Conference League Union Berlin gleicht in Unterzahl aus – und verliert doch

Das Europa-Comeback nach 20 Jahren wollte Union Berlin mit einem Sieg feiern. Bei Slavia Prag schwächte sich der Klub durch einen Platzverweis zunächst selbst, kam mit großer Moral zurück – litt am Ende aber kräftig.
Marvin Friedrich (r.) im Kopfballduell mit Taras Kacharaba

Marvin Friedrich (r.) im Kopfballduell mit Taras Kacharaba

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MARTIN DIVISEK / EPA

Trotz großem Kampf und Einsatz hat Union Berlin einen erhofften Auftakterfolg in der Conference League verpasst. 1:3 (0:1) unterlag die Mannschaft von Trainer Urs Fischer bei Slavia Prag. Alexander Bah (18. Minute), Jan Kuchta (84.) und Ivan Schranz (88.) trafen für den tschechischen Liga- und Pokalsieger, Kevin Behrens glich zwischenzeitlich aus (70.).

Nach 20-jähriger Abwesenheit vom Europapokal ist Union Berlin auf die internationale Bühne zurückgekehrt; als Siebter der abgelaufenen Bundesligasaison qualifizierte sich der Klub als erstes deutsches Team für den neu eingeführten und dritten europäischen Wettbewerb neben Champions League und Europa League.

In Prag wollten die Berliner offensiv auftreten – und das taten sie zunächst auch: Ein knapp am rechten Torpfosten vorbeirauschender Schuss von Max Kruse setzte ein erstes Ausrufezeichen (2.). Auf der Gegenseite tauchte Bah nach einer unzureichend geklärten Ecke frei im Rückraum auf, den mehrfach aufsetzenden Distanzschuss konnte Andreas Luthe nicht parieren (18.). Unions Angriffsmut hielt nicht lange, Slavia übernahm die Spielkontrolle.

Die Union-Fans brannten schon vor Spielbeginn ein Feuerwerk ab

Die Union-Fans brannten schon vor Spielbeginn ein Feuerwerk ab

Foto: Matthias Koch / imago images/Matthias Koch

Für Unmut bei den Akteuren sorgte der portugiesische Unparteiische Fábio Veríssimo, der mehrfach Foulspiele überhart mit Gelb bewertete. Nach 36 Minuten traf ihn allerdings keine Schuld. Der bereits verwarnte Paul Jaeckel musste für das ungeschickte Unterbinden eines Konters zurecht mit Gelb-Rot vom Feld, und Union bei weiterhin dominanten Pragern 45 Minuten in Unterzahl bestehen.

Eine enorm anspruchsvolle Aufgabe, denn Slavia hat in der heimischen Liga seit fast drei Jahren kein Spiel im eigenen Stadion verloren. Ibrahim Traoré ließ keine Zweifel, dass ein weiterer Heimsieg folgen sollte: Er eröffnete die zweite Hälfte, zirkelte seinen Versuch aus dem Rückraum aber knapp am linken Pfosten vorbei (48.).

Und die Eisernen? Die taten sich schwer, jubelten aber plötzlich. Kruse bediente nach einem Tempogegenstoß Taiwo Awoniyi, der aus kurzer Distanz einschob, aber zu weit vorn und damit im Abseits stand (57.).

Doch die 3000 mitgereisten Union-Fans durften in der 70. Minute einen gültigen Treffer bejubeln. Der eingewechselte Behrens blieb nach einer Hereingabe von Sheraldo Becker nervenstark und schob den Ball am Keeper vorbei ins Tor.

Slavias Schock aus dem Nichts

Die erneute Prager Führung fiel äußerst überraschend und glücklich: Nicolae Stancius Fernschuss lenkte Robin Knoche zu Kuchta ab. Ein Leichtes für den zuvor eingewechselten Angreifer (84.). Für die Entscheidung sorgte Schranz, der zweite Joker traf in die kurze Ecke, Luthe sah unglücklich aus (88.).

Slavia, das vergangene Saison ungeschlagen das Double aus Meisterschaft und Pokal holte, scheiterte erst an der Qualifikation zur Champions League und danach in der Qualifikation für die Europa League. Nun führen die Tschechen die Gruppe E der Conference League an. Die weiteren Gegner Maccabi Haifa und Feyenoord Rotterdam spielten bereits am Dienstag 0:0. Union Berlin ist aktuell Letzter.

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