Confed-Cup in Brasilien Favoriten, Exoten und der unbekannte Dante

Chaos bei den Stadien, Häme von den eigenen Fans: Vor dem Start des Confed-Cups wird Gastgeber Brasilien von Problemen geplagt. Das Team steht bei der WM-Generalprobe gewaltig unter Druck, nur der Titel zählt. Aber es gibt starke Konkurrenz. Die wichtigsten Fakten im Überblick.

AP/dpa

Aus Brasília berichtet


Sie haben es alle versucht und nie geschafft: Ob Südkorea, Deutschland oder Südafrika - nie konnte der Gastgeber der vergangenen Confed-Cups im Jahr darauf die Weltmeisterschaft gewinnen. Wie ein Fluch lastet diese Statistik auf der Nation, die das WM-Vorbereitungsturnier ausrichtet.

Jetzt also auf Brasilien.

Wenn der Rekordweltmeister am Samstagabend den Asienmeister Japan zum Eröffnungsspiel des diesjährigen Confed-Cups empfängt (21 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), ist die WM zwar noch ein Jahr entfernt, aber doch überall präsent. Das ganze Land sehnt den Titel 2014 herbei, mehr noch: Es verlangt nach ihm. Entsprechend groß ist der Druck auf das Team auch bei der Generalprobe. Eine Niederlage käme einer Katastrophe gleich.

Für den Sieg muss Brasilien den amtierenden Weltmeister Spanien aus dem Weg räumen. Und das ist nur die sportliche Herausforderung. Auch auf anderen Gebieten läuft es noch nicht rund.

Die wichtigsten Fakten zum Turnierstart im Überblick.

Die Favoriten: Spanien, Brasilien, Italien

Spanien ist, mal wieder, der Top-Favorit. Xavi, Iniesta und Co. nennen sich bereits Weltmeister und zweifacher Europameister. Viele Akteure gewannen neben nationalen Titeln auch die Champions League. Nur der Confed-Cup-Titel fehlt den Spielern der "Furia Roja" in ihrer eindrucksvollen Sammlung noch. Das soll sich in Brasilien ändern.

Natürlicher Mitfavorit ist Gastgeber Brasilien. Auch wenn der Confed-Cup lediglich ein Vorbereitungsturnier für die WM im kommenden Jahr ist, für den Gastgeber hat er einen enormen Stellenwert. Da die Seleção sich nicht für die WM qualifizieren muss, ist das Turnier der einzige wirkliche Härtetest. Entsprechend motiviert wird das Team sein. Chancen rechnet sich auch Italien aus.

Mexiko, Uruguay, Nigeria und den mit acht Bundesliga-Spielern angereisten Japanern werden Außenseiter-Chancen eingeräumt. Ozeanien-Meister Tahiti ist der Exot.

Die Seleção: Der unbekannte Dante

Gastgeber Brasilien hat schwierige Monate hinter sich. Seit Luiz Felipe Scolari, Weltmeister-Trainer von 2002, die Mannschaft im November vergangenen Jahres übernahm, konnten von sieben Testspielen nur zwei gewonnen werden. Zu wenig für die eigenen Ansprüche und für die Erwartungen des brasilianischen Volkes. Star des Teams ist der kürzlich zum FC Barcelona gewechselte Neymar. Fluminense-Stürmer Fred ist der aktuell erfolgreichste Torschütze der Mannschaft.

Luiz Gustavo vom FC Bayern hat durchaus Chancen auf einen Stammplatz im defensiven Mittelfeld. Trotz seines überragenden Jahres beim Triple-Gewinner droht dem in seinem Heimatland weitgehend unbekannten Dante dagegen die Bank, als Abwehrchef ist Kapitän Thiago Silva von Paris St. Germain gesetzt.

Die Stimmung: Hohn für die eigene Mannschaft

Brasilien ist ein Land der Lebensfreude und des positiven Denkens. Auf die eigene Nationalmannschaft angesprochen verändert sich dieses Bild jedoch schlagartig. Skepsis überwiegt, die Angst vor einem zweiten "Maracanaço", der schmachvollen 1:2-Niederlage gegen Uruguay bei der Heim-WM 1950, ist groß.

