DFB-Verteidiger Hector Der, der immer spielt

Jonas Hector ist der "Mister Zuverlässig" in der Nationalmannschaft. Der Kölner ist kein filigraner Fußballer, aber mit seiner soliden Art hat er sich einen Stammplatz in der DFB-Elf gesichert.

Julian Draxler (l.) jubelt mit Jonas Hector
imago/Bernd König

Julian Draxler (l.) jubelt mit Jonas Hector

Aus Sotschi berichtet


Am vergangenen Sonntag ist Jonas Hector etwas Ungewöhnliches passiert: Er war nicht von Anfang an dabei, als es gegen Kamerun um den Gruppensieg beim Confed Cup ging.

Der ewige Jonas Hector bekam vom Bundestrainer eine Pause vergönnt. Seit 2015 war er fast immer mit von der Partie, fast immer in der Startformation, nur beim Testspiel in Italien im vergangenen November hatte er einmal ausgesetzt. Wenn es am Donnerstag im Halbfinale gegen Mexiko (20 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ans Eingemachte geht, dann gehört Hector, das ist so gut wie sicher, wieder zur ersten Elf.

Der 27-Jährige hat die Baustelle auf der linken Abwehrseite in der Nationalmannschaft geschlossen. Seit er spielt, hat Joachim Löw das ebenso langwierige wie erfolglose Experimentieren auf dieser Position aufgeben dürfen. Allein das ist schon Kompliment genug.

Hector-Fußball hat keinen Bling-Bling-Faktor

Hector spielt, wie er ist. Zuverlässig, ohne Schnörkel, bodenständiger Sport. Er ist kein fußballerischer Überflieger, was man vor allem daran erkennt, wie viele Flanken ihm nach einem Vorstoß auf seinem Flügel noch misslingen. Aber er ist einer, der seinen Job so macht, dass er am Ende des Spiels eigentlich immer im Zeugnis stehen hat: Kaum Fehler, und zwei, drei sehr gute Offensivaktionen waren auch dabei.

Auf diese Weise hat es der Saarländer inzwischen auf 31 Länderspiele gebracht, er hat die meisten Einsatzminuten in der Nationalmannschaft seit der Weltmeisterschaft 2014. Mehr als Toni Kroos, mehr als Manuel Neuer und Jérome Boateng. Immer brav und solide die Linie rauf und runter, und wenn es gut läuft, dann gelingt ihm auch so eine saubere Vorlage wie im zweiten Gruppenspiel gegen die Chilenen, als er Lars Stindl das Tor zum 1:1-Ausgleich auflegte.

Hector ist der DFB-Stammspieler mit dem wenigsten Bling-Bling-Faktor, wie passend, dass er beim 1. FC Köln seine Arbeit verrichtet. Der Verein, der unter Peter Stöger und Jörg Schmadtke die wohl unglamouröseste Zeit seiner Bundesliga-Geschichte verlebt. Und das ist als Kompliment gemeint.

Barcelona? Chelsea? PSG? Köln!

So einer wie Hector, der in jedes Mannschaftsgefüge passt, der keinen Radau macht, aber trotzdem klug ist, so einer taugt zum Trainer-Liebling. So ist es ist auch kein Zufall, dass schon diverse Vereine angeklopft haben sollen, die mit Verlaub noch etwas größer sind als der 1. FC Köln. Der FC Barcelona, der FC Chelsea, zuletzt Paris Saint-Germain, so hieß es. Hector hat alle diese Angebote bislang abmoderiert, geräuschlos natürlich. Er spielt in der kommenden Saison lieber Europa League mit dem FC als Champions League mit Barça oder PSG. Kein Marketingberater könnte das besser verkaufen.

Seit der WM 2014 zählt Jonas Hector zu den Konstanten unter Bundestrainer Joachim Löw (r.)
DPA

Seit der WM 2014 zählt Jonas Hector zu den Konstanten unter Bundestrainer Joachim Löw (r.)

"Mexiko, das wird harte Arbeit", "es ist gut, dass wir in Sotschi einen zusätzlichen Tag zum Regenerieren hatten", "wir haben uns alle gestern sehr über die U21 gefreut, aber so ein Elfmeterschießen würden wir uns gerne ersparen" - Pressekonferenzen mit Jonas Hector sind jetzt auch kein Spektakel, aber der Nationalspieler erledigt solche Pflichten mittlerweile mit derselben Ruhe und Ernsthaftigkeit, mit der er auch auf dem Platz seine Leistungen abliefert.

Er selbst hat nie in der U21 gespielt, deren Halbfinalsieg gegen die Engländer er vor dem Fernseher verfolgt hatte. Er hat ohnehin keine einzige der Nachwuchsteams des DFB durchlaufen und sich seine Sporen stattdessen beim Viertligisten SV Auersmacher verdient, bevor die Kölner Scouts ihn entdeckten und er sich über die zweite Mannschaft nach oben arbeitete.

