Copa America Brasilien von Fußballzwerg blamiert

Der Niedergang des brasilianischen Fußballs setzt sich auch bei der Copa America in Kolumbien fort. Für den Titelverteidiger war bereits im Viertelfinale Endstation.


Alex am Boden, Brasilien draußen
EPA/DPA

Alex am Boden, Brasilien draußen

Manizales - Der viermalige Weltmeister unterlag am Montagabend (Ortszeit) in der Runde der letzten Acht Honduras mit 0:2 (0:0). "Das ist kein Albtraum, sondern Realität", warnte eine Nachrichtensprecherin des brasilianischen Fernsehens, ehe sie das Ergebnis bekannt gab. "Mein Gott, welche Demütigung, wie tief können wir noch fallen?", war TV-Starkommentator Galvao Bueno der Verzweiflung nah.

Vor 35.000 Zuschauern ging der krasse Außenseiter, der nur wegen der Absage von Argentinien ins zwölfköpfige Teilnehmerfeld gerutscht war, durch ein Eigentor des Brasilianers Belleti (57.) in Führung. Kurz vor Spielende machte der honduranische Mittelstürmer Martinez die Sensation endgültig perfekt.

"Die waren uns über weite Strecken der Partie überlegen", urteilte der enttäuschte Spanien-Legionär Denilson. Der inzwischen als Kommentator beim TV-Sender Globo beschäftigte Ex-Weltstar Falcao stellte fest: "Wir gehören endgültig nicht mehr der Weltklasse an, unsere Spieler sind vor allem psychisch sehr labil."

Brasilien muss auch um WM-Qualifikation bangen

Brasilien, das bei der Copa auf Starspieler wie Rivaldo, Roberto Carlos, Cafu und Romario verzichtet hatte, war zuvor in der 85-jährigen Geschichte der Südamerika-Meisterschaft erst einmal im Viertelfinale ausgeschieden: 1993 gegen Argentinien. Hinzu kommt, dass die früher erfolgsverwöhnte "Selecao" als Vierter der Südamerika-Gruppe erstmals auch um die WM-Qualifikation bangen muss. Brasilien war als einziges Team bei allen Fußball-Weltmeisterschaften seit 1930 dabei.

"Ich werde wohl als der Trainer in Brasiliens Geschichte eingehen, der gegen Honduras verloren hat. Das ist einfach nur schrecklich", war Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari ratlos. Nach nur zwei Siegen in fünf Spielen droht dem seit 41 Tagen amtierenden Coach bereits wieder der Rauswurf. Scolaris Spielanalyse kam einem Offenbarungseid gleich: "Wir haben Honduras nicht unterschätzt. Wir waren ihnen ganz einfach unterlegen."

Honduras-Coach Ramon Maradiaga hatte hingegen allen Grund zu schwärmen: "Durch diesen Sieg haben wir uns unsterblich gemacht und gezeigt, dass wir auch die großen Nationen schlagen können." Der Überraschungssieger trifft am Donnerstag im Halbfinale auf Gastgeber Kolumbien, der sich beim 3:0-Erfolg über Peru keine Blöße gab. Das erste Halbfinale der Südamerika-Meisterschaft bestreiten am Mittwoch Mexiko und Uruguay.



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