Confederations Cup Das WM-Pröbchen

Beeindruckende Stadien, ausgelassene Stimmung: Der Confederations Cup war ein Erfolg für Südafrika. Aber war er auch eine gelungene WM-Generalprobe? Fifa-Boss Joseph Blatter sieht sich bestätigt, dass Afrika eine WM ausrichten kann. Dabei wurden die wichtigsten Fragen nicht beantwortet.

Aus Johannesburg berichtet Ronny Blaschke


Es war fast Mitternacht, als Carlos Dunga gebeten wurde, seine Eindrücke von Südafrika zu schildern. Der Trainer der brasilianischen Nationalmannschaft, die eine Stunde zuvor den Confederations Cup gegen die USA gewonnen hatte (3:2), legte den Kopfhörer der Simultanübersetzung beiseite, holte Luft und fing an zu schwärmen. "Ich kann nichts Negatives erzählen." Hotel, Stadien, Sicherheit - er sei rundum zufrieden gewesen. Die Pressekonferenz beendete er mit einem Satz, der aus dem Marketinglehrbuch der Fifa stammen könnte: "Wir haben viele Freundschaften geschlossen, Südafrika wird eine menschliche WM ausrichten."

Fifa-Präsident Blatter: "Keiner hat mehr zu verlieren"
Getty Images

Fifa-Präsident Blatter: "Keiner hat mehr zu verlieren"

Worte wie diese waren am letzten Wochenende der Generalprobe für 2010 oft in Südafrika zu hören. Ob sie im Ausland vernommen werden? "Europa muss Afrika endlich vertrauen", sagte Joseph Blatter, Präsident der Fifa. Immer wieder hatte er kritisiert, dass Südafrika auf seine Sorgen reduziert werde, auf Kriminalität, Armut, Infrastruktur. In den Worten Blatters kommt die WM einem Rettungspaket für eine zerrissene Gesellschaft gleich. Politiker, Funktionäre und Journalisten aus Afrika unterstützen den Schweizer mit blumigen Worten.

Anders ist die Meinungsbildung in Europa oder Amerika. Die WM gilt hier nicht als Sensibilisierung für afrikanische Probleme - sie leidet unter ihnen, bringt alle, die sich mit ihr beschäftigen, in Lebensgefahr. Antonio Carlos Nunes de Lima, Delegationschef des brasilianischen Nationalteams, kritisierte Blatter für die Vergabe nach Südafrika: "Nach sechs Uhr ist Ausgangssperre. Es ist, als ob ständiger Krieg sei."

Gleichmut gegen Hysterie - beide Perspektiven, die afrikanische und nichtafrikanische, sehen in der WM erst nachrangig ein globales Fußballturnier. Auch im kommenden Jahr bleibt es spannend zu beobachten, wie zwei Mentalitäten aufeinander prallen. Auf der einen Seite das Fifa-Streben nach Perfektion, die Suche der ausländischen Medien nach Schwächen des Gastgebers. Auf der anderen Seite die Gelassenheit der Südafrikaner, die Zuversicht, der Wunsch nach Anerkennung.

"Für viele Südafrikaner ist es verletzend, dass andere Nationen ihnen so wenig zutrauen", sagt Horst R. Schmidt, Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes und Berater der WM-Organisatoren in Johannesburg. In Frankfurt war während des Confederations Cup 2005 das Stadiondach defekt, Wassermassen schossen auf den Rasen. Ein vergleichbarer Vorfall in Johannesburg würde Empörung auslösen - so müssen sich die Südafrikaner nicht nur gegen logistische Unwägbarkeiten, sondern auch gegen einen ausgeprägten Eurozentrismus stemmen. Sie wünschen sich, dass sich die Gäste auf ihre Kultur einlassen und weniger mäkeln, zum Beispiel an ihren Plasiktröten Vuvuzela.

