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Titelsammler Alves: Danis 40

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Copa-Gewinner Dani Alves Mehr Titel als Lebensjahre

Dani Alves hat Brasilien zum Sieg bei der Copa América geführt. Es ist sein 40. Titel - kein Fußballer hat mehr zu bieten. Nicht schlecht für einen vereinslosen Verteidiger.

So richtig anstrengend wurde es für Dani Alves erst nach dem Turnier. Als das Finale gegen Peru abgepfiffen wurde und Brasilien 3:1 gewonnen hatte, musste der brasilianische Mannschaftsführer gleich drei Mal auf die improvisierte Bühne im Maracanã-Stadion klettern.

Beim ersten Mal nahm Alves den Fairplay-Preis für sein Team entgegen, dann unter anschwellendem Jubel die Auszeichnung für den besten Spieler des Turniers und letztlich mit ganz breitem Grinsen diese unhandliche Trophäe für den Gewinn der Copa América.

Brasilien gewann die Südamerika-Meisterschaft zum neunten Mal. Daheim ist der fünfmalige Weltmeister zumindest bei diesem Turnier unschlagbar. Immer wenn Brasilien die Copa ausrichtet, dann bleibt die Trophäe auch im Land. Zuletzt war das 2007 so. Auch damals war Alves schon dabei. Zwölf Jahre später hatte jener Spieler, der beim Finale 36 Jahre, zwei Monate und einen Tag alt war, den größten Anteil am erneuten Erfolg. Nur der japanische Keeper Eiji Kawashima war noch ein paar Tage älter als Daniel Alves.

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Der seit seinem Abgang von Paris Saint-Germain im Sommer vereinslose Rechtsverteidiger machte in diesem Turnier von Spiel zu Spiel mehr Werbung für sich. Alves war emotionaler Leader, Unterschiedsspieler, Torschütze. "Er hat eine unglaubliche mentale Stärke", sagt Nationalmannschaftsreporter Breiller Pires: "Damit hat er das Team hier zusammengeschweißt."

Alves übernahm all die Rollen, die vor dem Turnier Neymar zugedacht waren, der es in einer Mischung aus Verletzungs- und Justizproblemen vorzog, der Copa fernzubleiben. Je länger das Turnier dauerte, desto weniger sprach man über den Superstar. Alves machte Neymar nicht nur neben dem Platz, sondern auch auf dem Platz vergessen. Er brachte in seiner Mannschaft die meisten Pässe zum Mitspieler, schlug die sichersten langen Bälle, hatte die besten Spieleröffnungen und verzeichnete die meisten Ballgewinne. Selbst in einem Team, das vor Schönspielern strotzt, war er noch der drittbeste Dribbler. Phasenweise wirkte es so, als trage der Rechtsverteidiger das Trikot mit der Nummer 10 des Spielmachers auf dem Rücken.

"Preis für Ausdauer und Beständigkeit"

Alves genoss seine Rolle. Man sah ihn bei dieser Copa eigentlich immer lachen. In der Mixed Zone, wo er geduldig mit den Journalisten auf Spanisch oder Portugiesisch parlierte, bei den Pressekonferenzen oder auf dem Platz. Und nebenbei hat er noch den 40. Titel seiner Karriere eingesammelt, kein Fußballer hat mehr Trophäen zu bieten als der Rechtsverteidiger, 23 davon hat er allein in seinen acht Jahren beim FC Barcelona geholt.

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Seine persönliche Auszeichnung als bester Spieler der Copa bezeichnete Alves als den "Preis für Ausdauer und Beständigkeit". "Aber das schönste für mich bei dieser Copa ist, dass wir hier in unserem Land, in unserem Fußball-Tempel und mit unseren Familien gefeiert und die jungen Spieler in unserem Team glücklich gemacht haben", sagte Alves nach dem Finale dem SPIEGEL.

Dabei war seine Karriere bei der Seleçao im vergangenen Sommer eigentlich schon beendet. Kurz vor dem Turnier hatte der Defensivakteur eine Bänderverletzung im rechten Knie erlitten. Nationaltrainer Tite fuhr extra nach Paris, um zu schauen, ob sein rechter Verteidiger rechtzeitig fit würde. Er wurde es nicht, Brasilien blieb mit dem Fixstern Neymar im Viertelfinale an Belgien hängen. "Mit Dani Alves wäre das nicht passiert", vermutet Breiller Pires. Das mag sich auch Nationaltrainer Tite gedacht haben, als er Alves zu Beginn der Vorbereitung auf die Copa zurückholte und ihm sogleich auch die Kapitänsbinde antrug.

WM 2022 - Warum nicht?

Alves wiederum bezeichnete seinen Trainer als den wahren Kapitän dieses Schiffes namens "Seleçao", das alles in allem ziemlich robust durch das Turnier gesegelt ist. Es hat nicht nur das Team mit großen Einzelkönnern triumphiert, sondern auch die kompakteste Mannschaft. Brasiliens Torhüter Alisson Becker blieb aus dem Spiel heraus unbezwungen. Und vorne nutzten die Offensivspieler nach anfänglichen Problemen die wenigen Chancen, die sich ihnen boten.

So hat Brasilien fast fünf Jahre nach dem 1:7 im WM-Halbfinale gegen Deutschland doch noch einen großen Titel im Maracanã-Stadion gewonnen. Die Zuschauer feierten den Sieg so euphorisch, als hätten sie gerade die Zeit zurückgedreht und Brasilien den WM-Titel geholt. "É campeão" dröhnte es durch das historisch so aufgeladene Stadion. Vergessen die Vorwürfe von Argentiniens Lionel Messi, der die Organisatoren der Copa kritisiert. Und doch: Für Tite gibt es noch eine größere Mission. 2022, Katar, Weltmeisterschaft. Dann soll endlich der sechste WM-Titel geholt werden.

Dani Alves wäre dann 39. Ist das trotzdem noch ein Ziel? Er beantwortete die Frage an diesem Abend so: "Es ist ein Ziel, das ich habe, aber das Ticket für die WM muss man sich hart erarbeiten, dafür muss man viel laufen. Aber das kann ich ja hervorragend."

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Brasilien - Peru 3:1 (2:1)
1:0 Éverton (15.)
1:1 Guerrero (44., Foulelfmeter)
2:1 Gabriel Jesus (45.+3)
3:1 Richarlison (90.)
Brasilien: Alisson - Dani Alves, Marquinhos, Thiago Silva, Alex Sandro - Arthur, Casemiro, Gabriel Jesus, Coutinho (77. Eder Militao), Éverton (90.+3 Allan) - Roberto Firmino (75. Richarlison)
Peru: Gallese - Advincula, Zambrano, Abram, Miguel Trauco - Tapia (82. Gonzales), Yotun (78. Ruidiaz), Flores, Cueva, Carrillo (86. Polo) - Guerrero
Schiedsrichter: Roberto Tobar
Gelbe Karten: Thiago Silva, Richarlison / Tapia, Zambrano, Advincula
Gelb-Rot: Gabriel Jesus (70.)

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