Tiefpunkt im Verhältnis zwischen Mannschaft und Zuschauern war das 2:2 im Test gegen Chile im April. Die eigenen Fans verhöhnten die Seleção, pfiffen sie aus und bejubelten den Gegner. Brasiliens Fußball-Ikone Pelé bat seine Landsleute deshalb vor wenigen Tagen, das Team nicht weiter auszubuhen - die Mannschaft sei "in der Entwicklung", sie brauche die Unterstützung der Menschen. Auch Coach Scolari schwor das Volk in einem offenen Brief auf sein Team ein und forderte eine positive Stimmung. Der 3:0-Erfolg gegen eine französische B-Elf im letzten Test vor dem Confed-Cup brachte Selbstvertrauen zurück.

Die Stadien: Pleiten, Pech und Pannen

Mit den neu- und umgebauten Stadien lief es in den vergangenen Monaten alles andere als rund.

  • Das Eröffnungsspiel des Maracanã-Stadions in Rio de Janeiro zwischen Brasilien und England Anfang Juni wurde zuerst von einer Richterin aus Sicherheitsgründen abgesagt, kurz darauf von einem anderen Gericht jedoch wieder genehmigt.
  • Vor wenigen Wochen stürzten Dachteile der Arena Fonte Nova in Salvador wegen schwerer Regenfälle ein.
  • Beim Einweihungsspiel im Nationalstadion von Brasília, in dem die erste Partie des Confed-Cups am Samstag angepfiffen wird, war der Rasen in einem derart katastrophalen Zustand, dass er auf Anweisung der Fifa nach dem Confed-Cup ausgetauscht werden musste.

Die Fans hatten zudem mit einer schwierigen Anfahrt und fehlender Beschilderung im Stadion zu kämpfen, was zu langen Schlangen und einer Verzögerung des Anstoßes um 20 Minuten führte. In der 72.000 Plätze fassenden Arena von Brasília saßen schließlich nur 22.000 Anhänger. Um die befürchteten Verkehrsprobleme in Fortaleza in den Griff zu bekommen, hat die Stadtverwaltung für den 19. und 27. Juni kurzerhand städtische Feiertage eingerichtet. Geschäfte und Schulen bleiben geschlossen.

Reisen und Preise: 90 Euro für ein Bett

Anhänger aus aller Welt, die für den Confed-Cup nach Brasilien reisen, erwartet ein gastfreundliches Volk. Die wenigsten kehren enttäuscht von einem Brasilien-Aufenthalt heim. Die Fans dürfen sich jedoch auch auf gesalzene Preise einstellen. Viele Hotels nehmen "Event-Zuschläge" von bis zu 400 Prozent. So kostet ein Bett in einem 10-Bett-Zimmer eines Backpacker-Hostels in Rio de Janeiro während des Confed-Cup-Finales bis zu 90 Euro pro Nacht. Während der WM im kommenden Jahr und bei den Olympischen Spielen 2016 dürften die Preise kaum niedriger sein.

Von einem Spielort zum nächsten zu kommen, ist im fünftgrößten Land der Erde ebenfalls weder einfach noch günstig. Ein Direktflug von Brasília nach Fortaleza, wo die zweite Partie der Seleção stattfindet, kostet im entsprechenden Zeitraum mindestens 200 Euro. Im nächsten Jahr werden zudem noch deutlich schwerer zu erreichende Spielorte wie die Amazonas-Metropole Manaus hinzukommen. Die Flughäfen gleichen noch immer großen Baustellen, und es ist fast unmöglich für Ausländer Bustickets online zu kaufen.

