Rassistische Äußerungen DFB-Ethikkommission wird sich mit Tönnies beschäftigen

Die Aussagen von Clemens Tönnies werden ein Fall für die Ethikkommission des DFB. Justizministerin Lambrecht hatte dem Schalke-Boss zuvor "dumpfen Rassismus" vorgeworfen und den Verband zum Handeln aufgefordert.

Clemens Tönnies (Archivbild: 30.06.2019)
DPA/Tim Rehbein

Clemens Tönnies (Archivbild: 30.06.2019)


Nach seinen umstrittenen Aussagen über Afrikaner drohen Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies Konsequenzen vom Deutschen Fußball-Bund. Die Ethikkommission des DFB wird sich bei ihrer nächsten Sitzung am 15. August mit dem Vorfall beschäftigen. Das bestätigte der Vorsitzende des Gremiums, Nikolaus Schneider, der "Deutschen Presse-Agentur". "Wir werden das Thema in unserem Kreis bereden", sagte Schneider am Sonntag.

Tönnies hatte beim Tag des Handwerks in Paderborn als Festredner vor 1600 Gästen Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Dabei stellte er aber auch einen angeblichen Zusammenhang von Energieversorgung, Klimawandel und Überbevölkerung in Afrika her.

Statt die Abgaben zu erhöhen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren, sagte er der "Neuen Westfälischen" zufolge. Und: "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren." Der Fleischfabrikant hatte später gesagt, er sei über sich selbst bestürzt und bedauere seine "unbedachten Äußerungen". "Da hilft kein Drumherumreden, da hilft auch keine Verschlimmbesserung, es war schlicht töricht", sagte er.

"Die öffentliche Wirkung ist schlimm"

Tönnies' öffentliches Bedauern seiner Aussage werde bei der Bewertung durch die Ethikhüter berücksichtigt, kündigte Schneider an. Allerdings widersprächen die in Paderborn von Tönnies getätigten Worte allem, "wofür der Fußball steht", so Schneider. "Die öffentliche Wirkung ist schlimm", sagte der Vorsitzende der DFB-Ethikkommission.

Diese kann selbst kein Urteil fällen. Das dreiköpfige Gremium kann lediglich Anklage erheben, über die dann die DFB-Gerichtsbarkeit entscheiden muss.

Bereits in der kommenden Woche will der Ehrenrat von Schalke 04 über mögliche Konsequenzen für den Aufsichtsratschef des Fußball-Bundesligisten beraten. Dem Gremium stehen diverse Sanktionen bis hin zu einer Amtsenthebung Tönnies' zur Verfügung. Vom Schalker Vorstand hatte er indes Rückendeckung erhalten.

Bundesregierung schaltete sich ein

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hatte Tönnies zuvor scharf kritisiert: "Wer dumpfen Rassismus verbreitet, stellt sich gegen Hunderttausende Fußballfans. Die übergroße Mehrheit steht klar für Menschlichkeit und Toleranz", sagte die Justizministerin den Zeitungen der "Funke Mediengruppe" am Sonntag.

Lambrecht hatte den DFB zudem aufgefordert, sich mit dem Vorfall zu beschäftigen. "Wir müssen ganz klar machen: Wir lassen uns nicht spalten. Rassismus muss man überall laut und deutlich widersprechen: in sozialen Netzwerken, im Verein, im Job und auf dem Fußballplatz."

Am Samstag hatte Tönnies bereits deutliche Kritik von DFB-Interimschef und Ligapräsident Reinhard Rauball bekommen. "Ich war sehr überrascht, dass ihm das so passiert ist, und das kann man nicht durchgehen lassen, kommentarlos", hatte Rauball nach dem Supercup in Dortmund gesagt.

Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, sprach von einem "gesamtgesellschaftlichen Schaden", den die Äußerungen Tönnies' angerichtet hätten.

ngo/dpa/sid



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jk1! 04.08.2019
1. Wenn man sieht womit der Herr Tönnies
sein Vermögen gemacht hat, wie dort Menschen und Tiere schlecht behandelt werden, mit welchen juristischen Tricks er sein Firmenimperium führt stellt sich nur eine Frage: Hat da jemand einfach nur gesagt was er denkt? Bezeichnend im übrigen, das die anwesenden Zuhörer nicht geschlossen den Saal verlassen haben. Um auf einen gerade anderen Artikel Bezug zu nehmen: denken so die leistungsbereiten Arbeitnehmer und verantwortungsvollen Arbeitgeber?
Hanz Dampf 04.08.2019
2. Passiert???
Alle tun so als sei ihm etwas passiert, als hätte er aus Versehen was Dummes gemacht. So eine Aussage "passiert" aber nicht sondern spiegelt eine Weltsicht und eine Einstellung wieder. Das die restlichen Schalker Verantwortlichen Tönnies diese Aussage durchgehen lassen und als "Versehen" bewerten ist ebenso ein Skandal wie die Aussage selbst. Was wohl eine Vereinslegende wie Gerald Asamoah dazu sagt? Hans Sarpei hat sich ja schon klar positioniert. Menschen wie Tönnies mit offensichtlich rassistischen und imperialistisch/kolonialistischen Ansichten gehören nicht in solche Ämter. Der Mann gehört schnellstens entfernt.
beathovenr66 04.08.2019
3. Bin gespannt...
ob das Gremium sich zu mehr als einer Rüge durchringen kann. Bleibt der Herr Tönnies unbestraft, hat der DFB zukünftig mit Kampagnen wie "Respekt" und "Gegen Rassismus" ein Glaubwürdigkeitsproblem, oder nicht ?
enni3 04.08.2019
4. Neoliberalismus vs. Aufklärung
Es ist schwierig, Leute wie Herr Tönnies in ihrem Selbstverständnis zu erschüttern. Denn genau diese Denke, dessen was einem selbst zustehen würde, per Geburtsrecht oder eigener Leistung, die in der Regel doch nur eine Kombi aus Können, ganz viel Glück und VitaminB ist, wird uns vernichten. Erst wenn wir verstehen, dass der Europäer nicht mehr wert ist als der Afrikaner, der Manager nicht mehr als der Pfleger, der vitale Hipster nicht mehr als der gebrechliche Rentner, das Wunderkind nicht mehr als das behinderte Kind. Erst dann werden wir dem eigentlichen Problem unserer Gesellschaft entgegenwirken können. Da ist Herr Tönnies nur eine Facette des Problems, wie es der Pegida-Demonstrant in Dresden ist. Denn das Problem erstreckt sich durch alle Gesellschaftsschichten.
lalito 04.08.2019
5. kurz gesagt
Persona non grata, fertig. Ein Großteil der, im Zuge der Einordnung seiner Aussage, erhobenen Vorwürfe sind natürlich nicht neu. So erstaunlicher, dass er es über den Sport bis in die Öffentlichkeit schaffte. Natürlich wissen viele Menschen, dass es solche Riegen gibt. Bemerkenswert, dass diese, zumeist über ihre eigene Beschränktheit, plötzlich öffentlich kalt werden. Fürstin, Worstandsvorsitzender oder der Kollege von der Wurstfront - Abgehobenheit und Sinnverwirrung - letztlich erfolgt der Rückzug, zu Recht. Am Hungertuch nagen diiese illustren Persönlcihkeiten jedoch zumeist nicht . . .
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