Gerüchte um Ronaldo-Abschied aus Madrid Weltfußballer, 32, sucht neuen Klub

Das Gerücht hält sich hartnäckig: Cristiano Ronaldo will angeblich Real Madrid verlassen. Als Ziel werden etliche Klubs gehandelt, vom FC Bayern bis Manchester. Welches Szenario ist realistisch? Der Check.

Cristiano Ronaldo
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Cristiano Ronaldo will Real Madrid verlassen. Das wollte der Superstar zwar schon häufiger, nur um dann stets seinen Vertrag zu verlängern. Aber diesmal soll es tatsächlich stimmen.

Ronaldo soll sich gekränkt fühlen. Weil die spanische Staatsanwaltschaft es gewagt hat, wegen der vom SPIEGEL und weiteren Recherchepartnern enthüllten Steuertricksereien gegen ihn zu ermitteln. Und weil Real ihm für seine Begriffe in der Affäre nicht ausreichend zur Seite gestanden habe. Deshalb soll er Berichten zufolge seinem Berater Jorge Mendes aufgetragen haben, "alles Notwendige zu unternehmen", damit ein Wechsel zustande kommt,

Real-Boss Florentino Pérez will davon nichts wissen und bekräftigt, dass es keinen Abgang geben werde. "Cristiano Ronaldo ist stärker und wichtiger als alle anderen hier", sagte er: "Ronaldo ist Spieler von Real und wird es auch weiterhin bleiben!"

Aber mal angenommen, an den Gerüchten ist diesmal wirklich etwas dran: Wohin könnte Ronaldo überhaupt wechseln?

Ein Transfer des Portugiesen wäre kompliziert. Auf der einen Seite sind da seine Ansprüche: Ronaldos Ehrgeiz ist riesig, da können wenige potenzielle neue Arbeitgeber mithalten. Auf der anderen Seite steht der Preis. Ronaldo würde ziemlich sicher zum teuersten Spieler der Geschichte werden. Zwar dürfte Madrid von der angeblich festgelegten Eine-Milliarde-Euro-Ablösesumme abrücken. Doch das Gesamtpaket aus Ablöse und Gehalt dürfte sich auf einige Hundertmillionen Euro belaufen. Und das für einen 32-Jährigen.

Wer kann das zahlen? Wer will das zahlen?

Bayern München

Wie wenig Dementis im Fußball wert sein können, ist bekannt. Insofern wird es gewiss Fans geben, die Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nicht glauben, wenn dieser Gerüchte um eine Verpflichtung Ronaldos "ins Reich der Fabel" verweist, wie in einer Mitteilung geschehen. Internationale Medien hatten zuvor berichtet, Ronaldos Verbindung zu Bayern-Trainer Carlo Ancelotti, 2013 bis 2015 bei Real tätig, helfe den Münchnern, den Superstar zu verpflichten.

Ronaldo (l.), Robert Lewandowski
Getty Images

Ronaldo (l.), Robert Lewandowski

Doch auch wenn Bayern zuletzt einen Rekordgewinn in Höhe von 33 Millionen Euro nach Steuern erwirtschaftet hat und den Transfer wohl bewältigen könnte, darf man Rummenigges Dementi ruhig glauben. Ronaldos Gehalt würde das Gefüge im Bayern-Kader in ein zu großes Ungleichgewicht bringen. Und auch sportlich gibt es Fragezeichen. Bei Real agiert Ronaldo längst nicht mehr auf dem Flügel, sondern im Sturmzentrum. Dort spielt bei den Bayern Robert Lewandowski. Dass dieser auf die Bank muss, ist ebenso wenig vorstellbar wie eine Doppelspitze aus beiden. Und weil der Pole fast vier Jahre jünger ist, dürfte selbst ein Tauschgeschäft für Bayern unattraktiv sein.

Tendenz: nahezu ausgeschlossen.

Manchester United

In Manchester wurde aus Ronaldo, dem Talent, Ronaldo, der Superstar. Von 2003 bis 2009 verbrachte er dort sechs Jahre, er wurde mit United dreimal Meister, gewann die Champions League. Eine Rückkehr wäre ein Stück weit auch eine Heimkehr.

Ronaldo im United-Trikot, Ex-Coach Sir Alex Ferguson (r.)
AFP

Ronaldo im United-Trikot, Ex-Coach Sir Alex Ferguson (r.)

Auch sonst sprechen viele Faktoren für einen Wechsel nach Manchester: Der Klub hat Madrid im vergangenen Jahr in Sachen Umsatz überholt, er soll einen Gewinn von rund 80 Millionen Euro erwirtschaftet haben und hätte die Kapazitäten für einen Rekordtransfer. Zumal der Klub den Vertrag von Zlatan Ibrahimovic auslaufen lässt, womit sowohl im Angriffszentrum als auch im Gehaltsgefüge Platz frei wird. In José Mourinho hat United zudem einen Trainer, der Ronaldos Qualitäten zu nutzen versteht; beide arbeiteten bereits drei Jahre lang in Madrid zusammen. Dass beide in Mendes denselben Berater haben, ist zwar längst nicht immer von Vorteil, dürfte aber zur Verständigung beitragen. Und dann ist da noch Sir Alex Ferguson, Ronaldos Förderer, der in Manchester noch immer großen Einfluss hat.

