DFB-Sieg über Australien Leon, der Profi

Beim Confed-Cup-Auftakt der deutschen B-Elf lief noch längst nicht alles rund. Aber einer der vielen Neuen im Löw-Kader hat sich bereits in den Vordergrund gespielt: Leon Goretzka machte beste Eigenwerbung.

Leon Goretzka
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Leon Goretzka

Aus Sotschi berichten und


Es kann gut sein, dass später alle einmal schreiben werden: In Sotschi fing es an. Es fing an, dass Leon Goretzka im DFB-Dress auf sich aufmerksam machte. Eine große Laufbahn des damals 22-Jährigen in der Nationalmannschaft begann. Und es war die Partie im Confed Cup 2017 gegen Australien.

Man sollte vorsichtig sein, dieses Turnier mit irgendetwas zu überfrachten. Auch mit zu positiven Karriereprognosen. Aber was der junge Schalker beim 3:2-Erfolg gegen die allerdings schwachen Australier auf den Platz brachte, war beeindruckend.

"Er ist heute irrsinnige Wege von hinten nach vorne gelaufen, er hat einen Elfmeter herausgeholt und selbst getroffen", zählte Mitspieler Joshua Kimmich nach der Partie auf - mit dem eindeutigen Resümee: "Für mich war er der beste Spieler auf dem Platz, einfach klasse."

Ein Fazit, dem sich auch der Bundestrainer in seiner Analyse des Spiels deutlich annäherte. Goretzka sei "sehr präsent" gewesen, sagte Joachim Löw, "und wie er in die Räume in die Tiefe geht, das macht er überragend." Wie beim 3:1, als er von Kimmich feinsinnig freigespielt, den Ball versenkte.

Lob machte dem Spieler selbst ein mulmiges Gefühl

So viel Lob kam dem Spieler selbst dann schon übertrieben vor. "Ich bin gerade erst dabei, mir meine Rolle in der Nationalmannschaft aufzubauen", sagte er. Es sei aus seiner Sicht "vermessen, schon eine Führungsrolle einzufordern". Das gilt tatsächlich, wenn Toni Kroos, Sami Khedira, Mesut Özil und die anderen Mittelfeld-Haudegen nach der Sommerpause zum DFB zurückkehren. Im Kreise des Confed-Cup-Kaders hat sich Goretzka sein Standing bereits erarbeitet.

Auch wer ihn nicht Woche für Woche bei Schalke gesehen hat, bekam eine Ahnung, warum der Mittelfeldspieler so hartnäckig mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht wird. Noch allerdings ist Goretzka ein Königsblauer.

Beim WM-Vorlauf geht es für Spieler wie ihn vor allem darum, Punkte zu sammeln für die wenigen noch freien Plätze, die der WM-Kader 2018 noch bereithält. Dafür hat Goretzka am Montagabend in der mäßig gefüllten Fisht-Arena in Sotschi zumindest einiges getan. 28.605 Zuschauer wollten die Partie sehen, überall im Stadion taten sich Lücken auf. Aber wer kann es dem russischen Publikum auch verdenken, dass sie nicht in Strömen zu einem DFB-Spiel kommen, in dem nur zwei Weltmeister mitspielen? Wer kennt in Sotschi schon Lars Stindl und Sandro Wagner?

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DFB-Elf in der Einzelkritik: Minuspunkte für Leno

"Die Zuschauer haben doch gute Stimmung gemacht", wollte sich Wagner den Abend aber nicht durch eine Debatte um halbleere Stadien vermiesen lassen. Und auch Stindl befand die Stimmung im Stadion als "absolut okay". Wobei es gerade am Anfang der Partie manchmal so leise war wie bei einem Geisterspiel nach einem DFB-Urteil. Bis auf die Tribüne konnte man einzelne Kommandos hören, es hatte zeitweise die Atmosphäre eines für Zuschauer öffentlichen Abschlusstrainings.

Torwart Bernd Leno war es dabei wahrscheinlich ganz recht, dass nicht so viele Leute zuschauten, als er bei beiden Gegentreffern unglücklich agierte. "Beim zweiten Tor hätte er den Ball schon festhalten können", musste auch Löw zugeben, der ansonsten alles tat, seine Nummer eins in Schutz zu nehmen. Für ihn sei das überhaupt kein Problem, er wisse, was der Torwart könne.

Ohnehin war Zufriedenheit angesagt. "Was diese Mannschaft nach nur zehn Tagen, an denen sie jetzt zusammen ist, schon umsetzt, das war im Vorfeld nicht zu erwarten", sagte der Bundestrainer. Keiner könne erwarten, dass "nach zehn Tagen schon alles funktioniert", und dabei mochte ihm niemand widersprechen.

