Messis Niederlage im Copa-Finale Aufhören, wenns am schlimmsten ist

Superstar Lionel Messi ist aus der argentinischen Nationalmannschaft zurückgetreten. Nach der vierten Finalpleite verließ ihn der Glaube an Titel.

Aus East Rutherford berichtet


Die Chilenen tanzten nach ihrem 4:2-Sieg im Elfmeterschießen ausgelassen und bejubelten ihre Titelverteidigung. Das Ergebnis des Endspiels der Copa América gegen Argentinien geriet im Stadion von East Rutherford jedoch schnell zur Nebensache.

Wie immer richteten sich die Blicke auf Lionel Messi. Doch es war nicht das gewohnte Bild, das man vom erfolgsverwöhnten Superstar kennt: Er saß auf einem der dick gepolsterten Sitze für die Trainer und Reservisten. Messi schaute irgendwo hin, nahm aber trotzdem nichts wahr. Sein Blick war leer und man musste kein Argentinier sein, um mit dem 29-Jährigen zu fühlen. Hier saß die pure Enttäuschung - wie immer, wenn er mit Argentinien bei einem Turnier antritt.

Messi kennt dieses ohnmächtige Bild zur Genüge und er hat es hassen gelernt. Zum vierten Mal stand er mit Argentinien seit 2007 in einem Endspiel, zum vierten Mal hat er es verloren. Dabei hatte der Kapitän im Vorfeld noch gefordert, dass man sich doch endlich für die harte Arbeit der vergangenen Jahre belohnen solle. Und dann reichte es trotz besserer Torchancen wieder nicht.

Ob er auf der Ersatzbank zu dem Entschluss kam, der wenig später die Fußballwelt schocken sollte, oder ob er ihn schon vorher gefasst hatte? Spekulation. "Das war's, meine Zeit in der Nationalmannschaft ist vorbei", sagte Messi später vor der argentinischen Kabine. Er war frisch geduscht, sprach unaufgeregt, lächelte sogar einmal kurz. Keine Hektik, alles wohlüberlegte Worte. Er wirkte wie jemand, der genau wusste, was er da gerade sagt.

Die große Ära mit der "Albiceleste" blieb aus

Messi sprach von der Sehnsucht, mit Argentinien einen Titel zu gewinnen, davon, wie hart er für diesen Traum gearbeitet habe. Eine Meisterschaft mit der Nationalmannschaft, das sei es immer gewesen, was er am meisten wollte, so Messi. 2005 hatte er sein Land zum Gewinn der Junioren-Weltmeisterschaft geführt, beim 2:1-Finalsieg gegen Nigeria per Elfmeter beide Tore geschossen. Drei Jahre später folgte in Peking Olympiagold. Aber das ist kein wirklicher Trost für verlorene Endspiele und schon gar kein Ersatz für verpasste Titel bei der Copa América oder einer Weltmeisterschaft.

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Messi in der argentinischen Nationalmannschaft: Der Unvollendete

Mit dem FC Barcelona kennt Messi Erfolgsgefühle zur Genüge. Ob Weltpokal, Champions League, spanische Meisterschaft oder Copa del Rey - Messi hat alles schon gewonnen. Und er hat im Klub und in der spanischen Liga so viele Tore geschossen wie kein anderer. Auch in der Nationalmannschaft ist "Leo" mit 55 Treffern Rekordtorschütze. Doch für die ganz große Ära mit der "Albiceleste" langte es am Ende nicht.

Messi war dabei, als Copa-Endspiele 2007, 2015 und 2016 verloren wurden. Hinzu kommt das 0:1 nach Verlängerung im Weltmeisterschaftsfinale 2014 gegen Deutschland. "Das sind vier verlorene Finals. Es tut mir mehr als jedem anderen weh, dass ich nicht im Stande bin, mit Argentinien einen Titel zu gewinnen", sagt Messi.

Die Nerven versagen im Elfmeterschießen

Vor allem in diesem Jahr machte er den Eindruck, den Finalfluch und die 23 Jahre andauernde Titeltristesse Argentiniens beenden zu können. Gegen Panama gelang ihm in 19 Minuten ein Hattrick, sein Freistoßtor gegen die USA war Tage danach noch Gesprächsthema. Fünf Treffer in vier Partien und dazu diese lockere, quirlige Spielweise, diese Freude an dem, was er da auf dem Rasen macht. Nein, es konnte einfach keinen Zweifel daran geben, dass dieser Messi Argentinien endlich zu einem Titel führen würde.