Englische Medien berichten allerdings von Skepsis auf Seiten Uniteds. Demnach zweifle der Klub daran, wie ernst es um Ronaldos Wechselwunsch stehe. Auch der mediale Wirbel rund um den Stürmer bereite dem Klub sorgen.

Tendenz: könnte passen.

Manchester City

Ronaldo als Spieler von Trainer Pep Guardiola? Das hätte was. Beide sind sich häufig begegnet, und dabei kam es schon mal zum Zoff. Während eines Clásicos 2010 gerieten sie aneinander, was der Anlass für eine Rudelbildung war, 2013 soll Guardiola dem Portugiesen bei einer Gala den Handschlag verweigert haben, und im vergangenen Dezember sagte er anlässlich Ronaldos Ehrung zum Weltfußballer, dass dessen Dauerrivale Lionel Messi auf einem anderen Level spiele. Gemeint war: auf einem höheren.

Pep Guardiola (l.) als Barcelona-Trainer 2010, Ronaldo
AP

Pep Guardiola (l.) als Barcelona-Trainer 2010, Ronaldo

Das alles lässt sich als Geplänkel abtun. Ein Wechsel wäre dennoch eine große Überraschung. Zum einen, weil Guardiola sein System für Ronaldo gravierend umstellen müsste. Und zum anderen, weil der City-Kader gleich mehrere Baustellen aufweist, der Sturm jedoch nicht dazugehört. Dort ist der Klub mit Sergio Agüero und Gabriel Jesus besser aufgestellt als in den anderen Mannschaftsteilen. Ausgerechnet hier wird City wohl kaum im Mega-Stil investieren.

Tendenz: sehr unwahrscheinlich.

Paris St. Germain

Ronaldo nach Paris, dieses Gerücht gibt es schon eine ganze Weile. Bereits im Mai 2016 berichteten französische Medien von Verhandlungen seines Beraters mit den Franzosen. Aus PSG-Sicht wäre ein Transfer reiner Luxus. Denn in Edinson Cavani hat der Klub bereits einen Vollstrecker im Sturmzentrum, der eine fabelhafte Saison mit 49 Toren in 50 Pflichtspielen hinter sich hat. Er müsste zugunsten Ronaldos seine Rolle verändern, was zu einem hausgemachten Problem führen könnte. Eine Lösung dafür zu finden, wäre aber nicht unmöglich.

Edinson Cavani
AFP

Edinson Cavani

Eine andere Frage ist, ob sich Ronaldo dafür begeistern kann, regelmäßig in Dijon und Angers zu spielen. Seine sportlichen Ansprüche müsste er wohl insgesamt zurückschrauben, PSG scheiterte in der Champions League zuletzt fünfmal in Folge im Viertel- oder Achtelfinale. Ronaldo könnte zwar der Faktor sein, der das ändert. Bis zum CL-Titel wäre der Weg trotzdem weit. Ob das dem viermaligen Weltfußballer genügt?

Tendenz: eher unwahrscheinlich.

Und sonst?

Es gibt noch weitere Vereine, die einen Ronaldo-Transfer theoretisch stemmen könnten. Doch da Ronaldos Wiederverkaufswert gering ist, dürften Teams wie Arsenal, Juventus und selbst der Abramowitsch-Klub Chelsea - bei allem sportlichen Mehrwert - an ihre Grenzen stoßen.

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Eine Option wäre des außereuropäische Ausland, insbesondere China, das in den vergangenen Jahren für einige spektakuläre Transfers sorgte. Ronaldos Gehalt zu zahlen, wäre für einige Klubs kein Problem. Ronaldo wiederum dürfte im Fall eines Wechsels dorthin kaum sein Niveau halten können. Dafür sind Mit- und Gegenspieler in der Super League zu schwach.

Und dann wäre da noch der FC Barcelona, laut Deloitte-Money-Ranking der zweit-umsatzstärkste Klubs der Welt. Ronaldo im Trikot des Erzrivalen, an der Seite von Messi? Eine unterhaltsame Vorstellung, realistisch ist sie aber nicht. Wegen der Rivalität, weil Barça im Angriff bestens besetzt ist, aber auch deshalb, weil Ronaldo einige Hundert Kilometer entfernt von Madrid noch immer in dem Land leben würde, von dem er sich so wenig wertgeschätzt zu fühlen scheint.

