14 Tage Quarantäne für Dynamo Dresden Ist das der Anfang vom Ende?

Fußball-Zweitligist Dynamo Dresden muss nach positiven Corona-Fällen für zwei Wochen in Quarantäne. Das könnte den Plan zur Fortsetzung der Saison gefährden. Denn die Chancengleichheit ist jetzt kaum noch gegeben.
Simon Makienok von Dynamo Dresden Anfang März

Simon Makienok von Dynamo Dresden Anfang März

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Lutz Hentschel/ imago images/Hentschel

Eigentlich hatten sich die Spieler von Dynamo Dresden an diesem Samstag schon auf eine einwöchige Quarantäne eingestellt. Auf ein Leben im Hotel, das die Profis des Fußball-Zweitligisten eigentlich nur verlassen hätten, um mit dem Team für die Saisonfortsetzung zu trainieren. Sie wären abgeschottet gewesen von ihren Familien und Freunden. Am Montag sollte es losgehen, die Rechnung über 30.000 Euro war vom Verein schon bezahlt. Alles war organisiert.

Diese einwöchige Quarantäne nannte die Politik am Mittwoch als eine Bedingung, um den Profifußball den Re-Start der Saison in der Coronakrise zu erlauben. Erst am Donnerstag hatte Christian Seifert noch einmal an diese Vorgabe für alle 36 Profiklubs erinnert, er hatte auf einer Pressekonferenz auch den Fahrplan für die Saisonfortsetzung ab dem 16. Mai skizziert. Bis Ende Juni sollten alle wichtigen Entscheidungen in der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga gefallen sein, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL): Wer Deutscher Meister wird, wer aufsteigt, welches Team runter in die 3. Liga muss.

Doch dieser Zeitplan gerät nun in Gefahr. Die Mannschaft von Dynamo Dresden muss jetzt nicht mehr in eine einwöchige Trainings-Hotel-Quarantäne. Sie muss sich nach zwei positiv auf den Covid-19-Erreger getesteten Spielern in eine zweiwöchige Quarantäne begeben. Keine Spiele, kein Mannschaftstraining, Zwangspause.

Das hat das örtliche Gesundheitsamt entschieden.

In Dresden hatte es bereits nach der ersten Testreihe einen positiven Covid-19-Fall im Team gegeben. Der Spieler wurde in Quarantäne geschickt, die Restmannschaft durfte weitertrainieren. So hatte es das Gesundheitsamt entschieden und sich dabei an die Vorgaben des Robert Koch-Instituts gehalten, das zwischen Kontaktperson eins und Kontaktperson zwei unterscheidet.

In einer zweiten Testreihe unter der Woche hatte es dann keinen einzigen positiven Test mehr bei Dynamo gegeben. Dresden stieg ins Mannschaftstraining ein. Nun, nach zwei Tagen im Vollkontakt der Spieler, wurden jedoch zwei Profis positiv getestet. Das örtliche Gesundheitsamt reagierte und verordnete eine 14-tägige Quarantäne für Spieler, Betreuer- und Trainerteam. Dresdens Auswärtsspiel bei Hannover 96 am Wochenende kann nicht wie geplant stattfinden, wohl ebenso wie das Heimspiel in der Woche danach gegen Fürth. Auch trainieren können die Sachsen nicht.

DFL-Chef Seifert sieht den Zeitplan nicht gefährdet

Seifert äußerte sich am Abend im "aktuellen Sportstudio" zu dem Fall: "Wir haben immer gesagt, dass das Gesundheitsamt entscheidet. Wir haben auch von Anfang an gesagt, dass wir uns auf solche Fälle einstellen müssen. Wir machen uns nächste Woche Gedanken, wie wir mit den Spielen von Dynamo Dresden umgehen."

