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19. Mai 2017, 18:49 Uhr

Steuerverfahren

Ronaldo bald ein Fall für den Staatsanwalt?

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Cristiano Ronaldo hat es womöglich bald mit der Ermittlungsbehörde für Wirtschaftskriminalität zu tun. Es geht um Millionen aus Werbedeals. Der SPIEGEL und das Recherchenetzwerk EIC hatten über seine Geschäfte im Dezember berichtet.

Die Staatsanwaltschaft von Madrid nimmt demnächst vermutlich Ermittlungen im Steuerfall Cristiano Ronaldo auf. Das meldet das spanische Nachrichtenportal "El Confidencial" und beruft sich dabei auf "mit dem Fall vertraute Quellen". Demnach soll der Untersuchungsbericht der spanischen Finanzbehörde Agencia Tributaria zu möglichen Steuerdelikten des vierfachen Weltfußballers demnächst an die für Wirtschaftskriminalität zuständigen Ermittlungsbehörde übergeben werden. Stichtag dafür wäre der 30. Juni. An diesem Tag läuft die Deadline für die Verfolgung möglicher Steuervergehen im Fiskaljahr 2011 aus.

Bei den Untersuchungen geht es offenbar um Dutzende von Millionen Euro, die Ronaldo seit seiner Verpflichtung durch Real Madrid im Sommer 2009 mit Werbung verdiente. Diese Einnahmen wurden um die ganze Welt gelenkt, darunter Steuerparadiese wie Irland und die British Virgin Islands. Das belegen Dokumente der Enthüllungsplattform Football Leaks. Einige hatte die Plattform bereits im Frühjahr 2016 ins Netz gestellt. Andere stammen offenbar aus dem Umfeld portugiesischer und Schweizer Juristen, die Ronaldo beraten. Seit Jahren wickelt die in Dublin ansässige Firma Multisports & Image Management (MIM) Ronaldos Werbedeals ab.

Ronaldo profitierte von der "Lex Beckham". Seit dem Jahr 2004 erhielten ausländische Spieler wie er in Spanien den Status eines "Impatriado". Damit durfte Ronaldo sämtliche Inlandseinnahmen mit knapp 25 Prozent versteuern, während für spanische Spieler ein Steuersatz von rund 50 Prozent galt. Außerdem musste Ronaldo nur jenes Geld versteuern, das er in Spanien verdiente. Einnahmen aus dem Ausland interessierten den spanischen Fiskus damals nicht, auch keine ausländischen Werbeeinahmen.

Dieses Gesetz wurde schon 2010 wieder einkassiert. Doch Ausländern, die bis Ende 2009 ins spanische Fußballerparadies gezogen waren, gewährte die Politik eine Übergangsfrist bis 2015. Um die steuerliche Behandlung dieser Einnahmen scheint es zwischen den Behörden und der Ronaldo-Seite nun offensichtlich "Diskrepanzen" zu geben, heißt es in dem Artikel von "El Confidencial". Die spanischen Steuerbehörden kommentieren den Vorgang nicht, auch die Staatsanwaltschaft in Madrid äußert sich nicht. Ronaldos Sprecher bat auf SPIEGEL-Anfrage um Verständnis, "dass wir dazu im Moment keinen Kommentar abgeben können".

Die spanischen Finanzbehörden prüfen die Steuerakte Ronaldo bereits seit dem Jahr 2015. Das Recherche-Netzwerk European Investigative Collaborations, zu dem auch der SPIEGEL gehört, hatte im Dezember 2016 Ronaldos Multi-Millionen-Werbedeals veröffentlicht. In dem SPIEGEL-Buch "Football Leaks - Die schmutzigen Geschäfte im Profifußball", das vorige Woche erschienen ist, wird das Firmengeflecht um Cristiano Ronaldo und die irische Vermarktungsfirma MIM nachgezeichnet. Aufgemacht hatte dieses Unternehmen im Februar 2004 eine irische Steuerkanzlei, die auch Ronaldos Agent Jorge Mendes zu Diensten ist - sie betreute die Hauptfirma des Beraterkönigs, Gestifute. Ein Kanal für Ronaldos Werbeeinkünfte war bereits damals Richtung Panama verlegt worden, eines der verschwiegensten und abgeschottetsten Finanzzentren der Welt.

Im Februar 2003 hatte ein Treuhänder in Genf von Ronaldos Mutter den Auftrag erhalten, eine Stiftung namens Brockton Foundation in der mittelamerikanischen Steueroase ins Leben zu rufen. Die Stiftung hielt die Rechte an der weltweiten Vermarktung Ronaldos, das Vereinigte Königreich ausgenommen. 2004 übertrug Ronaldos Mutter sämtliche Vermarktungsrechte der Brockton Foundation auf die Firma Tollin Associates auf den British Virgin Islands, einer anderen Steueroase in der Karibik. Die Tollin reichte Ronaldos Vermarktungsrechte schließlich weiter nach Europa - an das in Irland frisch gegründete Vermarktungsunternehmen MIM.

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