Christoph Daum "Ich habe bewusst gelogen"

In einem Zeitungsinterview hat der ehemalige Bundesliga-Trainer Christoph Daum erstmals zugeben, die Öffentlichkeit im Zuge des Kokain-Skandals um seine Person absichtlich an der Nase herumgeführt zu haben.


Christoph Daum bei der PK am 9. Oktober 2000 in Leverkusen
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Christoph Daum bei der PK am 9. Oktober 2000 in Leverkusen

Köln - Daum gestand, seinen früheren Arbeitgeber Bayer Leverkusen, den DFB und die Sportöffentlichkeit vorsätzlich getäuscht zu haben. "Ich habe bewusst gelogen", sagte der 47-Jährige dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Dem heute beim türkischen Spitzenclub Besiktas Istanbul tätigen Daum wird von den deutschen Ermittlungsbehörden unerlaubter Erwerb von Kokain in 63 Fällen vorgeworfen. Ein Prozess gegen Daum könnte nach Angaben des Landgerichts Koblenz in diesem Spätsommer beginnen.

"Ich hätte keine Chance gehabt"


Daum argumentiert in dem Gespräch damit, "dass viele Menschen ein Problem gehabt hätten, wenn ich gesagt hätte: Ja, ich hab' das Zeug doch schon das eine oder andere Mal genommen". Das habe er gewusst, und aus diesem Grund habe er bewusst die Unwahrheit gesagt. Die Verantwortung übernehme er, "aber das, was daraus gemacht worden ist, hat nichts mehr zu tun mit dem, wofür ich die Verantwortung zu übernehmen bereit bin". Entschuldigungen hätte man ihm als Wortklauberei ausgelegt, Gerüchte, Unterstellungen, Vermutungen seien von Tag zu Tag größer geworden. "Ich hätte keine Chance gehabt. Ich hätte mich selbst entlasten müssen. Es gab für mich nur die Flucht nach vorne", verteidigte sich Daum.

Unbedeutsame Verfehlungen


Seine Verfehlungen seien dem im Sommer 2000 beim DFB bereits als Bundestrainer im Wort stehenden Daum "so gering, so unbedeutsam vorgekommen, dass ich mit dieser Überzeugung auftreten konnte", sagte Daum zu seiner "Ehrenwort-Erklärung" vom 9. Oktober des Vorjahres. Damals hatte er mit dem Hinweis auf ein "absolut reines Gewissen" in eine Haaranalyse eingewilligt, die dann einen positiven Drogen-Befund ergab. Wenig später hatte sich Bayer Leverkusen von ihm getrennt.

Im Zuge seiner Drogen-Affäre ist Daum nach eigenen Angaben "nachdenklicher und misstrauischer" geworden. Aber er habe wieder gelernt zu kämpfen, auch "in jenen Situationen, in denen ich sehr enttäuscht und verbittert war". Das alles sei schon sehr tief gegangen. Menschen, die ihm nahe stehen, hätten "ungerechtfertigt viel aushalten müssen". Jetzt müsse er seine Glaubwürdigkeit und seine sportliche Reputation zurück holen, dann müsse er in einer zweiten Stufe "am Vertrauen arbeiten, das verloren gegangen ist. Aber es ist möglich, dass diese Sache in Deutschland gar nicht mehr reparabel sein wird".

Bis 23. Juli in Deutschland


Daum ist mit Besiktas Istanbul am Montag zur Vorbereitung auf die neue Saison nach Köln geflogen. Sein Team wird sich bis zum 23. Juli in Deutschland aufhalten. Istanbul absolviert in Deutschland fünf Trainingsspiele und trifft dabei auf die Bundesliga-Clubs 1. FC Köln (20. Juli) und Borussia Mönchengladbach (22. Juli). Das erste Spiel findet an diesem Donnerstag (19 Uhr) beim Oberligisten Bonner SC statt.



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