Chronologie Der Fall Daum

Der ehemalige Leverkusener Coach und Fast-Bundestrainer Christoph Daum hat mit seiner Drogen-Affäre für einen der größten Skandale der Fußball-Bundesliga gesorgt.


Christoph Daum: "Ich habe Kokain konsumiert"
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Christoph Daum: "Ich habe Kokain konsumiert"

2. Oktober 2000:

Daum schaltet den Hamburger Anwalt Matthias Prinz ein und stellt gegen Uli Hoeneß Strafanzeige wegen Verleumdung und übler Nachrede. Der Manager von Bayern München hatte mit Andeutungen die Daum-Affäre ins Rollen gebracht.

3. Oktober 2000: Hoeneß nimmt einen Teil seiner Aussagen zurück. Von Erpressungsversuchen und Prostitution habe er nie gesprochen. Daum weist Drogenvorwürfe zurück: "Es war nie etwas und wird nie etwas sein."

4. Oktober 2000: Franz Beckenbauer fordert einen Friedensgipfel. Daum stellt klar: "Ich werde Bundestrainer."

5. Oktober 2000: Vize-Präsident Fritz Scherer vom FC Bayern verlangt von Daum einen Drogentest in Form einer Haaranalyse. Daum und Leverkusen lehnen einen Friedensgipfel ab.

9. Oktober 2000: Daum willigt ein, eine Haaranalyse wegen der Drogenverdächtigungen vornehmen zu lassen.

10. Oktober 2000: Hoeneß weist auf einer Pressekonferenz alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück. "Ich habe und hatte nicht vor, Christoph Daum zu diskreditieren", erklärte der Bayern-Manager. Zugleich kündigte er Klagen gegen jeden an, der behauptet, er habe Daum in Zusammenhang mit Drogen und Prostitution gebracht.

15. Oktober 2000: Die Task-Force-Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erörtert den Streit zwischen Hoeneß und Daum und stellt sich demonstrativ hinter den Coach. Der geschäftsführende DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder bekräftigt, Daum solle Bundestrainer werden.

20. Oktober 2000: Daum erhält vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Köln die positiven Ergebnisse der Haarprobenanalyse. Er bittet die Geschäftsleitung von Bayer Leverkusen um die Entbindung von seinen Aufgaben und unterrichtet den DFB.

21. Oktober 2000: Bayer Leverkusen verkündet die Trennung von Daum und die Ernennung von Rudi Völler zum Interimscoach. Der DFB erklärt, die am 2. Juli getroffene Vereinbarung, nach der Daum am 1. Juni 2001 Bundestrainer werden solle, werde mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Daraufhin zieht Daum sich nach Florida zurück.

27. Oktober 2000: Die Staatsanwaltschaft Koblenz nimmt Ermittlungen gegen den ehemaligen Bayer-Coach wegen des Verdachts auf unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln auf.

16. November 2000: Daum legt zu seiner Entlassung eine zweite in den USA vorgenommene Haaranalyse vor, die angeblich seine Unschuld beweisen soll.

13. Dezember 2000: Auf seiner Internet-Homepage schreibt Daum via USA, dass er eine Rückkehr in die Bundesliga nicht ausschließe.

15. Dezember 2000: Bayer Leverkusen beendet offiziell das Arbeitsverhältnis mit Daum. Der Bundesligist sichert ihm eine Abfindung zu, die nach unbestätigten Angaben zwei Millionen Mark betragen soll.

17. Dezember 2000: Aus den USA äußert sich Daum erstmals in einem Fernsehinterview zu den Drogenvorwürfen. Darin äußerte er seine Bereitschaft, mit der ermittelnden Staatsanwaltschaft zu kooperieren.

11. Januar 2001: Daum kehrt aus seinem amerikanischen Exil in seine Heimatstadt Köln zurück. Er kündigt an, zu den Vorwürfen gegen ihn und zu seinen Zukunftsplänen Stellung zu nehmen.

12. Januar 2001: Daum gesteht bei einer Pressekonferenz in Köln erstmals ein, dass er Drogen konsumiert hat. "Ich gebe zu, dass ich mit Drogen in Kontakt gekommen bin und Kokain konsumiert habe."

7. März 2001: Daum wird Nachfolger des erkrankten Nevio Scala beim türkischen Erstligisten Besiktas Istanbul. Er erhält einen Trainervertrag bis zum 30. Juni 2002.

30. Mai 2001: Die Staatsanwaltschaft Koblenz erhebt Anklage gegen Daum. Vorwurf: Unerlaubter Erwerb von Kokain in 63 Fällen.

23. Oktober 2001: Der Prozess gegen Daum vor dem Landgericht Koblenz beginnt.

6. November 2001: Der vierte Prozesstag. Die Daum-Verteidigung wirft einem Hauptkommissar vor, bei der Erstellung der Telefonüberwachungs-Akten des 48 Jahre alten Fußball-Lehrers möglicherweise absichtlich verschiedene Formfehler begangen zu haben. Der zuständige Staatsanwalt Dr. Jörg Angerer reagierte erbost auf die Manipulationsvorürfe und lieferte sich ein filmreifes Wortgefecht mit den Daum-Verteidigern.

13. November 2001: Der fünfte Prozesstag. Die Situation im Gericht droht zu eskalieren: Laut Staatsanwaltschaft sollen die Anwälte Daums einem Zeugen zwei Millionen Mark in Aussicht gestellt haben, falls der seine belastenden Aussagen widerrufe und während des Prozesses Deutschland verlasse. Daum selbst bezeichnete die Vorwürfe als `ungeheuerlich" und als "Rechtsverdrehung".