Wobei: Falls Katalonien sich tatsächlich von Spanien unabhängig machen sollte, könnte zumindest dieses eine Gegenargument wegfallen.

insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
fliffis 20.06.2017
1. potenzielle, neue Vereine sollten nicht vergessen:
... wenn Ronaldo angeklagt und verurteilt wird, könnte eine Haftstrafe folgen, die anders als bei Messi ggfls nicht zur Bewährung ausgesprochen wird. D.h. er muss dann tatsächlich einrücken. Irgendwo habe ich gelesen, bei Strafen unter 2 Jahren werden diese in Spanien mit Bewährung versehen. Messi hat wohl für ca 4 Mio hinterzogene Steuern 21 Monate bekommen - Ronaldo werden offensichtlich knapp 14 Mio in 4 Fällen vorgeworfen. Da könnte die Grenze von 24 Monaten durchaus überschritten werden, selbst wenn er 1-2 Fällen frei gesprochen würde. Blöd, wenn man X00.000.000 Euro Ablöse gezahlt hat und dann der Arbeitnehmer im Knast verschwindet. Aus Sicht von Madrid vielleicht gar kein schlechtes Szenario: wenn sich absehen lässt, dass Ronaldo einsitzen muss, schnell noch .... X00.000.000 Euro Ablöse kassieren, bevor man gar nichts mehr bekommt und allenfalls das Gehalt spart (OK - das sind auch keine Peanuts). Falls Ronaldo als Madrid-Spieler für 2 + X Jahre in den Bau geht... mit 34, nach 2 jahren ohne Spielpraxis, für 30-40 mio im Jahr wird er auch nicht mehr unterkommen... Klar, das sind viele "wenns" und "falls"... Ich denke aber, die unsicherheit, ob Ronaldo tatsächlich verurteilt wird und eine Haftstraße wird absitzen müssen, wird viele bis alle Transfers verhindern: das riskiert doch niemand ernsthaft!
benedetto089 20.06.2017
2.
Ich kann gar nicht verstehen, dass Real auf eine so hohe Ablösesumme pocht. Wenn sie Ronaldo jetzt verkaufen würden, wäre das ein nicht uneleganter Weg den Umbruch einzuleiten, der auch bei Real auf Dauer nicht unvermeidbar ist. Wenn Sie ihn jetzt gehen lassen, sagen wir mal für 70 Mio, dann wäre ausreichend Geld für jüngere Spieler da und vor allem ordentlich Spielraum bei den Gehältern. Und auch das Risiko für den Abnehmer wäre geringer und die Béreitschaft zum Transfer, zB bei ManU wäre bestimmt auch größer.
Bee1976 20.06.2017
3. Unwahrscheinlich
das Ronaldo wechselt. Er möchte bestimmt, aber ich bin mir ziemlich sicher kein Club dieser Welt möchte das Gesamtpaket aus Ablöse und Gehalt stemmen. Und da er noch lange Vertrag hat und Real ihn nicht abgeben möchte, werden sie wohl auch nicht mit der Ablöse groß runtergehen. Davon ab muss man nur warten. Der Mann ist jetzt 32, er lebt von seiner Physis die zwar noch recht überragend ist, aber in 1-2 Jahren vermutlich nichtmehr. Dann wird sich Real den nächsten Superstar holen und CR/ genauso fallen lassen wie einst Raul und dann ist er erschwinglich. Warum jetzt eine Ablöse in einem dreistelligen Bereich abdrücken ?
darthkai 20.06.2017
4. Bayern wäre ziemlich sinnlos
In Deutschland müssen Fußballer auch Steuern zahlen, und es gibt keine Hindernisse portugiesische Staatsbürger an Spanien auszuliefern. Vlt bietet ja irgendein arabisches Terroristennest oder eine Karibikinsel Asyl an (bei letzter nur aufpassen, dass keine zur EU gehörende erwischt wird). Weiterer Vorteil: Da ist er auch im Rentenalter noch der beste Spieler weit und breit ;)
duke_van_hudde 20.06.2017
5. die grosse Frage ist die Ablöse die Real verlangt
Dazu kommt noch wie lange Ronaldo noch spiel und welche LEistung er dabei bringen kann. Mit etwas Pech für den Kaeufer kann das in 1-2 Jahren massiv mit der Leistung runter gehen. Der Kaeufer wird auf Grund des Alters eher keinen weiteren Verkaufswert einplanen können. Sein Gehalt soll bei 32 Mio pro Jahr liegen und dazu kommt das in Spanien es für Fussballer steuerlich recht gut aussehen soll. Er hat ein Vertrag bis 2021 noch bei Real. sollte man hier 100 Mio auf dne Tisch legne für 4 Jahren und Ronaldo nicht sein Gehalt reduzieren wollen. Kommen wir für München auf 25 Mio für dne Transfair pro Jahr und sicher 40 Mio Geahlt pro Jahr damit ronaldo nach Steuern gleichgestellt ist wie in Madrid. Das heisst jedes Ronaldo Jahr kostet München dann mindestens 65 Mio. Selbst wenn sie die Einnahmenseite verbesssern sollte ist das sehr heftig für München oder besser gesagt nicht fianzierbar. Vor allen sollte Ronaldo nach 2 Jahren in der Leistung stark nachlassen. Dann kostet jedes gute Jahr von Ronaldo 130 Mio das ist purer Wahnsinn. In Europa kommt eigentlich nur ManU in Frage oder ein Verein der einen sehr reichen Besitzer in der Hinterhand hat. Die Lösung mit China sehe ich da eigentlich noch am besten. Hier könnte Ronaldo sein Geld locker verdienen und Madrid würde sicher auf Ablöse verzichten da Ronaldo dann nicht als Konkurent um die CL gesehen wird.
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