Christoph Daum Comeback als Berater sofort möglich

Sechs Wochen nach seinem Geständnis, Kokain genommen und gelogen zu haben, kann sich Christoph Daum wieder vorstellen, ein Fußballteam zumindest zu beraten.


Christoph Daum: "Ich habe Dinge beschönigt"
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Christoph Daum: "Ich habe Dinge beschönigt"

Köln - "Wenn alles passt, würde ich das Risiko eingehen. Aber die Partner müssten es mittragen", schloss Daum in der RTL-Sendung "Stern TV" eine sofortige Rückkehr ins Fußballgeschäft nicht aus.


Zunächst Privatangelegenheiten erledigen


Der im Oktober beim Vizemeister Bayer Leverkusen entlassene Coach, der ursprünglich am 1. Juni dieses Jahres das Amt des Bundestrainers übernehmen sollte, will aber noch nicht gleich wieder als Cheftrainer arbeiten: "Es gibt viele Anfragen, so dass ich möglicherweise früher als geplant in beratender Funktion wieder tätig werden könnte. Das operative Geschäft, dass ich wieder direkt auf die Bank springe und an der Seitenlinie stehe, käme noch zu früh."

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Daum-Comeback

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Zuvor will der 47-Jährige zunächst alle angefallenen Privatangelegenheiten erledigt haben: "Ich möchte meinen neuen Arbeitgeber nicht mit den ganzen Gerüchten belasten." Daum war bereits als künftiger Trainer bei den Bundesligisten Eintracht Frankfurt und VfB Stuttgart sowie mehreren Clubs in der Türkei gehandelt worden.


Therapie nach dem Erdbeben


Daum gibt zu, seit seiner Rückkehr nach Deutschland bei der Aufarbeitung der Kokain-Affäre auch auf "professionelle Hilfe" zurückgegriffen zu haben: "In meiner Darstellung war ich nicht abhängig. Aber um das zu klären, habe ich eine Beratung in Anspruch genommen. Man kann das auch als Therapie bezeichnen. Ich habe Dinge beschönigt, nicht wahrhaben wollen. So etwas ist wie ein Erdbeben, für das es keine Richter-Skala mehr gibt. Das war alles so einschneidend und heilsam, dass Drogen keine Rolle mehr in meinem Leben spielen werden, und ich werde alles daran setzen, dass das auch für den Rest meines Lebens Gültigkeit besitzt. Ich bin jetzt seit einiger Zeit davon weg und werde das auch in Zukunft von Zeit zu Zeit dokumentieren lassen."

Die Entwicklung im vergangenen Herbst führt Daum auch auf seinen damaligen Umgang zurück: "Als bekannter Trainer hat man auch viele Schulterklopfer. Ich will aber nicht die Verantwortung für mein Handeln auf Dritte abwälzen. Für mich ist jetzt wichtig, diese Gruppen zu meiden." In diesem Zusammenhang revidierte er seine Äußerungen über einen ersten Kontakt zu Drogen auf Grund eines Hüftleidens: "Das war nur ein Erklärungssatz und ein Randargument. Ich habe das zu sehr in den Mittelpunkt gestellt. Das hat eine Bedeutung bekommen, die ich nicht wollte. Ich würde das nicht wieder erwähnen."

"Habe viel Positives geleistet"


Diskussionen über seine künftige Tauglichkeit als Vorbild kann Christoph Daum zwar nachvollziehen. Dennoch reklamiert der frühere Meistercoach für sich das Recht auf eine zweite Chance: "Ich habe in meinem Leben viel Positives geleistet. Eine Phase, in der ich unter Druck stand und ohne Überblick war, ist nicht aussagekräftig für mein Leben und mein Wirken."



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