"Er wird ja regelrecht geschlachtet" Tönnies erhält Beistand aus der Bundesliga

Reaktionen aus der Bundesliga auf die rassistischen Äußerungen von Clemens Tönnies waren bisher rar. Nun stellten sich mehrere Offizielle gegen die Kritik am Schalke-Boss.
Schalkes pausierender Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies

Schalkes pausierender Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies

Foto: Sacha Schuermann/AFP

Lange war es ruhig aus den Reihen der Bundesliga-Vertreter zum Fall Clemens Tönnies. Nun hat Schalkes pausierender Aufsichtsratsvorsitzender Unterstützung aus mehreren Vereinen bekommen. Trainer Friedhelm Funkel vom Bundesligisten Fortuna Düsseldorf hat auf einer Veranstaltung der "Rheinischen Post" dafür geworben, Tönnies zu vergeben. "Clemens hat sich in der Wortwahl vergriffen. Aber was da medial draus gemacht wird, ist mir persönlich viel zu viel. Er wird ja regelrecht geschlachtet", sagte Funkel über den Fleischfabrikanten.

Funkel ergänzte, Tönnies habe einen "schweren Fehler" gemacht. Diesen Fehler habe er "eingestanden und sich entschuldigt". "Es bringen Leute mit einem Samuraischwert Menschen um. Da wird zwei Tage drüber berichtet, dann ist es vergessen. Wir müssen alle ein bisschen runterkommen", sagte der Trainer - offenbar mit Verweis auf einen Vorfall Ende Juli in Stuttgart, bei dem ein 36-Jähriger durch einen Mann mit einem "schwertähnlichen Gegenstand" erstochen wurde.

Tönnies hatte beim Tag des Handwerks in Paderborn als Festredner Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Dabei stellte er aber auch einen angeblichen Zusammenhang von Energieversorgung, Klimawandel und Überbevölkerung in Afrika her. Statt Steuern zu erhöhen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren", sagte Tönnies. Für diese Aussagen hatte er sich später entschuldigt, allerdings nicht bei den Betroffenen selbst.

Weitere Teilnehmer pflichteten Funkel bei

Auch die anderen Podiumsteilnehmer in Düsseldorf, Max Eberl (Manager Borussia Mönchengladbach), Armin Veh (Sportchef 1. FC Köln) und Simon Rolfes (Sportdirektor Bayer Leverkusen), schlossen sich sinngemäß Funkels Rede an. "Es ist nicht so, dass wir das gutheißen", sagte Eberl: "Wir können jede Empörung verstehen, denn wir waren auch empört, als wir das gehört haben. Aber man muss einem Menschen die Möglichkeit geben, wieder aufzustehen."

Kölns Sportchef Veh sagte über Tönnies: "Er ist 63, hat schon ein Leben hinter sich. Wenn aus diesem Leben ein Satz herauskommt und ich mit diesem einen Satz mein ganzes Leben kaputtmache, dann ist das maßlos übertrieben." Leverkusens Sportdirektor Rolfes kritisierte, die "Einteilung in Schwarz und Weiß in der Öffentlichkeit" sei "zu extrem". Die Diskussion über inhaltliche Themen bleibe oft auf der Strecke.

Der S04-Ehrenrat hatte seinen Aufsichtsratsvorsitzenden in der vergangene Woche vom Vorwurf des Rassismus freigesprochen. Der Klubchef selbst schlug vor, dass er sein Amt drei Monate ruhen lasse. Diesem Ansinnen von Tönnies wurde vonseiten des Schalker Ehrenrates zugestimmt. Das Gremium wurde für seine Entscheidung kritisiert.

Die Schalker Fans hielten vor dem Pokalspiel beim SV Drochtersen/Assel (5:0) am vergangenen Samstag ein Plakat mit der Aufschrift "Wir zeigen Tönnies die Rote Karte" hoch. Am 15. August wird sich die DFB-Ethikkommission mit dem Fall befassen.

Zuvor hatten sich unter anderem Gerald Asamoah, Teammanager der Schalker U23 sowie der DFB-Integrationsbeauftragte Cacau deutlich zu dem Fall geäußert. Schauspieler Peter Lohmeyer ist als Mitglied bei Schalke ausgetreten.

ngo/dpa/sid
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