Umstrittener Fußballer Daniel Frahn "Ich habe riesige Scheiße gebaut"

In Chemnitz wurde ihm Nähe zur rechten Fanszene vorgeworfen. Nun äußerte sich Daniel Frahn nach seinem Wechsel erstmals öffentlich. Er zeigte sich einsichtig – und enttäuscht von seinen Ex-Teamkollegen.
Aus Potsdam berichtet Markus Sutera

Der Presseraum im Karl-Liebknecht-Stadion ist nach Heimspielen des abstiegsgefährdeten SV Babelsberg 03 meist spärlich besetzt. Anders ist es, wenn es im Potsdamer Stadtteil derzeit nicht ums Sportliche geht, sondern um die Vergangenheit von Winterzugang Daniel Frahn.

Sein alter Klub, der Chemnitzer FC, warf ihm Kontakte zu rechtsextremen Fans vor, er musste gehen. Kürzlich wechselte Frahn zu jenem Verein in der Regionalliga Nordost, der sich klar gegen Rechtsextremismus positioniert. Die Aufregung war erst einmal groß.

"Ich freue mich, dass ein paar Medienvertreter gekommen sind, die sich vielleicht auch für die andere Seite interessieren", sagte Frahn am Montag und startete sein sechsminütiges Statement. Er hatte sich keine Notizen gemacht. "Ich habe in der Vergangenheit Fehler, auch schwerwiegende Fehler gemacht, die ich zutiefst bereue, die mir unfassbar leid tun." Zuletzt musste Frahn oft über sich selbst reden. Vor dem Gericht, vor den Fans, nun also vor einem Dutzend Journalisten. "Ich habe einiges klar- und richtigzustellen. Ich bin kein Nazi, war nie Nazi und auch kein Sympathisant der rechten Gesinnung."

Im vergangenen März hatte er nach einem Tor für seinen alten Verein ein T-Shirt mit der Aufschrift "Support your local hools" hochgehalten. Ein tief in der Neonaziszene verankerter Slogan. Das Trikot sei ihm einige Tage zuvor zum Kauf angeboten worden, mit dem Erlös werde die Familie eines an Krebs verstorbenen Fans unterstützt. Dass es sich bei diesem Mann um den Neonazi Thomas Haller handelte, sei Frahn nicht bekannt gewesen. "Die Aktion ist der größte Fehler meines Lebens", sagte der in Potsdam geborene Stürmer. "Ich habe nichts hinterfragt und riesige Scheiße gebaut."

Frahn, damals Mannschaftskapitän in Chemnitz, hatte sich vom Gedankengut des Verstorbenen distanziert, er bekam eine letzte Chance von seinem Verein. Ein halbes Jahr später fuhr ein verletzter Frahn zum Auswärtsspiel nach Halle. Privat. Mit dabei auf seiner Fahrt ein Mitglied von "Kaotic Chemnitz". Umgeben von weiteren Mitgliedern dieser rechtsextremen Ultra-Gruppierung verfolgte Frahn das Spiel.

Der Kontakt, so Frahns Darstellung, war bei der Chemnitzer Aufstiegsfeier zustande gekommen. Der Fan habe sich in der Kabine aufgehalten, zusammen mit der Mannschaft und Verantwortlichen des CFC, Frahn schöpfte keinen Verdacht. Später habe er, wie auch andere Spieler des Klubs, mehrmals online Playstation gegen den stadtbekannten Rechtsextremen gespielt. Im Zuge dessen habe man beschlossen, gemeinsam nach Halle zu fahren.

"Ich bin da hingefahren, als Kapitän, Spieler und Mensch - und als Fußballfan Daniel Frahn", sagte Frahn nun.

Um Politik sei es in den Gesprächen nicht gegangen, auch eine Freundschaft habe sich nicht entwickelt. Dass es sich bei seiner Begleitung um einen Rechtsextremen handelt, habe sich ihm erst im Nachhinein erschlossen. Seit seiner öffentlichen Distanzierung habe er keine Beschimpfungen oder Ähnliches aus der Chemnitzer Fanszene erfahren. Unsicher sei Frahn, ob die rechtsextremen Fans bewusst seine Nähe gesucht hätten, um ihn zu instrumentalisieren.

Frahn prangert fehlende Unterstützung an

Der Stürmer, der schon einmal in Babelsberg Fußball gespielt hat, möchte sich in Zukunft mit den Werten und Menschen im Verein auseinandersetzen, sagte er. Mit den Fans kam es bereits am Donnerstag zu einem Austausch. Dieser habe ihn ermutigt, es habe Beifall gegeben. Auch über politische Inhalte möchte sich Frahn stärker informieren: "In der Vergangenheit, das muss ich auch offen und ehrlich zugeben, war das wenig, wirklich sehr, sehr wenig."

Frahn gab sich in dem Pressegespräch auch enttäuscht. Er hätte von seinen ehemaligen Mitspielern eine Reaktion erwartet, sagte er und warf ihnen mangelnde Unterstützung vor. Einige Teamkollegen, so erzählte es Frahn, seien von seiner Unschuld überzeugt gewesen. Öffentlich hinter ihn stellen wollte sich keiner. "Das hat mir gezeigt, dass Fußball wenig mit 'elf Freunde' sein zu tun hat, sondern nur ein Geschäft ist."

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