Chiles Nationalspieler Marcelo Díaz König der Pässe

Vidal, Bravo, Vargas: Chiles Fußballnationalmannschaft ist gespickt mit Top-Stars. Marcelo Díaz ist eher unbekannt, dabei gehört der HSV-Profi zu den wichtigsten Spielern. Im Finale der Copa América will er das zeigen.

Chiles Nationalspieler Díaz: 91,8 Prozent der Pässe zum Mitspieler
DPA

Chiles Nationalspieler Díaz: 91,8 Prozent der Pässe zum Mitspieler


Der Druck ist riesig, aber Marcelo Díaz sieht es positiv: "Wir haben das gesamte Land hinter uns. Die Menschen hoffen genauso auf den Sieg wie wir Spieler auch", sagt der Mittelfeldspieler vom Hamburger SV, der mit Gastgeber Chile bei der Copa América im Finale auf Argentinien trifft. Wobei "hoffen" es nicht ganz trifft. Die Menschen in Chile erwarten nichts anderes als einen Sieg, sie wollen endlich den ersten Titel beim zweitältesten noch stattfindenden Fußballturnier der Welt.

Seit 1916 wird die Südamerika-Meisterschaft, vergleichbar mit der Europameisterschaft, ausgespielt. Uruguay ist Rekordsieger, dann kommen Argentinien und Brasilien, auch kleinere Nationen wie Paraguay und Peru haben die Copa schon gewonnen - Chile noch nie. Viermal stand das Land im Finale und verließ den Platz stets als Verlierer.

Das soll sich ändern, zumal die Partie am Samstag (22 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) im heimischen Nationalstadion ausgetragen wird. Vor eigenem Publikum ist Chile zum Siegen verdammt. Seit Wochen gibt es in den chilenischen Medien kaum ein anderes Thema als den ersehnten Titelgewinn dieser "goldenen Generation", wie immer wieder betont wird.

Herausragende Fußballer hatte Chile immer mal wieder. Leonel Sánchez etwa in den Fünfziger- und Sechzigerjahren, Iván Zamorano in den Achtzigern und Neunzigern oder Marcelo Salas um die Jahrtausendwende. Aber nie hat es in der chilenischen Nationalmannschaft eine solche Ansammlung starker Spieler gegeben wie derzeit.

Heatmap von Díaz im Viertelfinale gegen Uruguay: Hinten, Mitte, vorne
Opta

Heatmap von Díaz im Viertelfinale gegen Uruguay: Hinten, Mitte, vorne

Torwart Claudio Bravo spielt beim FC Barcelona, Abwehrspieler Gary Medel bei Inter Mailand. Superstar Arturo Vidal, früher in der Bundesliga für Bayer Leverkusen aktiv und jüngst aufgrund einer Alkoholfahrt in den Schlagzeilen, steht bei Juventus Turin unter Vertrag. Dazu kommen die Angreifer Eduardo Vargas vom SSC Neapel und Alexis Sánchez, früher bei Barça, aktuell beim FC Arsenal. Und dann ist da noch Díaz.

Der defensive Mittelfeldspieler war bis zur Bundesligarelegation in Deutschland nur wenigen ein Begriff. Dann rettete er den HSV gegen Karlsruhe mit einem perfekt getretenen Freistoß in die Verlängerung, in der die Hamburger dann den Abstieg vermieden. Ansonsten fällt Díaz kaum auf, weil er unspektakulär spielt. Dabei gehört er stets zu den Leistungsträgern seiner Teams.

