Protest gegen Clubführung Santander-Profis sorgen für Spielabbruch

Die Spieler des spanischen Drittligisten Racing Santander haben das Pokalspiel gegen Real Sociedad boykottiert. Die Partie wurde nach einer knappen Minute abgebrochen. Die Profis haben seit Monaten keine Gehälter bekommen und fordern den Rücktritt der Clubführung.
Santander-Profis: Seit Monaten keine Gehälter

Santander-Profis: Seit Monaten keine Gehälter

Foto: ANDER GILLENEA/ AFP

Hamburg - Die Spieler des spanischen Drittligisten Racing Santander haben ihre Drohung wahr gemacht und für einen Spielabbruch gesorgt. Nach dem Anstoß des Viertelfinal-Rückspiels im spanischen Pokal gegen Real Sociedad San Sebastián weigerten sich die Racing-Profis, an dem Spiel teilzunehmen. Stattdessen bildeten sie nach dem Anstoß am Mittelkreis eine Linie.

Der Schiedsrichter brach die Partie nach einer knappen Minute ab. Zuvor hatte Santander-Kapitän Mario Fernandez dem Referee mitgeteilt, dass sein Team die Partie boykottieren wird.

Nach dem Abpfiff klatschten die Spieler und Trainer beider Mannschaft miteinander ab. Die Fans in Santanders Stadion Sardinero bejubelten ihr Team. Die internationale Spielergewerkschaft Fifpro und die spanische Vereinigung AFE unterstützten den Protest ebenfalls.

"Wir haben gemischte Gefühle aus Traurigkeit und auch Freude", sagte Santanders Mittelfeldspieler Javi Soria dem TV-Sender Canal Plus: "Es ist eine Schande, dass es soweit gekommen ist."

"Wir wollten ein Zeichen setzen"

Die Santander-Spieler hatten den Protest gegen die Clubführung um Präsident Angel Lavin angekündigt und deren Rücktritt gefordert. Die Profis, Trainer und Betreuer haben seit Monaten kein Gehalt erhalten, obwohl dies Lavin mehrfach versprochen hatte. Die wirtschaftliche Situation sei inzwischen bei mehreren Profis äußerst prekär, hieß es zuletzt in einer Erklärung.

"Wir haben gezeigt, dass wir ein Team sind", so Soria, "und wir hoffen, dass nun die Dinge geklärt werden. Wir wollen nur spielen und das Beste für Racing herausholen." Der Mittelfeldspieler ergänzte, dass die Mannschaft hoffe, dass juristische Konsequenzen ausblieben. "Wir haben das zum Wohl des Fußballs, der Stadt und ganz Spanien getan." Es gebe etliche ähnliche Fälle und "wir wollten ein Zeichen setzen", sagte Soria.

Bereits im Achtelfinal-Hinspiel gegen Almería waren sie nach dem Anpfiff 20 Sekunden lang stehengeblieben. Gleichzeitig hatten Racing-Fans die Vorstands-Loge gestürmt. Sociedad hatte das Hinspiel 3:1 gewonnen und zieht nun ins Halbfinale gegen den FC Barcelona ein.

Santander war von 1993 bis 2012 nur mit Unterbrechung der Saison 2001/2002 erstklassig. In der Spielzeit 2011/2012 stieg der Club in die zweite Liga ab, im vergangenen Sommer ging es direkt weiter in die dritte Liga. Lavín ist seit Juni 2012 Racing-Präsident. In der aktuellen Saison ist Santander Tabellenerster seiner Drittliga-Staffel.

Ein Grund für den Absturz des Clubs war die Übernahme durch den indischen Milliardär Ahsan Ali Syed 2011. Kurz nach seinem Einstieg erfuhr der Investor von Ermittlungen von Interpol gegen sich. Ali Syed hielt seine Versprechen nicht ein, der Club ging in die Insolvenz. Im Mai 2013 erklärte sich Ali Syed bereit, seine Anteile abzugeben, einen neuen Besitzer gibt es bislang allerdings noch nicht. Dem Club droht deshalb das endgültige Aus.

max/AP/Reuters/sid
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