Blatter hat während des Confederations Cup Argumente für seinen Kurs gesammelt. Die zehn Stadien werden weit vor der WM fertig sein, beeindruckende Bauten wie Soccer City in Johannesburg und Greenpoint in Kapstadt. Die Stimmung in den Arenen ist ausgelassen, von Aggression keine Spur, im Schnitt kamen mehr als 35.000 Zuschauer, begünstigt durch 70.000 Freikarten. Sogar der Gastgeber kickte besser als erwartet, wurde nach einer Niederlage gegen Spanien immerhin Vierter. Über kleinere Pannen, Stromausfälle, Streik der Ordner, sieht Blatter hinweg.

Brasiliens Weg zum Titel

GRUPPENSPIELE
Ägypten 4:3
USA 3:0
Italien 3:0

HALBFINALE
Südafrika 1:0

FINALE
USA 3:2
Die Generalprobe aber bleibt ein Pröbchen, die wichtigsten Fragen konnte der Confederations Cup nicht beantworten. Wenn das Transportsystem, das auf Taxen und Bussen basiert, schon jetzt zusammenbricht, was passiert dann, wenn statt 5000 im kommenden Jahr 450.000 internationale Gäste anreisen? Wo sollen sie übernachten, angesichts der fehlenden Kapazitäten? Tatsächlich in Privatunterkünften, in den Nachbarländern, auf Kreuzfahrtschiffen? Sorgen, auf die Blatter mit Standardantworten reagiert, die er irgendwie auch beruhigen kann, doch bei einem Thema ist auch er chancenlos: Sicherheit.

Fünfzig Morde, die tägliche Schreckensbilanz Südafrikas. Keine Zahl wurde öfter wiederholt. Blatter kann von tausenden Polizisten und Überwachungskameras sprechen, er wird die Angst im Ausland nicht eindämmen können, jede Kriminalitätsmeldung wird mit der WM in Verbindung gebracht. Sollte 2010 ein Fan, ein Offizieller oder ein Reporter einem Verbrechen zum Opfer fallen, würde Blatter in Bedrängnis geraten. Danny Jordaan, Chef des Organisationskomitees, sagt über den Fifa-Chef: "Keiner hat mehr zu verlieren als er selbst."

Ob und wieviel Blatter verliert, wird sich am 11. Juli 2010 zeigen. Es ist der Tag des WM-Endspiels.

USA - Brasilien 2:3 (2:0)
1:0 Dempsey (10.)
2:0 Donovan (27.)
2:1 Luis Fabiano (46.)
2:2 Luis Fabiano (74.)
2:3 Lucio (84.)
USA: Howard - Spector, Onyewu, Demerit, Bocanegra - Clark (88. Casey), Feilhaber (75. Kljestan) - Dempsey, Donovan - Davies, Altidore (75. Bornstein).
Brasilien: Julio Cesar - Maicon, Lucio, Luisao, Andre Santos (66. Daniel Alves) - Gilberto Silva, Felipe Melo - Ramires (66. Elano), Kaká, Robinho - Luis Fabiano.
Zuschauer in Johannesburg: 52.291
Schiedsrichter: Martin Hansson (Schweden)
Gelbe Karten: Bocanegra - Felipe Melo, Andre Santos, Lucio