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Seite 1
cipo 15.06.2013
1.
Zitat von sysopAP/dpaChaos bei den Stadien, Häme von den eigenen Fans: Vor dem Start des Confed-Cups wird Gastgeber Brasilien von Problemen geplagt. Das Team steht bei der WM-Generalprobe gewaltig unter Druck, nur der Titel zählt. Aber es gibt starke Konkurrenz. Die wichtigsten Fakten im Überblick. http://www.spiegel.de/sport/fussball/confed-cup-2013-in-brasilien-im-ueberblick-a-905794.html
Was bei den Gastgebern Südkorea und Südafrika wohl auch niemand ernsthaft erwartet haben dürfte. Und Deutschland fing damals auch erst an, wieder Fußball zu spielen, und war insofern trotz WM im eigenen Land kein Favorit. Das sieht im Falle Brasiliens - trotz einer gewissen Krise -ganz anders aus.
thomas_gr 15.06.2013
2.
Ach und Deutschland ist weder Favorit noch hat es eine Außenseiterchance?! Wieder kleinreden, damit wir ein neues Sommermärchen produzieren, wenn Deutschland ganz überraschend die Vorrunde schafft...
to5824bo 15.06.2013
3. Confed-Cup in Brasilien
Zitat von sysopAP/dpaChaos bei den Stadien, Häme von den eigenen Fans: Vor dem Start des Confed-Cups wird Gastgeber Brasilien von Problemen geplagt. Das Team steht bei der WM-Generalprobe gewaltig unter Druck, nur der Titel zählt. Aber es gibt starke Konkurrenz. Die wichtigsten Fakten im Überblick. http://www.spiegel.de/sport/fussball/confed-cup-2013-in-brasilien-im-ueberblick-a-905794.html
Mich erinnert die Situation der Brasilianer ziemlich an die Situation der deutschen Mannschaft beim Confed-Cup hierzulande. Nach dem EM-Debakel 2004 war das Team mit Klinsmann und Löw voll im Umbruch, spielte nach vorne einen herrlichen Hurrafussball (mit Löchern wie Scheunentore in der Abwehr) und schöpfte mit dem sehr ehrbaren und nicht unbedingt zugetrauten 3. Platz Mut und weckte unter den Fans neue Hoffnung für die WM. Es folgte ein Sommermärchen. Brasilien sollte Ähnliches gelingen. Und falls sie im Halbfinale oder Finale an Spanien scheitern sollten, sollte der Verband vernünftig genug sein, das richtig zu bewerten. Vielen Fans wird das eher nicht gelingen. Da fliegen dann gewiss wieder ein paar Fernseher aus dem Fenster wenn nicht gar der eine oder andere Verrückte wie 1950 gleich hinterher springt. Ich wünsche den Brasilianern, dass sie auch ihrer derzeitigen Krise gut rauskommen und die ganze Welt wieder mit ihrem Spiel begeistern. Gern dürfen sie auch nächstes Jahr Vizeweltmeister werden ;-)
karsten rohde 15.06.2013
4.
Diesen Leuten, die da die 400 Prozent "Eventaufschlag" nehmen, woraus nächstes Jahr bei der WM leicht 800 werden können, ist alles egal. Hauptsache, sie machen ein paar Wochen richtig Raibach, die Zukunft interessiert nicht. Ist leider weit verbreitete Mentalität hier. SPON oder die Printausgabe haben bisher nichts gebracht zum Problem mit der Kreditkartenakzeptanz - das wird einige Besucher zusätzlich auf den Boden der brasilianischen Tatsachen zurückholen. Das Problem besteht seit Dezember letzten Jahres und dauert an. Es ist ja nicht jedermanns Sache, sich stundenlang in brasilianischen Banken rumzutreiben, um einen Automaten zu finden, der was rausrückt.
brazzo 15.06.2013
5.
Zitat von thomas_grAch und Deutschland ist weder Favorit noch hat es eine Außenseiterchance?! Wieder kleinreden, damit wir ein neues Sommermärchen produzieren, wenn Deutschland ganz überraschend die Vorrunde schafft...
Könnte aber auch daran liegen, daß Deutschland gar nicht mitspielt.
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