Eigentlich ist so etwas gar nicht mehr möglich angesichts der Dichte, mit der der DFB mittlerweile seinen Nachwuchs sichtet, bei all den Jugendzentren und Talentspähern, die kreuz und quer durch die Republik unterwegs sind. Niemand von solcher Güte entgeht dem Spinnennetz der Jugendarbeit im deutschen Fußball. Normalerweise. Hector ist der lebende Gegenbeweis, der zeigt, dass das eben doch noch geht.

Am Sonntag in Sankt Petersburg würde Hector gerne in seinem dann wohl 33. Länderspiel die Trophäe des Confed Cup in die Höhe halten. In der Bilanz der Erfolge seiner Fußballkarriere steht bisher: Zweitliga-Meister und Aufstieg in die 1. Bundesliga 2014. Jonas Hector hat noch viel zu gewinnen.



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
Rahvin 28.06.2017
1. Pressekonferenzen...
...mit den Abziehbildern aus der Nationalmannschaft sind schon lange kein Spektakel mehr. Auf der einen Seite kann man sich über die vermeintliche Seriosität der Nationalspieler freuen, andererseits ist klar, dass das alles nur PR-Sprech ist, der sofort vergessen ist, sobald die Kameralämpchen mal aus sind. Siehe z.B. Reus. Dass die Nationalmannschaft eine langweilige Truppe ist, der von Löw noch die letzten Kanten abgeschliffen wurden - geschenkt. Begeisternd ist sie leider schon länger nicht mehr.
sibbi78 28.06.2017
2. Ob man es mag oder nicht:
In jede Mannschaft gehören einige eher unauffällige Spieler, wie Jonas Hector. Nur mit "Rennern", "Fummlern" oder "Tretern" funktioniert es nicht. Zuverlässigkeit und Intelligenz treffen bei Hector auf eine unaufgeregte, aber dennoch überdurchschnittliche Spielweise. Sicherlich werden einige "Kritiker" wieder das Übliche zu bemängeln haben, in der Hauptsache wohl, weil sie in IHREM Verein ein "viel besseren" Spieler wähnen. Sei's drum: Ich bin froh, dass solche Spielertypen in DER MANNSCHAFT eine Daseinsberechtigung haben!
DerDifferenzierteBlick 28.06.2017
3. Dafür gibt es relativ einfache Erklärungen
Dass Jonas Hector so viele Spiele absolviert hat, liegt auch daran, dass die deutsche Nationalmannschaft auf der Position zur Zeit einfach kaum Alternativen bietet (und Joachim Löw bestimmte Spieler gerne ignoriert). Wäre die Dichte an Spielern bei den Linksverteidigern ähnlich hoch wie im Mittelfeld oder bei den Torhütern oder bei den Innenverteidigern oder bei den Linksaußen, dann hätte Jonas Hector wohl nicht sehr viele Chancen auf einen Einsatz.
carinanavis 28.06.2017
4. runtermachen
Zitat von Rahvin...mit den Abziehbildern aus der Nationalmannschaft sind schon lange kein Spektakel mehr. Auf der einen Seite kann man sich über die vermeintliche Seriosität der Nationalspieler freuen, andererseits ist klar, dass das alles nur PR-Sprech ist, der sofort vergessen ist, sobald die Kameralämpchen mal aus sind. Siehe z.B. Reus. Dass die Nationalmannschaft eine langweilige Truppe ist, der von Löw noch die letzten Kanten abgeschliffen wurden - geschenkt. Begeisternd ist sie leider schon länger nicht mehr.
wollen sie die NM also. Abziehbilder, Spektakel? Sind die Spieler schlechte Kopien von was denn? Vermutlich gefallen Ihnen nur spektakuläre PKs, in denen jeder ausrastet und ausfällig wird, a la "Flasche leer und ich habe fertig!" Oder sollen es gleich Prügeleien sein? Vermeintliche Seriosität? Heißt das in Wirklichkeit sind die NM-Spieler alles nicht vertrauenswürdige Hallodris, die nicht ernsthaft trainieren, heimlich Party machen, saufen rauchen und Orgien feiern. PR-Sprech. Ja das ist weltweit so. Bei Sportlern, Politikern, Managern überall das gleiche, aber kein Alleinstellungsmerkmal der deutschen NM. Langweilige Truppe? Insgeheim wünschen Sie sich also doch, dass die Jungs unseriös wären und Skandalgeschichten am laufenden Band produzieren. Schon länger nicht begeisternd. Nachdem die Confed-Truppe erst als C-Elf diffamiert wurde, schlägt sie sich erstaunlich gut. Gerade einige junge, unerfahrene Spieler haben sich prächtig, ja begeisternd präsentiert und die fehlenden Stammspieler teilweise bestens ersetzt.
CancunMM 28.06.2017
5.
finde gerade hector wieder einen rückfall in alte zeiten der rumpelfüssler. man hat doch bei der em gesehen wie eindimensional und unflexibel er spielt. mir wäre plattenhardt 1000x liebe. technisch stärker, bessere flanken
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