Deutschland gegen Mexiko Überrumpelfüßler

Bevor die ersten Spieler zu schwitzen begannen, stand es schon 2:0. Leon Goretzka knackte gleich zwei Rekorde und Tom Bartels bekam Schnappatmung. Alles Wichtige zum Spiel.

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Ergebnis: 4:1 (2:0). Deutschland zieht nach dem Sieg gegen Mexiko ins Finale ein. Hier geht's zum Spielbericht. Das Endspiel des Confed Cups findet am Sonntag (20 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) in St. Petersburg statt. Der Gegner ist Chile.

Der Rekordjunge: Zwei Treffer in den ersten acht Spielminuten - Das gelang vor Leon Goretzka in gut 109 Jahren deutscher Länderspielgeschichte noch niemandem. Stark. Ein 2:0 nach acht Minuten gab es in 25 Jahren Confed Cup ebenfalls noch nie. Auch stark, irgendwie.

Mexiko ist nicht Brasilien: 0:2 nach acht Minuten. Da bedurfte es keiner allzu großen Fantasieleistung, um sich an das WM-Halbfinale 2014 zu erinnern. Doch während sich damals die Brasilianer taktisch auflösten, schüttelten sich die Mexikaner einmal durch und kamen trotz technischer Unterlegenheit immer wieder zu Chancen gegen die junge deutsche Elf. Am Sonntag trifft die Mannschaft von Juan Carlos Osorio im Spiel um Platz drei auf Portugal. Anstoß der Partie in Moskau ist um 14 Uhr.

Die erste Hälfte: Begann mit sehr stark pressenden Deutschen. Bereits nach 30 Sekunden erzwang Timo Werner fast einen Ballverlust von Hector Moreno, nach sechs Minuten fiel das 1:0. Henrichs brachte den Ball flach in die Mitte, wo Goretzka auf Höhe des Strafraums abzog und präzise ins linke untere Eck traf. 109 Sekunden später bereits das 2:0, wiederum durch Goretzka. Der Schalker tauchte nach einem tollen Pass von Werner frei vor Guillermo Ochoa auf und verwandelte ohne Probleme. Der aggressive Auftritt des deutschen Teams hatte verdutzte Mexikaner eiskalt überrumpelt. In der 19. Minute dann beinahe das 3:0 durch Werner, der freistehend Ochoa anschoss. Die Mexikaner zeigten sich aber keineswegs geschockt, sondern spielten mutig nach vorne und kamen auch durch Giovani dos Santos (33. Minute) und Chicharito (35.) zu Möglichkeiten.

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Deutschland in der Einzelkritik: Goretzka, der Vollstrecker

Die zweite Hälfte: Nahm umgehend Tempo auf: Erst zielte Rául Jimenez zu genau auf Marc-André ter Stegen (51.), dann vergab Werner leicht bedrängt auf der Gegenseite (52.). In der 59. dann die Entscheidung: Julian Draxler steckte schön durch auf Jonas Hector, der in der Mitte Werner fand, der freistehend nur noch einzuschieben brauchte. In der Folge gab es noch zahlreiche Chancen auf beiden Seiten, doch weder Draxler (75.) nach "dem Trick des Turniers" (ARD-Kommentator Tom Bartels schnappatmend nach feinem Trick des PSG-Spielers) noch Jiménez per Lattenkopfball im Gegenzug konnten ihre Möglichkeiten in Tore umwandeln. In der 89. Minute traf der Frankfurter Marco Fabián noch mit einem sehenswerten Fernschuss zum 1:3, das Amin Younes postwendend mit einem Flachschuss zum 4:1 (90.+1) konterte.

Freude durch Fehler: Was sich Oswaldo Alanis auf der linken Abwehrseite der Mexikaner und das Doppel Joshua Kimmich/Benjamin Henrichs auf der rechten Abwehrseite der Deutschen in der ersten Halbzeit gönnten, erfreute die Herzen der Zuschauer und schwächte die der Trainer. Immer schön offen, immer schön flanken lassen. Alle drei starken Offensivaktionen des Löw-Teams entstanden auf der Alanis-Seite, bei der DFB-Elf wackelte der rechte, hintere Verbund munter vor sich hin. In der zweiten Hälfte machten es dann alle drei zum Leidwesen des neutralen Betrachters besser.

Die Sphinx von Schönau: Dreierkette, Viererkette, zur Fünferkette werdendes Abwehrtrio, Shkodran Mustafi raus, Henrichs rein, Lars Stindl und Werner statt Stindl oder Werner - Der Bundestrainer variierte seine Startaufstellung wieder einmal genüsslich. Was will der Mann denn alles noch bei diesem Turnier sehen? Vielleicht ist ihm aber auch ob der Klasse seines B-Kaders einfach langweilig, und er stellt nach dem sympathischen "Ist doch eh alles egal"-Prinzip auf. Der Erfolg gibt dem Mann aus Schönau im Schwarzwald Recht.