Die Mängel in der Chancenverwertung, die Defizite in der Abwehr nach dem Halbzeitwechsel, der Umstand, dass "wir die beiden Tore leichtfertig hergeschenkt haben", wie Wagner es nannte - all dies wollte Löw nicht zu hoch hängen. Und angesichts dessen, dass diese Mannschaft nur ein Turnier lang tanzen wird, ist eine solche Haltung ja auch angemessen.

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Deutschland vs. Australien: Leno macht es spannend

Gegen den kommenden Gegner kann sich das allerdings rächen. "Chile ist für mich eines der weltbesten Teams derzeit", machte Löw mit Blick auf die nächste Partie am Donnerstag in Kasan deutlich (20 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE). Gegen Arturo Vidal und Stürmer Alexis Sánchez müssen einige zulegen, das trifft vor allem auf die Arrivierten zu, auf Julian Draxler, Jonas Hector und Shkodran Mustafi, die es alle drei noch erheblich besser können als gegen die Australier.

Gegen Chile braucht es jedenfalls mehr als einen starken Leon Goretzka. Aber vielleicht schreiben irgendwann ja alle, wenn sie auf die Karriere des Schalkers zurückblicken: Und nach Sotschi kam dann die Partie in Kasan.

Australien - Deutschland 2:3 (1:2)
Tore:
0:1 Stindl (5.), 1:1 Rogic (41.), 1:2 Draxler (44., Foulelfmeter), 1:3 Goretzka (48.), 2:3 Juric (56.)
Australien: Ryan - Degenek, Sainsbury, Wright - Luongo (46. R. Kruse), Milligan- Mooy, Rogic (71. Troisi) - Leckie, Behich - Juric (87. T. Cahill)
Deutschland: Leno - Kimmich, Mustafi, Rüdiger - Brandt (63. Süle), Rudy, Hector - Goretzka, Draxler - Stindl (78. Can), Wagner (58. Werner)
Schiedsrichter: Mark Geiger (USA)
Gelbe Karten: Sainsbury - Goretzka
Zuschauer: 28.000

insgesamt 21 Beiträge
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basecape-man 20.06.2017
1. ist schon erstaunlich wie man sich einiges schönreden kann ....
ein 3.2 gegen australien und die art und weise wie da streckenweise gespielt wurdeist auch für diese b auswahl des dfb unwürdig.ich hoffe darauf das chile die chance nutzt um einigen herren mal ihre grenzen aufzuzeigen .
siebenh 20.06.2017
2. Ok
Bericht ist ok, bis auf eine Sache. Ich fand Draxler nicht so schlecht. Der hatte immer wieder gute Szenen, alleine das Solo in der zweiten Hälfte vorbei an ca 6 Gegnern war sehr sehenswert. Verantwortung übernommen beim Elfmeter. Ich fand den gut.
Tavlaret 20.06.2017
3. Sturm wie bei der EM
Leider konnte auch die B-Elf die drückende Überlegenheit der 1. HZ nicht in Tore ummünzen, wie die A-Elf bei der EM - harmlos im Sturm, keine Ideen nach vorn. Sandro Wagner war bemüht .... Der eingewechselte Timo Werner scheint aber eine höhere Qualität mitzubringen und vielleicht kommt da tatsächlich wieder ein gefährlicher deutscher Nationalstürmer. Doppelspitze Werner-Gomez bei der WM, falls beide fit sind? Das wäre doch was!
sapiens-1 20.06.2017
4. Stimme #1 zu,
da war doch viel behäbiges Spiel dabei. Wie man an sich harmlose Australier wieder ins Spiel brachte war doch teilweise unfaßbar. Es geht halt nicht nur mit halber Kraft. Auch die viel zu oft gezeigten Rückpässe v.a. vom (warum?) vielgelobten Kimmich zu Leno hatte teilweise schon erschreckend viel von den Schweinsteiger Oma-Pässen. Daß man damit Leno mehrfach unnötig in Schwierigkeiten brachte scheint auch keiner der Profi Kommentatoren anmerken zu wollen. Und Draxler als "man of the match", auch das erschließt sich mir nicht. In der guten Beurteilung Goretzkas stimme ich aber mit dem Bericht überein, wenigstens ein Lichtblick. Schade finde ich, wie man Stindl allzuoft regelrecht verhungern läßt. Ich hoffe gegen Chile wissen alle, daß man ein paar Schippen mehr draufpacken sollte, sonst werden sie es unsanft erfahren.
Felix MS 20.06.2017
5. Die Headline
Der Artikel beschreibt das, was ich auch gesehen habe. Aber warum er mit "Leon, der Profi" überschrieben ist, erschließt sich mir nicht. Diese Headline erzeugt eine andere inhaltliche Erwartungshaltung, ich hatte mehr an ein Porträt über den Spieler gedacht.
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