"Díaz ist für mich einer der wichtigsten Spieler der Mannschaft. Er bleibt unter Druck ruhig, ist defensiv sehr gut, aber hält auch das Spiel am Leben. Er gibt dem Kollektiv Struktur und Organisation und dem Team seinen Spielstil und Rhythmus", wird der argentinische Journalist Matías Manna, der als Kenner von Bayern-Trainer Josep Guardiola gilt, beim Internetportal spielverlagerung.de zitiert. Chiles Nationaltrainer Jorge Sampaoli scheint es ähnlich zu sehen, in jedem Spiel bei dieser Copa stand Díaz in der Startaufstellung. Die Statistik, ermittelt vom Sportdatenanbieter Opta, gibt dem Coach recht:

  • Díaz bringt 91,8 Prozent seiner Pässe zum Mitspieler. Von allen Fußballern, die bei der Copa mindestens 180 Spielminuten Einsatzzeit hatten, weist nur Argentiniens Lucas Biglia eine bessere Passquote auf (92,4 Prozent).
  • Fast zwei Drittel seiner Zweikämpfe entscheidet Díaz für sich. 62,1 Prozent gewonnener Duelle sind für einen Mittelfeldspieler ein starker Wert.
  • Nur zwei Mittelfeldspieler dieser Copa mit Minimum 180 Spielminuten Einsatzzeit sind im Schnitt öfter am Ball als Díaz: Landsmann Vidal und Argentiniens Javier Mascherano.

Passquote von Díaz im Viertelfinale gegen Uruguay: Quote von 92,3 Prozent
Opta

Passquote von Díaz im Viertelfinale gegen Uruguay: Quote von 92,3 Prozent

"Ich weiß nicht, ob ich seine taktischen Vorgaben am besten löse. Aber ich verstehe sie sehr gut", sagte Díaz der "Süddeutschen Zeitung" über sein Verhältnis zum Coach, unter dem der gerade einmal 1,66 Meter große Profi schon im Verein spielte. Als Sampaoli 2010 den Klub Universidad de Chile übernahm, funktionierte er den Rechtsverteidiger Díaz zum defensiven Mittelfeldspieler um. 2011 und 2012 holten sie gemeinsam die Meisterschaft. Anschließend ging Díaz zum FC Basel in die Schweiz, wo er seine Meisterschafts-Sammlung mit den Titeln 2013 und 2014 erweiterte. In der Winterpause der vergangenen Saison wechselte er dann zum HSV.

Die Hamburger haben gerade mit der Saisonvorbereitung begonnen. Díaz wird aber erst Ende Juli zur Mannschaft stoßen, er macht noch drei Wochen Urlaub. Davor will er helfen, dass sein Land endlich die Copa gewinnt.



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
frank_w._abagnale 04.07.2015
1. Topfavorit.
Chile gehört für mich zu Top-Favoriten für die EM 2016 in Portugal.
Hamburgues 04.07.2015
2. Psst... SPON
nicht so laut über Díaz schwärmen, sonst kommt noch Bayer Leverkusen und will Ihn uns,dem HSV,abkaufen;-)
Luxinsilvae 04.07.2015
3. Da wäre ich mir nicht so sicher, ...
Zitat von frank_w._abagnaleChile gehört für mich zu Top-Favoriten für die EM 2016 in Portugal.
... ich glaube bei der nächsten EM ist dann doch endlich einmal ein Land aus Afrika an der Reihe. Die waren auch bei der letzten EM in Slowenien schon nahe dran. Wenn ich nur an das Halbfinale gegen Deutschland denke. Grüße
in-teressant! 04.07.2015
4. #Nr. 1
Ja genau, weil Chile ja ein Teil von Europa ist, darf dieses südamerikanische Land an der EM teilnehmen. Alles klar!
Forist Gump 04.07.2015
5. Die EM heißt 2016...
Zitat von in-teressant!Ja genau, weil Chile ja ein Teil von Europa ist, darf dieses südamerikanische Land an der EM teilnehmen. Alles klar!
nicht mehr EM, sondern European Soccer Contest und es darf dabei ein nichteuropäisches Land teilnehmen (wie Israel beim Song-Contest). Chile hat für 2016 die entsprechende Wildcard gegen Bezahlung von 16 Mio. Dollar auf das Konto von Herrn Blatter bekommen.
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