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Deutschlands Sieg gegen Mexiko: Perfekter Start

Free Willy: Zu Beginn der zweiten Halbzeit drangen den Walgesängen nicht unähnliche Laute zu uns ins heimische Wohnzimmer. Eine spektakuläre Umweltaktion, bei der ein Buckelwal über dem Fisht-Stadion (!) in Sotschi abgeworfen wurde? Kollege Peter Ahrens liefert die Erklärung: Im mexikanischen Block wurde ein mysteriöses Instrument üppig genutzt, das diese Klänge erzeugte. Manchmal will man die Wahrheit gar nicht wissen.

Leverkusen wird zur Siegermannschaft: Bereits vor dem Anpfiff war klar, dass auf jeden Fall ein Spieler von Bayer Leverkusen als Confed-Cup-Sieger zurückkehren würde: Entweder der Chilene Charles Aranguiz, Mexikos Angreifer Chicharito oder Benjamin Henrichs. Ein Titel für Leverkusen? Rudi Völler imitiert den Versuch eines Lächelns.

Gewinner, ohne gespielt zu haben: Elenito di Liberatore. Wo auch immer der italienische Unparteiische mit dem wunderschönen Namen auftaucht, sorgt er für Bewunderung. Heute saß Elenito di Liberatore mit zwei Kollegen in der Videoschiedsrichter-Kabine, ohne eingreifen zu müssen. Da bleibt nur der sehnsüchtige Blick auf sein offizielles Confed-Cup-Profil. "Hobbies: Swimming, Cinema". Oh du geheimnisvoller Mann mit den obskuren Vorlieben und dem sinnlichen Namen: Elenito di Liberatore.



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voiceecho 29.06.2017
1. Das Finale...
findet in St. Petersburg statt und nicht in Moskau.
Attila2009 30.06.2017
2.
Timo Werner ist eine Waffe für die Löw eigentlich einen Waffenschein braucht um den mit zu führen ! Immer gefährlich. Die anderen sind kaum schlechter. Vermissen wir eigentlich Neuer, Reus ,Khedira oder Müller ? Ich nicht. Wenn sich dieses Team noch besser einspielt und einen wie Kroos dazu bekommt , der das Spiel lenken und die Bälle auch mal an sich ziehen kann,sind sie genau so gut,oder sogar erfrischender. Hätte nicht gedacht das der Confed_Cup der angeblich so ungeliebt ist soviel Spass machen kann.Starke Gegner und spannende Spiele.
Seraphan 30.06.2017
3. Niemand ist unschlagbar, aber manche kommen nah dran
Ist es nicht schön, aus einer Position der Stärke agieren zu können? Wie oft habe ich mich heute daran zu erinnern zwingen müssen, dass das die zweite Garnitur mit zusätzlichen Perspektivspielern ist, die ich da sehe. Keine Nationalmannschaft der Welt ist so stark in 2. und 3. Position besetzt und taktisch so variabel wie die Deutsche. Ich freue mich auf die WM, wie schon seit 4 Jahren nicht mehr. :-)
Nonvaio01 30.06.2017
4. Tolles Mannschaft
sogar im auslaendischen TV sind alle nur erstaunt, ueber die fuelle an spielern die man in unserem land hat. Die art und weise wie das system eingespielt ist, jeder kann rein kommen, oder auf mindestens 2 positionnen spielen. Das resultat ist zeuge der arbeit des DFB, die konsequente foerderung, das angleichen des systems in allen jugend klassen. Die technik und passgenauigkeit auch unter druck. (wenn man 2-0 fuehrt ist es anders), aber auch wenn der gegner dan mal ein tor schiesst, wird angezogen und dann eben noch ein tor geschossen. U21 im EM finale, Confed Team ist 24 im durschnitt, unglaublich. Damian Duff sagte mit einem laechen das ist "disgusting". Das ist von den TV kommentatoren in Irland. Egal ws Loew hater sagen, es ist Ihm zu verdanken, er und Klinsi haben es auf den weg gebracht, die haben die NM modernisiert, zusammen mit Sammer der im DFB gearbeitet hat und dort alles umgestellt hat. Trotz allem gegenwind (Sepp Meier gefeuert z.b)....Sie hatten recht, langzeit projekte zahlen sich aus. Ich freue mich wieder auf spiele der NM, einfach toller fussball.
jelse 30.06.2017
5. Super Bericht
.. habe das Spiel aus Kanada nur im Ticker in in der Gondel von Whistler verfolgen können, habe nach langer Wanderung in den schneebedeckten Bergen dann diesen Bericht gelesen und mich super amüsiert.
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