Damen-Nationalmannschaft "Das Klima ist phänomenal"

Vor dem EM-Halbfinale am Mittwoch gegen Angstgegner Norwegen geben sich die deutschen Fußballdamen selbstbewusst wie selten zuvor. Kein Wunder, Frauenfußball erlebt derzeit ein riesigen Popularitätsschub.


Damenjubel: Birgit Prinz feiert den bislang gelungenen Auftritt der deutschen Fußballfrauen bei der EM mit Mitspielerinnen
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Damenjubel: Birgit Prinz feiert den bislang gelungenen Auftritt der deutschen Fußballfrauen bei der EM mit Mitspielerinnen

Ulm - Sogar der "Kaiser" drückt den Damen die Daumen. "Ich hoffe, dass es einen weiteren Aufschwung gibt. Der Frauenfußball hat sich in den letzten Jahren großen Respekt verschafft. Und solche Auftritte wie bei der Europameisterschaft sind eine klare Werbung, vor allem wenn es so erfolgreich läuft wie bei der deutschen Mannschaft", sagte Franz Beckenbauer vor dem mit Spannung erwarteten Halbfinale in Ulm zwischen Titelverteidiger Deutschland und Olympiasieger Norwegen am Mittwoch (15 Uhr).

Spielen statt Schule


Obwohl die Bilanz gegen die Skandinavierinnen mit acht Niederlagen in 16 Spielen (fünf Siege, drei Unentschieden) negativ ist, könnte die Stimmung im deutschen Team nicht zuletzt wegen des Durchmarschs in der Vorrunde positiver nicht sein. "Wir sind gut wie nie und gehen selbstbewusst in dieses Spiel. Das Klima ist phänomenal", sagt Stürmerin Birgit Prinz, die auch aus ganz persönlichen Gründen auf den fünften EM-Finaleinzug seit 1989 hofft. "Wenn wir ausscheiden, müsste ich am Freitag wieder in die Schule gehen", ergänzt die angehende Physiotherapeutin vor der Neuauflage des Finals der WM 1995, das Norwegen gewann (2:0).

Um die Aufstellung des deutschen Teams gibt die übliche Zurückhaltung. "Wir lassen uns nicht in die Kartenschauen", sagt Cheftrainerin Tina Theune-Meyer, die derzeit mit Assistentin Silvia Neid an der Formation feilt. Nur soviel: "Alle sind fit, wir haben die Qual der Wahl", heißt es von der Trainerbank. Dennoch ist es sehr wahrscheinlich, dass das Trainer-Duo zunächst auf dieselbe Formation setzt wie im Eröffnungsspiel gegen Schweden. So dürften Pia Wunderlich, deren jüngere Schwester Tina vor zehn Monaten das folgenschwere Eigentor zum 0:1 im olympischen Halbfinale gegen Norwegen unterlief, und Kerstin Stegemann wieder erste Wahl sein. Diesmal will man den Spieß umdrehen und sich für das Olympia-Aus revanchieren. "Wir haben damals das Tor geschossen und wollen es auch diesmal. Aber auf der anderen Seite", fügt Bettina Wiegmann entschlossen hinzu.

Rekordbesuch erwartet


In jedem Fall kann die Mannschaft im Donaustadion auf große Unterstützung durch das Publikum bauen. Denn im Vorverkauf wurden schon mehr als 10.000 Karten abgesetzt. Die bisherige EM-Bestmarke von 11.312 Fans beim letzten Gruppenspiel gegen England in Jena wird fallen. Die Favoritenbürde, die ihr der norwegische Trainer Äge Stehen aufladen wollte, wies Theune-Meyer aber zurück: "Es haben sich die vier besten Teams durchgesetzt. Alle sind gleich stark. Es gibt keinen Favoriten mehr."



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