11. Dezember 2001: Der neunte Prozesstag. Daum bricht mit einem flammenden Appell überraschend sein Schweigen vor dem Landgericht Koblenz. Er sei bereit für seine Fehler die Verantwortung zu nehmen. Doch der Prozessverlauf erinnere ihn eher an eine Hinrichtung.

21. Dezember 2001: Der zehnte Prozesstag. Daum macht drei Tage vor Weihnachten erstmals konkrete Angaben zu seinem Kokain-Konsum und begründet im Gegensatz zu früheren Äußerungen (Hüftarthrose) seinen Gelegenheitskonsum nun plötzlich mit familiären Problemen. Die Trennung von Frau und Kindern hätte ihn in den Drogensumpf stürzen lassen.

15. Januar 2002: Der 13. Prozesstag. Die Anwälte des Fußball-Lehrers stellen den ersten von insgesamt sieben Befangenheitsanträgen gegen die Erste Große Strafkammer. Laut Daum-Verteidigung machen sich die Richter die voreingenommene Verhandlungsstrategie der Staatsanwaltschaft zu eigen.


30. Januar 2002: Der 15. Prozesstag. Daum träumt offenbar trotz seines laufenden Kokain-Prozesses in Koblenz von einer Rückkehr zu seinem Stammklub 1. FC Köln. Nach der Entlassung von Trainer Ewald Lienen brachte sich Daum in einem WDR-Interview selbst als "Retter" des "Geißbockklubs" ins Gespräch.

5. Februar 2002: Der 16. Prozesstag. Die Staatsanwaltschaft beantragt nun auch Bayer Leverkusens Manager Reiner Calmund als Zeuge vor dem Landgericht Koblenz zu hören. Die Staatsanwaltschaft erhofft sich durch Calmund offenbar weitere Erkenntnisse über die positive Haarprobe von Daum, da dem Manager im Oktober 2000 das positive Ergebnis der Haarprobe auf Wunsch Daums übermittelt worden war.

13. Februar 2002: Der 17. Prozesstag. Richter Ullrich Christoffel gibt bekannt, dass der für das Prozess-Ende anberaumte Termin am 26. Februar nicht eingehalten werden könne und terminiert den letzten Verhandlungstag vorsorglich auf den 4. Juni.

5. März 2002: Der 20. Prozesstag. Unter riesigem Medienrummel betritt Reiner Calmund den Gerichtssaal 128 in Koblenz. Mit seiner Aussage erschütterte der Bayer-Manager die Glaubwürdigkeit seines ehemaligen Freundes. Daum soll ihm gegenüber geäußert haben, dass er die bei der Haaranalyse in Köln abgegeben Haare vertauscht haben will.

18. März 2002: Der 23. Prozesstag. Die "Schlammschlacht" zwischen den Richtern, Staatsanwälten und den Daum-Verteidigern erreicht einen neuen Höhepunkt. Mit weitere Befangenheitsanträgen gegen die Richter "vergifteten" Dr. Rolf Stankewitz und Co. ein weiteres Mal die Atmosphäre im Gerichtssaal und fordern die Erste Große Strafkammer zum Rücktritt auf.

19. März 2002: Der 24. Prozesstag. Der Co-Trainer von Daum, Roland Koch, weist Spekulationen um eine bewusste Manipulation bei der Entnahme der Haarprobe im Oktober 2000 in Leverkusen zurück. Allerdings musste Koch einräumen, dass er persönlich nicht gesehen habe, wie Daum die Haare abgeschnitten wurden.

26. März 2002: Der 25. Prozesstag. Daum stellt sich zum Interview und offenbart seine Zukunftsvsionen. Er könne sich als "Mann aus dem Volk für das Volk" eine Bundesliga-Rückkehr vorstellen. Außerdem sei es ein Ziel, erster deutscher Trainer in Italien zu werden.

9. April 2002: Der 27. Prozesstag. Daum hofft erstmals seit Monaten auf ein vorzeitiges Prozess-Ende. Die Anwälte der Mitangeklagten Rüdiger Klemens und Hans-Josef Welter einigten sich mit den Staatsanwälten auf Urteile und sorgten so für eine Abtrennung des Verfahrens gegen Daum. Allerdings zerschlugen sich die Hoffnungen Daums in Windeseile, da seine Verteidiger im Gespräch mit der Staatsanwaltschaft keinen Deal herausarbeiten konnten.

30. April 2002: Der 29. Prozesstag. Der Mammutprozess neigt sich offenbar dem Ende entgegen. Der gerichtliche Gutachter Dr. Hans Sachs aus München entlastete Daum, in dem er der Analysemethode von Proffessor Herbert Käferstein aus Köln, der den hohen Kokain Wert bei Daums erster Kopfhaaranalyse in Köln ermittelte, eine "hohe Fehlerbreite" unterstellte.

3. Mai 2002: Daums Klub Besiktas Istanbul gibt offiziell die Trennung von seinem deutschen Trainer bekannt. Man werde auf freundschaftlicher Basis in gegenseitigem Einvernehmen voneinander Abschied nehmen, so Besiktas-Vizepräsident Yildirim Demirön. Daum wurde damit offenbar der Kokain-Prozess vor dem Landgericht Koblenz zum Verhängnis. Zuvor war eine Verlängerung des Kontraktes um drei Jahre bei Besiktas im Gespräch.

6. Mai 2002: Nach fast siebenmonatiger Verhandlungsdauer wird das Verfahren eingestellt. Am 30. Verhandlungstag einigen sich Staatsanwaltschaft, Gericht und Daums Verteidigung auf eine Einstellung gegen die Zahlung einer Geldbuße von 10.000 Euro an eine soziale Einrichtung. Im Endeffekt konnte die Staatsanwaltschaft Daum nur zwölf Fälle des Kokainbesitzes nachweisen.

Zusammengestellt von dpa und sid



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