Club-TV im Internet Keiner überholt die Bayern

Immer mehr Fußballclubs bereichern ihre Internetauftritte mit einem Club-TV. Das Fachmagazin Sponsors stellt eine Studie vor, die das Angebot von 20 Vereinen der fünf europäischen Topligen untersucht. Auch Bayern München ist darunter - und führend in einer Kategorie.


Bewegtbilder der Fußball-Bundesliga sind für ein Schnäppchen zu haben. Zumindest, wenn man die Internet-TV-Angebote der hiesigen Vereine mit den Vertretern aus den anderen europäischen Top-Ligen vergleicht. Durchschnittlich vier Euro müssen die Fans der vier erfolgreichsten deutschen Vereine im Monat bezahlen, um Videos ihrer Lieblingsmannschaft online zu betrachten. Das ist zwischen 30 und 40 Prozent weniger als bei den Premium-Clubs der spanischen Primera División (6,65 Euro), der englischen Premier League (5,88 Euro) oder der französischen Ligue 1 (5,50 Euro).

Bayern-TV: Die beste Übertragungsrate aller Clubs

Bayern-TV: Die beste Übertragungsrate aller Clubs

Gar nichts zahlen müssen die Fans übrigens in Italien und bei Spaniens Rekordmeister Real Madrid, wo die Videos zum Nulltarif platziert werden. Allerdings beschränkt sich das Angebot dieser Teams ausschließlich auf Bilder von Interviews und Pressekonferenzen. Highlight-Zusammenfassungen von Spielen gibt es im Gegensatz zur europäischen Konkurrenz nicht.

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der "Macromedia Fachhochschule der Medien", in der die Club-TV-Auftritte von 20 ausgewählten Vereinen der fünf besten europäischen Ligen analysiert wurden. Über einen Zeitraum von mehreren Wochen untersuchte Macromedia das Bewegtbildangebot auf Struktur, Sprache, Inhalt, Umfang und Werbung. Da sich die Studie auf die Spitzenclubs eines jeden Landes beschränkt, lassen die Ergebnisse natürlich keine allgemeingültigen Aussagen für die gesamte Liga zu. Denn es ist davon auszugehen, dass vor allem die Top-Vereine um einen professionellen Bewegtbildauftritt bemüht sind.

Wobei mit dem FC Valencia, dem FC Sevilla (beide Spanien) und AJ Auxerre (Frankreich) drei Clubs aus dieser elitären Riege gänzlich auf Videostreams verzichten. Ganz im Gegensatz zum englischen Rekordmeister Manchester United, der sogar multilingual aufgestellt ist. Um auf dem asiatischen Markt punkten zu können, werden die Videos neben dem englischen auch mit chinesischem, japanischem und koreanischem Kommentar angeboten.

Das ist beim deutschen Rekordmeister Bayern München derzeit noch Zukunftsmusik. "Momentan sind die Videos nur mit deutschem und englischem Kommentar abrufbar. Natürlichen denken wir diesbezüglich über einen weiteren Ausbau nach, aber es muss alles in einem vernünftigen Kosten-Nutzenverhältnis stehen", sagt Stefan Mennerich, Leiter Neue Medien und Medienrechte bei den Bayern. Neben dem deutschen Rekordmeister und ManU bieten allerdings nur Juventus Turin, Real Madrid und der FC Barcelona (jeweils in Englisch) der internationalen Zielgruppe überhaupt fremdsprachliche Angebote. Alle anderen Vereine beschränken sich ausschließlich auf die jeweilige Landessprache.

Natürlich nützen alle Sprachangebote nichts, wenn die Übertragungsqualität der Internetvideos unzureichend ist. Neben der technischen Ausstattung des Users zeichnet für die Übertragungsqualität die sogenannte Bitrate verantwortlich, die das Verhältnis einer Datenmenge zu einer Zeit bezeichnet. "Je größer die Bitrate, desto besser ist auch die Qualität", erklärt Thomas Sturm, Geschäftsführer der Kölner Agentur "Streaming Factory". Allerdings erhöhe ein schnellerer Datendurchfluss auch die Kosten für einen Club. Spitzenreiter in diesem Ranking ist Bayern München mit einer Übertragungsrate von mindestens 594,14 kBit pro Sekunde, wobei nur zwölf Vereine eine Angabe zur Übertragungsqualität machen wollten. Am Ende dieser Hierarchie liegt Real Madrid mit 303 kBit pro Sekunde.

Um den Fußball-Fan mit Club-TV im Internet überzeugen zu können, muss natürlich auch das Programmangebot stimmen. Denn bekanntlich lebt ein Onlineauftritt von Aktualität und regelmäßig neuen Inhalten. Dass es diesbezüglich große Unterschiede auch innerhalb der einzelnen Ligen gibt, zeigt ein weiteres Ergebnis der Studie auf. Vor allem der FC Barcelona scheint darum bemüht zu sein, seine Fans mit aktuellen Spielszenen und Informationen vor den Monitor zu locken. Denn der katalanische Club hat zwischen dem ersten und letzten Untersuchungstag insgesamt 60 neue Beiträge online gestellt und damit viermal soviel, wie alle vier Clubs aus dem Weltmeisterland Italien zusammen. Die deutschen Vertreter finden sich mit 16 bis 23 neuen Beiträgen im Mittelfeld dieser Statistik wieder.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bezüglich des Club-TV-Angebots der europäischen Spitzenvereine keine einheitliche Struktur zu erkennen ist. Auch innerhalb der einzelnen Nationen sind die Unterschiede groß. Am professionellsten und homogensten ist dabei sicherlich England aufgestellt. Denn dort verfügen nicht nur alle 44 Clubs der ersten und zweiten Liga über ein eigenes Club-TV, sondern auch nahezu jeder Dritt- und Viertligist. Doch die Weiterentwicklung von Bewegtbildangeboten auf Vereins-Homepages ist auch in Deutschland in Bewegung. Zeigte vor knapp eineinhalb Jahren nur die Hälfte der Fußball-Bundesligisten Videos auf der vereinseigenen Homepage, sind es mittlerweile 13 – eine Steigerung von knapp 25 Prozent.

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