbergen."

"Wo hat die Kommerzialisierung des Fußballs seine Grenzen?"

Allerdings wäre es wohl sowieso unwahrscheinlich gewesen, dass sich die beiden Seiten inhaltlich aufeinander zubewegen, denn in der Sache sind die Fronten so verhärtet wie eh und je. Der Verband betont, dass die Spiele gegen die chinesische Olympiamannschaft den Regionalligisten zusätzliche Mittel brächten. 15.000 Euro bekommt jeder Verein. Kleinere Klubs ohne größere Fanbasis wie der TSV Schott Mainz, der am Samstag als erster gegen die Olympiamannschaft spielen wird, stehen dem Deal deshalb positiv gegenüber. Auch blieben die Vereine so am spielfreien Wochenende im Wettkampf-Rhythmus - einige Regionalligisten wie der SC Freiburg II begründen damit tatsächlich ihre Zustimmung zum Deal.

Auf der anderen Seite steht das Fanbündnis, das die aktiven Fanszenen aus Offenbach, Saarbrücken, Kassel, Ulm, Frankfurt (FSV), Stuttgart (Kickers), Koblenz, Waldhof Mannheim, Worms und Mainz umfasst - also alle größeren Fanszenen der Regionalliga Südwest. Und sie bekommen auch öffentlich Unterstützung von einigen Vereinsvertretern. Es stehe "die Frage im Raum, wo die Kommerzialisierung des Fußballs seine Grenzen hat", erklärte der Koblenzer Präsident Arnd Gelhard, der die Spiele ebenso verweigert wie Waldhof Mannheim und die Stuttgarter Kickers.

Dietmar Hopp hat seine Finger mit im Spiel

Auch aus der Regionalliga West kommt Kritik: "Die Regionalliga wird zu einer Kirmesliga, damit der FC Bayern München mehr Trikots in China verkaufen kann", sagt Oberhausens Präsident Hajo Sommers. Tatsächlich gilt Asien als größter Wachstumsmarkt für den deutschen Fußball. Längst verbringen Top-Klubs wie der FC Bayern oder der BVB ihre Trainingslager in China oder Japan, und als adidas-Boss Kasper Rorsted laut darüber nachdachte, das DFB-Pokalfinale in Shanghai stattfinden zu lassen, sprach er nur aus, was mancher Fußballfunktionär lieber intern bespricht.

Die Faninitiative moniert darüber hinaus, dass "einige Regionalligisten durch ihren Hauptsponsor vom China-Deal indirekt stärker profitieren als ihre Kontrahenten in der Liga" und spielt damit auf das vom Software-Giganten SAP gesponserte Astoria Walldorf an. Hoffenheim-Mäzen und SAP-Mitgründer Dietmar Hopp hatte sich in einem Interview mit der "FAZ" erstaunlich offenherzig gezeigt: "Die chinesische Olympiamannschaft wird schon mit unseren Techniken betreut. SAP hat in China vielversprechende Aufträge im Sport. Dass das chinesische Team hier im Südwesten war, hat auch mit den Standorten der TSG und SAP zu tun. Kurze Wege, das hilft immer."

Auf den Zusammenhang zwischen Hopps Aussagen und der China-Kooperation angesprochen, sprach DFB-Vize Zimmermann von einer "Verschwörungstheorie". Dass - wie die Fans finden - die Menschenrechtssituation in China eine Zusammenarbeit fragwürdig erscheinen lasse, konterte er ebenfalls: "Politische Unterschiede gibt es mannigfaltig auf der Erde."

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