Bringt das den Zeitplan ins Wanken, wurde der DFL-Chef gefragt: "Aktuell nicht", antwortete der 51-Jährige. "81 Spiele stehen in der Zweiten Liga an. Es bedeutet nun, dass zwei Spiele von Dresden nicht gespielt werden können. Wir ändern jetzt nicht das Ziel, sondern den Plan", sagte Seifert und meinte damit den Spielplan. Es gäbe noch Puffer, um die beiden Spiele nachzuholen.

Er wolle nicht darüber spekulieren, ob das, was in Dresden passiert ist, auch an anderen Standorten passieren könnte, so Seifert. Er interpretiere die 14-tägige Quarantäne für Dynamo auch nicht als Rückschlag, da man bei der DFL davon ausgegangen war, dass dieser Fall eintreten könnte. Ganz grundsätzlich zweifelte Seifert auch noch nicht daran, dass der DFL-Plan weiter umzusetzen sein wird: "Für den Moment ist das noch kein Grund, die Vorführung der Zweiten Liga in Frage zu stellen", sagte er.

Vollbremsung mitten im Abstiegskampf

Und dennoch ist der Fall Dresden besonders problematisch für den deutschen Fußball. Weil er nicht nur den Spielplan durcheinander bringt, sondern weil mit ihm auch der sportliche Gedanke des Re-Start massiv infrage gestellt wird. Er macht den fairen Wettbewerb in der Zweiten Liga praktisch zunichte.

Dresden ist Tabellenletzter, allerdings fehlt auch nur ein Punkt zum Relegationsrang und nur vier Punkte Rückstand sind es auf einen Nicht-Abstiegsplatz. Die Mission Ligaverbleib wäre kein aussichtsloses Unterfangen, eigentlich.

Doch mit der Entscheidung des Dresdner Gesundheitsamtes hat sich die Lage verändert. Dresden hat in zwei Wochen nicht nur zwei Spiele weniger als die Konkurrenz auf dem Konto, Dresden wird dann auch bis zu 14 Tage weniger Mannschaftstraining absolviert haben. Ausgefallene Partien wird man durch englische Wochen, durch Spiele unter der Woche, bis Ende Juni nachholen können. Aber ausgefallenes Mannschaftstraining - das bleibt ausgefallen. Diesen Rückstand kann Dresden nicht mehr aufholen, und damit hat sich das Thema Chancengleichheit in der Zweiten Liga praktisch erledigt.

Zweifel selbst an der Theorie des Konzepts

Dass Dresden nun im Abstiegskampf schwer benachteiligt sein könnte, ist nur die eine Seite. Die andere: Der Klub spielt in den kommenden Wochen auch noch gegen Bielefeld (28. Spieltag), eine Woche später gegen den VfB Stuttgart und am 31. Spieltag trifft das Team auf den HSV. Alles Gegner, die um den Aufstieg in die Bundesliga kämpfen, Dresden könnte also auch in diesem Wettbewerb eine maßgebliche Rolle spielen.

International wird die DFL für ihr Hygiene- und Sicherheitskonzept gelobt. Die Deutsche Fußball Liga ist in der Coronakrise praktisch die einzige große Sportliga der Welt, der zu diesem Zeitpunkt die Fortsetzung des Saisonbetriebs erlaubt worden ist. Aber noch rollt der Ball gar nicht, noch ist das alles Theorie.

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Nun wird die Theorie auf die Probe gestellt. Der Dresdner Fall zeigt, wie schnell das Konzept ins Wanken geraten kann, dass es wie ein Schlauchboot auf der See treibt und nun das erste, große Loch bekommen hat.

Auch sehen Spieler jetzt, dass sie durch das DFL-Konzept nicht vollends geschützt werden können. Es hatte bereits Profis gegeben, die ihre Bedenken geäußert haben. Erst war das der Kölner Birger Verstraete, zuletzt äußerte sich auch der Union-Spieler Neven Subotic. Die aktuelle Situation könnte eine psychische Belastung für die Profis sein. Und der Fall Dresden dürfte die Bedenken nicht kleiner machen.

Er könnte womöglich sogar der Anfang vom Ende aller Pläne zur Fortsetzung der Saison sein.

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