Viertelfinal-Aus bei der Copa América Kolumbien verliert, James gewinnt

Im Viertelfinale gegen Chile war Schluss für Kolumbien bei der Copa América. James Rodríguez geht dennoch als Sieger aus dem Turnier hervor: Zum idealen Zeitpunkt zeigte er wieder seine ganze Klasse.

James Rodríguez (Mitte) umringt von chilenischen Spielern
Miguel Schincariol / AFP

James Rodríguez (Mitte) umringt von chilenischen Spielern

Aus São Paulo berichtet


Während die Kollegen noch auf dem Rasen nach Fassung suchten, war James Rodríguez schon in die Kabine verschwunden. Den hängenden Kopf hatte Kolumbiens Starspieler nur kurz für den Handschlag mit Trainer Carlos Queiroz hoch genommen, dann war er weg.

Kolumbien ist raus, Titelverteidiger Chile steht nach dem 5:4 (0:0)-Sieg im Elfmeterschießen im Halbfinale der Südamerikameisterschaft, wo es auf Peru trifft. Dabei waren es die Kolumbianer, die als einzige Mannschaft alle drei Gruppenspiele hatten gewinnen können.

Chiles Sieg in São Paulo war verdient, schon im laufenden Spiel hatte La Roja größere Durchschlagskraft bewiesen. Zweimal hatten sie getroffen, doch der Schiedsrichter Néstor Pintana annullierte die Tore von Charles Aránguiz in der ersten und Arturo Vidal in der zweiten Halbzeit nach Ansicht der Videoaufnahmen. Im Elfmeterschießen verwandelten dann alle fünf Chilenen, Vidal zu Beginn, Alexis Sanchez zum Schluss. Bei Kolumbien scheiterte allein der letzte Kandidat William Tesillo. James hatte den ersten Elfmeter verwandelt.

"Frustration ist das, was du jetzt fühlst," schrieb James nach dem unglücklichen Ende der Südamerikameisterschaft auf Instagram: "So ist das Leben, Fußball noch mehr."

James spielt groß auf

Der 27-Jährige wird als einer der Besten des Turniers in Erinnerung bleiben. Beim beeindruckenden 2:0-Auftaktsieg gegen Argentinien bereitete der Ex-Bayern-Spieler den Führungstreffer vor. Beim 1:0-Erfolg gegen Katar kam die Vorlage für den Kopfball von Duván Zapata ebenfalls von ihm; James wurde zudem zum besten Spieler der Partie gewählt. Auch gegen Paraguay gelangen ihm mit zwei Außenristpässen auf Angreifer Luis Díaz zwei Vorlagen, doch die Videobilder überführten den Torschützen in beiden Fällen wegen Regelwidrigkeiten.

"James joga muita bola", sagten die brasilianischen TV-Kommentatoren. James spielt groß auf - zum idealen Zeitpunkt. In der Bundesliga konnte man das zuletzt nur selten beobachten. Nach einer starken ersten Saison unter Carlo Ancelotti und Jupp Heynckes spielte der Leihspieler von Real Madrid unter Niko Kovac immer seltener - und bat den Verein letztlich darum, eine Kaufoption nicht zu nutzen. (Lesen Sie hier mehr zum Abgang von James: Adios, Weltstar!)

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James Rodríguez: WM-Held, Temposünder, Bankdrücker

Nun geht es mit durchwachsenem Arbeitszeugnis zurück zu Real, wo er unter Trainer Zinédine Zidane vermutlich keine große Zukunft haben wird. Für James, der in Kürze 28 Jahre alt wird, war die Copa das perfekte Bewerbungsschreiben. Neapel und Atlético Madrid wird bereits seit Wochen starkes Interesse an einer Verpflichtung nachgesagt, andere Klubs könnten sich anschließen. Etwa 50 Millionen Euro wird ein Käufer an Real überweisen müssen, die ihn nach der WM 2014 verpflichteten.

