Vorwurf der Nähe zu rechten Fangruppen Chemnitzer FC trennt sich von Daniel Frahn

Vor fünf Monaten sorgte Chemnitz-Stürmer Daniel Frahn mit einem provokanten Torjubel für einen Skandal - nun wurde er inmitten rechtsextremer Fans gesehen. Der Klub löste den Vertrag mit seinem Kapitän auf.

Daniel Frahns Vertrag beim Chemnitzer FC wurde aufgelöst
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Daniel Frahns Vertrag beim Chemnitzer FC wurde aufgelöst


Der Fußball-Drittligist Chemnitzer FC hat sich von seinem Kapitän Daniel Frahn getrennt. Das gab der Klub in einer Mitteilung auf seiner Website bekannt. Der Stürmer habe beim Auswärtsspiel am vergangenen Samstag gegen den Halleschen FC im Gästeblock Sympathien zu führenden Köpfen der rechtsgesinnten Gruppierung "Kaotic Chemnitz" und der aufgelösten Gruppe "NS-Boys" "offenkundig zur Schau gestellt", heißt es in der Mitteilung. Wegen einer Verletzung gehörte Frahn nicht zum Kader, er war als Zuschauer nach Halle gereist und verfolgte das Spiel auf der Tribüne.

"Es gibt null Toleranz für dieses Verhalten", wird die stellvertretende Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der Chemnitzer, Romy Polster, zitiert. "Wir wissen jetzt sicher, dass es die falsche Entscheidung war, ihn nach seinen Unschulds-Beteuerungen seiner eigens zu verantwortenden Aktion am 9.3.2019 weiter das Vertrauen zu schenken."

Wie Frahn seine Sympathien zu den Gruppierungen ausgedrückt haben soll, wird in der Mitteilung nicht beschrieben. Auf eine SPIEGEL-Anfrage wollte sich der Klub nicht äußern. Auf seiner Facebook-Seite schrieb der Klub, dass sich Frahn "vor, während und nach dem Spiel in Halle mit Führungsköpfen der Gruppierung 'Kaotic Chemnitz' aufgehalten" hat "und gemeinsam mit ihnen an- und abgereist ist".

Im Privat-PKW nach Halle

Nach SPIEGEL-Informationen reiste Frahn mit Mitgliedern der Gruppierung "Kaotic Chemnitz" in seinem Privat-PKW nach Halle und stand auch während der Partie neben ihnen. Darauf hat die vor Ort zuständige Polizei den Klub aufmerksam gemacht. "Kaotic Chemnitz" gilt als rechtsextrem und wird vom sächsischen Verfassungsschutz beobachtet. So wird die Gruppierung im sächsischen Verfassungsschutzbericht von 2017 in der Liste "extremistische Organisation und Gruppierung im Freistaat Sachsen" geführt.

Frahns Berateragentur äußerte sich nicht zur Entlassung ihres Klienten. Man könne noch keine Stellungnahme abgeben, hieß es auf eine SPIEGEL-Anfrage. Offenbar wurden der Spieler und sein Berater von der Entscheidung des Klubs überrascht. Nach SPIEGEL-Informationen hat der Spieler die Bestrafung weder eingesehen noch den Vorfall geleugnet.

Fünf Monate nach Skandal um Neonazi-Gedenken

Die Trennung von Frahn erfolgt rund fünf Monate nach dem Skandal um eine Trauerfeier für einen verstorbenen Rechtsextremen. Vor einem Heimspiel hatten die Fans im Stadion des bekennenden Neonazis Thomas Haller gedacht. Danach hatte Frahn nach einem Tor ein Trikot mit der Aufschrift "Support your local Hools" hochgehalten. Die Aktion hatte bundesweit für Aufsehen und Kritik gesorgt.

Frahn hatte sich damals in einem Facebook-Beitrag entschuldigt. "Als allererstes möchte ich klarstellen, dass ich KEIN Sympathisant eines Neonazis bin!", schrieb er. "Auch teile ich diese politische Einstellung NICHT und trage auch keine rechten Gedanken in mir."

Für Polster ist Frahns damalige Reue eine "Farce". "Er konnte und wollte die Verantwortung als Spieler und Mannschaftskapitän im Fußballklub nicht umsetzen, denn dazu gehört eines mehr, als nur Tore zu schießen und sich bejubeln zu lassen: Haltung", wird sie auf der Website des Klubs zitiert. "Es herrscht vollste Übereinstimmung, dass die Chemnitzer FC Fußball GmbH das Vertragsverhältnis mit dem Spieler mit sofortiger Wirkung auflöst. Daniel Frahn, für Sie ist beim Chemnitzer FC kein Platz mehr."

hba



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