Nach Halbfinale-Aus bei der Copa América Argentinien verlangt Einblick in die Schiedsrichter-Protokolle

Argentiniens Fußballverband hat nach dem Halbfinal-Aus bei der Copa América gegen Brasilien einen sechsseitigen Protestbrief geschrieben. Kritisiert wird der Schiedsrichter, aber auch Brasiliens Präsident.

Lionel Messi (rechts) beschwert sich während des Spiels gegen Brasilien bei Schiedsrichter Roddy Zambrano
Pedro Vilela / Getty Images

Lionel Messi (rechts) beschwert sich während des Spiels gegen Brasilien bei Schiedsrichter Roddy Zambrano


Das Halbfinale bei der Copa América zwischen Argentinien und Brasilien hat ein Nachspiel. Argentinien um Superstar Lionel Messi verlor 0:2, fühlte sich aber vom Schiedsrichter betrogen, weil dieser zwei mögliche Elfmeter nicht gab - und darüber hinaus auch die Möglichkeit zur Überprüfung der strittigen Szenen durch den Videoassistenten (VAR) nicht nutzte.

Nun hat Argentiniens Fußballverband AFA einen sechsseitigen Protestbrief an den südamerikanischen Fußballverband Conmebol geschrieben und fordert in einem weiteren Schreiben Einblick in die Kommunikation zwischen Videozentrale und Schiedsrichter Roddy Zambrano (Ecuador) zu erhalten.

Im argentinischen Brandbrief an Conmebol-Präsidenten Alejandro Dominguez formulierte AFA-Präsident Claudio Tapia Zweifel an "Ethik, Loyalität und Transparenz" im Südamerika-Verband. Die argentinischen Nationalspieler würden "enttäuscht und misstrauisch darüber, dass der Fußball Südamerikas sich gewandelt habe", zu ihren Klubs zurückkehren, heißt es.

Vor allem Schiedsrichter Zambrano wird im Schreiben kritisiert. Ihn habe der AFA wegen "negativer Vorgeschichten" schon im Vorfeld der Partie infrage gestellt. Beim Duell gegen Brasilien habe Zambrano "in mindestens zwei Situationen, die direkten Einfluss auf das Ergebnis hatten, ungerechtfertigterweise auf den Einsatz des VAR verzichtet".

Probleme bei der Funkverbindung

Messi hatte sich nach der Partie bereits zur Wort gemeldet: "Das ganze Turnier schauen sie sich jeden Schwachsinn am Bildschirm an, aber heute keine einzige strittige Entscheidung", sagte der 32-Jährige über das Schiedsrichtergespann und konkretisierte: "Ich bin der Meinung, dass es zwei Elfmeter hätte geben müssen, die nicht gepfiffen wurden."

"Globo Esporte" berichtete, dass die Kommunikation zwischen Schiedsrichter und Videozentrale gestört gewesen sein soll. Conmebol bestätigte, dass es Probleme bei der Funkverbindung gegeben hatte, beteuerte aber, dass diese vor Anpfiff der Partie behoben worden sein sollen.

Im Protestschreiben wird auch Kritik an den brasilianischen Organisatoren der Südamerikameisterschaft geübt. Die geringen Zuschauerzahlen, die schlechte Rasenqualität in einigen Stadien sowie logistische Probleme werden angesprochen. "Das Ansehen der Conmebol wurde dadurch in Zweifel gezogen", heißt es.

Kritik wegen Bolsonaros Selbstinszenierung

Vorwürfe erhebt der AFA auch gegen Brasiliens Staatsoberhaupt Jair Bolsonaro, der in der Halbzeitpause der Partie eine halbe Ehrenrunde im Mineirao-Stadion von Belo Horizionte drehte. AFA-Präsident Tapia sprach von einer politischen Kundgebung, die eine Verwarnung erfordere, weil der Weltverband Fifa und die Conmebol Manifeste dieser Art strikt untersagen.

Ein Conmebol-Sprecher sagte, dass die Konföderation noch entscheiden müssen, in welcher Form sie auf die Anschuldigungen reagiere.

Argentinien trifft am Samstag im Spiel um Platz drei auf Chile (21 Uhr / Stream: Dazn). Für Brasilien dagegen geht es im Finale am Sonntag gegen Peru (22 Uhr / Stream: Dazn) um den Titel. Peru hatte Chile im zweiten Halbfinale mit 3:0 besiegt.

mey/sid



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