Christoph Daum Heimlicher Haartest und Hausdurchsuchung

Warum hat sich der Fußballtrainer freiwillig zu Fall gebracht? Die einen sagen "Realitätsverlust" eines Drogenabhängigen, die anderen "unglaubliche Dummheit". Offensichtlich gab es ein anderes Motiv.


Christoph Daum: Fühlte er sich nach dem angeblichen Haartest zu sicher?
AP

Christoph Daum: Fühlte er sich nach dem angeblichen Haartest zu sicher?

Leverkusen - Der Fall Christoph Daum steckt voller Rätsel, doch die Frage, warum sich der Fußballlehrer freiwillig einer Haaranalyse unterzogen hat, die ihn letztlich überführte, kann möglicherweise beantwortet werden. Wie die "Bild"-Zeitung aus "verlässlicher Quelle" erfahren haben will, soll sich Daum zuvor in Holland heimlich einer Haarprobe unterzogen haben, die negativ ausgefallen sein soll. Das würde erklären, warum Daum nach tagelangem Zögern den freiwilligen "Befreiungsschlag" durch eine Haaranalyse gewagt hat. Ein Vorstoß, der letztlich zu einem Eigentor führte.

Von dem heimlichen Haartest in Holland weiß Leverkusens Manager Reiner Calmund zwar nichts, aber es würde wenigstens das fatale Manöver Daums erklären, das in der Öffentlichkeit als "unglaubliche Dummheit" und von Fachleuten als "Realitätsverlust eines Drogenkranken" interpretiert wurde. Calmund: "Ein heimlicher Test in Holland wäre eine Logik, die ich akzeptieren könnte. Bislang fehlten mir zwei Gramm Gehirn zu verstehen, warum Daum den offiziellen Haartest machen ließ."

Zudem vermehren sich die Anzeichen, dass Daum von seinem Arbeitgeber zum vorzeitigen Abgang gezwungen wurde. Wie der Kölner "Express" berichtet, wollte Daum das dreimal überprüfte Ergebnis der Haaranalyse des Kölner Instituts für Gerichtmedizin nicht akzeptieren und bat Calmund um zehn Tage Aufschub, um eine zweite Probe abzuwarten. Calmund soll darauf nur erwidert haben: "Ich setze mich doch nicht zehn Tage auf eine Bombe!" Der Flucht nach Florida soll Daum erst nach heftigen Auseinandersetzungen zugestimmt haben. Wie der "Express" erfahren haben will, soll Daum sein Versteck in Naples inzwischen wieder verlassen haben, weil er sich in der Villa des Calmund-Freundes zunehmend von Journalisten bedrängt fühlte.

Das Daum'sche Anwesen in Köln-Hahnwald am Freitagmorgen
REUTERS

Das Daum'sche Anwesen in Köln-Hahnwald am Freitagmorgen

In Deutschland sind indes weitere Gewitterwolken aufgezogen. Gegen den Coach ermittelt jetzt offenbar auch die Staatsanwaltschaft Koblenz. Nach Angaben der Koblenzer "Rhein-Zeitung" wurden am frühen Freitagmorgen die Wohnung Daums sowie die früheren Räume des Fußball-Lehrers bei Bayer Leverkusen durchsucht. Daums Lebensgefährtin habe den Drogenfahndern die Wohnung des 47-Jährigen, der sich offenbar in Florida aufhält, geöffnet. Daum steht nach Informationen der Tageszeitung seit längerem in Verdacht, sich Kokain beschafft zu haben.

Die Drogenfahnder seien auf ihn gestoßen, als sie Händler im Raum Köln, Aachen und im nördlichen Rheinland-Pfalz im Visier hatten, schreibt das Blatt. Zwei 54- und 39-jährige Männer seien in diesem Zusammenhang am Donnerstag verhaftet worden. Ermittelt werde auch gegen einen weiteren Dealer und einen Komplizen. Daum soll nicht gehandelt haben, aber im Besitz von Kokain gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft habe die Vorgänge bestätigt.



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