Und als er im Elfmeterschießen antrat, waren sich alle sicher, dass Argentinien gleich 1:0 führen werde. Schließlich hatte er zuvor noch nie in einem Elfmeterschießen enttäuscht, immer dem Druck standgehalten. Doch dann schoss er den Ball über die Querlatte und verbarg umgehend sein Gesicht im Trikot.

Es war nicht sein Elfer, der ausschlaggebend war, schließlich hatte zuvor bereits Arturo Vidal für die Chilenen verschossen. Dennoch wurde Messi zum Sinnbild dieser Niederlage. Als Fifa-Präsident Gianni Infantino ihm die Silbermedaille umhängte, musste sich Messi gar nicht groß bücken, sein Kopf war bereits tief gesenkt. Wer den Namen Messi hört, denkt womöglich zuerst an jede Menge Jubelszenen. Doch es ist das Bild des geknickten Superstars, mit dem er sich von der Nationalmannschaft verabschiedet.

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Putin-Troll 27.06.2016
1. Kopf hoch
Deutschland hat auch lange auf den Titel warten müssen...
officerex777 27.06.2016
2. Ach Lionel......
Geh einfach mit Zlatan einen trinken und vergiss die Sache. Vielleicht ist es ja auch die andauernde Rache an euch Argentiniern für den WM Betrug 1986....na ihr wisst schon...die Hand Gottes. Für diese Gotteslästerung müsst ihr vermutlich noch Jahrzehnte büssen. Bei einem Bier könnt ihr euch...also Zlatan und Du ....einen gegenseitig in die Bluse heulen. Zwar Weltklasse-Kicker zu sein, ohne an der Welt-Klasse teilhaben zu dürfen. Zum Wohl!
Safiye 27.06.2016
3. Tja, haette, koennte, waere ...
Messi, einer der besten Fussballspieler unserer Zeit, muss frustiert sein. Er haette bei doppelter StA sich vor langer Zeit auch fuer Spanien entscheiden koennen, sah aber die beiden Sterne Argentiniens auf dem Trikot und hielt es wohl fuer wahrscheinlicher, dass er einen Titel mit den Suedamerikanern holt. Dumm nur, dass Spanien nach Jahrzehnten der Erfolglosigkeit, 2008 Europameister, 2010 Weltmeister und 2012 wieder Europameister wurde. Und Argentinien ... verliert permanent gegen schwere wie einfache Gegner ... Messi, der Unvollendete ! Aber wie Putin-Troll schrieb, es braucht auch Standvermoegen und eine WM haette er noch spielen koennen (und muessen). Keine Lust auf Russland oder fehlt der Glaube, dass eine suedamerikanische Mannschaft dort den Titel holt ?! Aber Deutschland hat es doch auch gegen alle Wahrscheinlichkeiten geschafft. Weltmeister in Brasilien, was kann es Schoeneres geben ?! Ich weiss es: Zusaetzlich den EM-Titel in Frankreich ! Holt ihn Euch, Jungs !
leserlich 27.06.2016
4.
Zitat von officerex777Geh einfach mit Zlatan einen trinken und vergiss die Sache. Vielleicht ist es ja auch die andauernde Rache an euch Argentiniern für den WM Betrug 1986....na ihr wisst schon...die Hand Gottes. Für diese Gotteslästerung müsst ihr vermutlich noch Jahrzehnte büssen. Bei einem Bier könnt ihr euch...also Zlatan und Du ....einen gegenseitig in die Bluse heulen. Zwar Weltklasse-Kicker zu sein, ohne an der Welt-Klasse teilhaben zu dürfen. Zum Wohl!
weltklasse ohne an der weltklasse teilhaben zu dürfen? was'n das für'n blödsinn? wm- und copa-finals sind wohl keine weltklasse oder wat? wenn, dann träfe das vlt. auf zlatan zu und dann auch nur wenns um nationalmannschaftsturniere geht.
idleberg 27.06.2016
5.
Die wirklich großen Titel hat er ja schon mehrfach gewonnen, das wird er verkraften können.
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