Es war jenes Turnier in Brasilien, bei dem James zum Weltstar wurde. Er hatte die Auswahl Kolumbiens erstmals in ein WM-Viertelfinale geführt. Durch sechs Treffer in fünf Spielen krönte er sich zum Torschützenkönig, sein Volley gegen Uruguay wurde zum schönsten Tor des Turniers gewählt. Fünf Jahre später könnten es erneut seine Auftritte in der Nationalmannschaft sein, die seiner Karriere zu neuen Höhen verhelfen.

Auf den Spuren Valderramas

In seiner Heimat ist er das große Idol, von den früheren Helden längst zum Ritter geschlagen. "Er ist mein Nachfolger", versicherte Carlos Valderrama, Kapitän in den Neunzigerjahren. "Er kann der beste kolumbianische Fußballer der Geschichte werden", sagte der einstige Torjäger Faustino Asprilla.

Noch führt Falcao (r) Kolumbien als Kapitän, wird der Mittelstürmer aber auswechselt, übernimmt James
Henry Romero/REUTERS

Noch führt Falcao (r) Kolumbien als Kapitän, wird der Mittelstürmer aber auswechselt, übernimmt James

Beim Verlesen der Aufstellung in den Stadien jubeln die Kolumbianer nur beim Namen von Falcao genauso laut. Noch führt der 33-Jährige von der AS Monaco die Cafeteros als Spielführer aufs Feld, doch womöglich führt James die Auswahl schon im kommenden Jahr an, wenn die nächste Südamerikameisterschaft in Kolumbien und in Argentinien stattfindet. Zuletzt war Kolumbien 2001 Gastgeber der Copa - und gewann nach sechs Siegen ohne ein Gegentor den Titel.

Anmerkung: Wir haben im Text einen Namen korrigiert. Es handelt sich um Charles Aránguiz und nicht um Juan Arango, der Venezolaner ist.



insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
marcuhlig 29.06.2019
1.
super gemacht FC Bayern, James vergrault, Hummels verkauft, große Transfers versprochen, bisher nichts geliefert und so wie es aussieht wird auch kein wirklich überzeugender Transfer mehr kommen. und UH sagt man werde eine gute Mannschaft haben. gut genug um in der Bundesliga um die Meisterschaft mitzuspielen vermutlich schon. in der CL gehörte man bis vor kurzem noch immer mit zu den Favoriten, jetzt hat man im besten Fall nur noch Außenseiterchancen. das ist einfach nur traurig.
elwoodblues1969 29.06.2019
2. Schade
Schade Kolumbien. Wieder im 11 Meter Schießen raus. Hätte es diesem sympathischen Fussballverücktem Land gegönnt. Als Bayern Fan muss ich sagen, das es ein Armutszeugnis ist, James nicht behalten und eingebunden zu haben! Danke Kovac.
superlargo 29.06.2019
3. WowarJames?
Dass Vidal mann des Spiels war, dafür verliert eure Kommentator kein Wort. Als Fußball "Fachmann" muss man aber wissen dass Juan Arango aus Venezuela kommt und für Venezuela spielt , oder? aber stimmt, die Nammen Juan Arango und Charles Aranguiz sind sehr ähnlich.
ge1234 29.06.2019
4. Danke,...
... Kovac, dass Du uns James vergrault hast! Gruß auch an diejenigen Bayernfans hier im Forum, die James fortwährend Mittelmaß bescheinigt hatten!
GWT 29.06.2019
5.
Zitat von ge1234... Kovac, dass Du uns James vergrault hast! Gruß auch an diejenigen Bayernfans hier im Forum, die James fortwährend Mittelmaß bescheinigt hatten!
Es fehlte bei ihm einfach klar die Konstanz.Zwischendurch mal ein Weltklasseauftritt macht halt noch einen Weltstar. Sicherlich ein guter Fussballer, aber halt auch zu oft auf Özils Spuren. Nicht umsonst lief es bei Real auch nicht berauschend für ihne. Er wird aber ja jetzt wieder eine neue Chance bekommen, mal sehen was er draus macht.
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