DFB-Integrationsbeauftragter Cacau "Mich haben die verächtlichen Worte von Tönnies schockiert"

Wegen rassistischer Äußerungen soll sich Schalkes Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies am Dienstag vor dem Ehrenrat des Vereins erklären. Der DFB-Integrationsbeauftragte Cacau äußerte sich jetzt deutlich zu dem Fall.

Der Integrationsbeauftragte des DFB, Cacau, verurteilte die Äußerungen des Schalker Aufsichtsratschefs Clemens Tönnies
DPA

Der Integrationsbeauftragte des DFB, Cacau, verurteilte die Äußerungen des Schalker Aufsichtsratschefs Clemens Tönnies


Der Integrationsbeauftragte des DFB, Cacau, hat die umstrittenen Aussagen von Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies kritisiert. "Mich haben die verächtlichen Worte von Clemens Tönnies schockiert", sagte Cacau. "Und je länger ich darüber nachdenke, desto unvorstellbarer wird es, dass ein Mann seiner Position und Erfahrung so generalisierend und abfällig über die Bevölkerung eines ganzen Kontinents spricht", heißt es in einer Mitteilung des Deutschen Fußball-Bundes.

Cacau fügte hinzu: "Wir Fußballer und Funktionäre tragen eine besondere Verantwortung und sollten uns gegen Rassismus authentisch und mit aller Kraft einsetzen und nicht an einer Spaltung mitwirken, die ohnehin in unserer Gesellschaft spürbar ist."

Der in Brasilien geborene Cacau, der 23 Spiele für die DFB-Auswahl bestritt, begrüßte, dass die Äußerungen von Tönnies von der DFB-Ethikkommission untersucht werden. Dass sich der Fleischfabrikant aus Rheda-Wiedenbrück für seine Aussagen inzwischen "mehrfach für Inhalt und Form entschuldigt hat, war dringend nötig", sagte der 38-Jährige.

Clemens Tönnies erntete für seine Äußerungen viel Kritik
Tim Rehbein/DPA

Clemens Tönnies erntete für seine Äußerungen viel Kritik

Asamoah kritisiert, Kubicki verteidigt Tönnies

Zuvor hatte sich bereits der ehemalige Schalker Bundesligaprofi Gerald Asamoah "geschockt" über die Aussagen von Tönnies gezeigt. "Seine Äußerung hat mich sehr überrascht, geschockt und auch verletzt. Er beleidigt mich und alle anderen Betroffenen", schrieb Asamoah auf Instagram. "Ich bin ehrlich gesagt etwas sprachlos. Ich arbeite schon lange mit Clemens Tönnies zusammen und wir sind auch schon lange eng befreundet", so der in Ghana geborene Asamoah. "Mir gegenüber hat er sich nie rassistisch verhalten."

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP, Wolfgang Kubicki, verteidigte dagegen die Äußerungen des Aufsichtsratsvorsitzenden der Schalker. "Die ziemlich drastische Aussage von Clemens Tönnies war nicht nur zulässig, sondern vielleicht auch notwendig, um auf ein Riesendilemma der selbst ernannten Klimaaktivisten hinzuweisen", schrieb der Politiker auf seiner Facebook-Seite.

Schalker Ehrenrat beschäftigt sich mit dem Fall

Am Dienstag muss sich Tönnies vor dem Ehrenrat von Schalke 04 erklären, der über vereinsinterne Konsequenzen beraten wird. Der aus fünf Mitgliedern bestehende Ehrenrat hatte angekündigt, sich "zeitnah" mit dem Fall zu beschäftigen. Auch aus Vereinskreisen kamen Beschwerden und Aufforderungen, dass sich der Ehrenrat einschalten solle.

Tönnies hatte in der vergangenen Woche Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren, sagte er beim Tag des Handwerks in Paderborn. "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren." Für die Äußerungen hatte er sich später entschuldigt, war aber von zahlreichen Vertretern aus Politik und Sport kritisiert worden.

hba/dpa/sid

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Seite 1
FrankDunkel 05.08.2019
1.
Die widerlichen Äußerungen des Herrn Tönnies müssen Konsequenzen haben. Ein Funktionär mit solchem Denken ist nicht tragbar. Gerade Schalke 04 mit seiner wenig ruhmreichen Geschichte sollte hier ein klares Signal senden.
mullertomas989 05.08.2019
2. Warum fällen denn die Afrikaner Bäume???
Für Soja-Anbauflächen. Damit die Tönnies-Rinder und -Schweine geung billiges Futter bekommen! Mir scheint, er wollte nur von seiner eigenen Mitverantwortung für den Klimawandel (Tierproduktion) ablenken. Aber der Schuss ging wohl nach hinten los .....
vera gehlkiel 05.08.2019
3.
Aha, Wolfgang Kubicki in einem Schlauchboot mit Schnacksel- Gloria von Thurn und Taxis und Fleischmafia -Legitimierer Tönnies, vor dem Horn von Afrika die Welt rettend. Ich glaube, zu oft nachts "Steiner -das Eiserne Kreuz" gucken und dabei Weißwein trinken macht auch was mit einem...
CROD 05.08.2019
4. @nickleby
Sie haben sehr interessante Ansichten. Sofern Herr Tönnies "Witz in die Debatte bringen wollte", so hätte er das Thema wohl besser ernsthaft behandelt. Denn dieser "Witz" ist vollkommen unangebracht und sollte wohl ja auch vor allem die Schuld für den Klimawandel auf die abwälzen, die am wenigsten dafür können. Und weil es so schön passt, machen wir aus den Schwarzen dann noch dauerkopulierende Massenvermehrer. Aber ok, wenn man sich die Leserkommentare in der "Welt" durchliest, dann muss man wohl auch bald wieder damit rechnen, dass gewisse Witze wieder Einzug in eine Antisemitismusdebatte halten. Dann ist es halt nicht der geile Afrikaner, sondern der geldgeile Jude. Wehret den Anfängen. Und dass wir in der Ersten Welt ganz arme Schweine sind und auf keinen Fall irgendjemand sich des Klimaschutzes wegen einschränken oder sogar Geld zahlen soll.... das ist der eigentliche Witz! Tönnies zeigt sich chauvinistisch und kapitalistisch. Und keiner macht so einen Witz mal eben so. Da steckt eine Geisteshaltung dahinter.
skeptikerjörg 05.08.2019
5. Sagt etwas über uns
Irgendwann zeigt jeder sein wahres Gesicht, ob er/sie nun Meuthen oder Tönnies heißt. So etwas sagt man nicht aus Versehen wenn es einem nicht schon lange im Kopf rumspukt. Aber es sagt auch etwas über das Auditorium, denn Tönnies lässt diese Sprüche nur los, wenn er glaubt, dass sie beim Auditorium gut ankommen. Und dass es keinen spontanen Widerspruch gab, nicht einmal vom anwesenden Bischof von Paderborn, zeigt, dass seine Einschätzung richtig war, zeigt, wie weit wir Alltagsrassismus schon als normal ansehen.
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