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Seite 1
Frosty127 13.06.2009
1.
Zitat von sysopAm Sonntag startet mit dem Confederations-Cup in Südafrika die Generalprobe für die Weltmeisterschaft 2010. Was denken Sie - ist das Land bereit für das größte Sportereignis der Welt?
Ich denke, die Südafrikaner werden das Kind schon schaukeln. Aber hinsichtlich der extrem hohen Kriminalitätsrate muss noch dringend etwas getan werden. Niemand möchte Angst haben, auf dem Weg zum Stadion ausgeraubt zu werden. Wie damals die deutsche Delegation bei der Auslosung der WM-Gruppen, denen ein Koffer entwedet wurde.
Schwabenpower 13.06.2009
2.
Zitat von Frosty127Ich denke, die Südafrikaner werden das Kind schon schaukeln. Aber hinsichtlich der extrem hohen Kriminalitätsrate muss noch dringend etwas getan werden. Niemand möchte Angst haben, auf dem Weg zum Stadion ausgeraubt zu werden. Wie damals die deutsche Delegation bei der Auslosung der WM-Gruppen, denen ein Koffer entwedet wurde.
Ach komm schon. Ich glaube, wegen ein paar Taschendieben geht der FIFA nicht der Hintern auf Grundeis. Da gehts schon mehr um richtige Straftaten, die Leib und Wohl der Stadiongänger gefährden. "Ein Koffer entwendet", haha, das ist mir sogar schon auf dem adretten Flughafen Charles de Gaulle passiert. Frankreich = Südafrika?
Frosty127 13.06.2009
3.
Zitat von SchwabenpowerAch komm schon. Ich glaube, wegen ein paar Taschendieben geht der FIFA nicht der Hintern auf Grundeis. Da gehts schon mehr um richtige Straftaten, die Leib und Wohl der Stadiongänger gefährden. "Ein Koffer entwendet", haha, das ist mir sogar schon auf dem adretten Flughafen Charles de Gaulle passiert. Frankreich = Südafrika?
Gut, da habe ich wohl das falsche Beispiel angeführt. Aber trotzdem ist so was für den Betroffenen immer ein extremes Ärgernis. Aber in dem gleichen Zeitraum geschah auch ein Mord an einem Österreicher. http://www.southafrika2010.de/suedafrika/wm-auslosung-diebe-und-ein-mord/
john mcclane, 13.06.2009
4. Na ja
Zitat von SchwabenpowerAch komm schon. Ich glaube, wegen ein paar Taschendieben geht der FIFA nicht der Hintern auf Grundeis. Da gehts schon mehr um richtige Straftaten, die Leib und Wohl der Stadiongänger gefährden. "Ein Koffer entwendet", haha, das ist mir sogar schon auf dem adretten Flughafen Charles de Gaulle passiert. Frankreich = Südafrika?
Also, Taschendiebe sind wohl das kleinste Problem. Aber die 50 Morde und 150 Vergewaltigungen am Tag, die werfen doch die Frage auf, ob Südafrika als Ausrichterland vollauf geeignet ist, um es mal moderat auszudrücken. Für mich ist das sehr schade, da ich noch nie eine WM live vor Ort genießen konnte, von ein wenig Atmosphäre aufsaugen vor vier Jahren mal abgesehen. Können wir uns beim Blatter Sepp bedanken das der dem afrikanischen Kontinent ne WM versprechen mußte. Für 2016 in Brasilien sieht es leider ähnlich mies aus, dank der kurzzeitigen Einführung des Rotationssystems zwischen allen Kontinenten. Sprechen sich die größten Verbände einfach mal schnell ab, und schon hat man die WM in nem Schwellenland... Einzig positiver Aspekt sind die günstigen Zeiten für Fernsehzuschauer aufgrund der geringen Zeitverschiebung, aber selbst das können wir uns bei Brasilien in der Pfeife rauchen...
derpolokolop 13.06.2009
5.
Zitat von john mcclaneAlso, Taschendiebe sind wohl das kleinste Problem. Aber die 50 Morde und 150 Vergewaltigungen am Tag, die werfen doch die Frage auf, ob Südafrika als Ausrichterland vollauf geeignet ist, um es mal moderat auszudrücken. Für mich ist das sehr schade, da ich noch nie eine WM live vor Ort genießen konnte, von ein wenig Atmosphäre aufsaugen vor vier Jahren mal abgesehen. Können wir uns beim Blatter Sepp bedanken das der dem afrikanischen Kontinent ne WM versprechen mußte. Für 2016 in Brasilien sieht es leider ähnlich mies aus, dank der kurzzeitigen Einführung des Rotationssystems zwischen allen Kontinenten. Sprechen sich die größten Verbände einfach mal schnell ab, und schon hat man die WM in nem Schwellenland... Einzig positiver Aspekt sind die günstigen Zeiten für Fernsehzuschauer aufgrund der geringen Zeitverschiebung, aber selbst das können wir uns bei Brasilien in der Pfeife rauchen...
Bin begeistert. Können wir, müssen wir aber nicht. Er ist garantiert schon reichlich bedankt worden!
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