Stuttgart rettet sich in der Nachspielzeit Fußball, heilig's Blechle

25 Minuten vor Ende des 34. Spieltags lag Hertha BSC noch fünf Punkte vor dem VfB – und muss nach einem dramatischen Finale doch noch in die Relegation. Stuttgarts Kapitän wurde in der Nachspielzeit zum Helden.
Stuttgarts Trainer Pellegrino Matarazzo (l.) jubelt mit seinen Spielern nach dem 2:1

Stuttgarts Trainer Pellegrino Matarazzo (l.) jubelt mit seinen Spielern nach dem 2:1

Foto: Tom Weller / dpa

Endo gut, alles gut: die Nachspielzeit, ein tobendes Stadion. Einen Treffer benötigt der VfB noch zum Klassenerhalt, es gab die letzte Ecke: Hiroki Ito verlängerte die Hereingabe, am zweiten Pfosten drückte Wataru Endo den Ball per Kopf über die Linie. Das 2:1, die Rettung, die Explosion.

Das Saisonfinale: Der VfB Stuttgart spielt auch in der kommenden Saison in der Bundesliga, Hertha BSC muss in die Relegation. Arminia Bielefeld steigt neben Greuther Fürth direkt ab. Hier geht es zur Meldung.

Die Ausgangslage: Drei Punkte lag Hertha BSC nach dem 33. Spieltag vor dem VfB, hatte allerdings das deutlich schlechtere Torverhältnis. Für den direkten Stuttgarter Klassenerhalt mussten der VfB also gegen Köln gewinnen, Berlin bei Borussia Dortmund verlieren.

Hölle und Himmel für Kalajdžić : Der VfB begann genau so, wie es bei dieser Ausgangssituation nötig war. Mit Offensivdrang, mit Torchancen. Saša Kalajdžić traf in der zwölften Minute per Kopf zum 1:0. Es war allerdings spektakulärer, als es sich liest, denn keine 60 Sekunden zuvor war er mit einem Strafstoß am stark parierenden FC-Torhüter Marvin Schwäbe gescheitert. Wie würde die Hertha reagieren?

Da war die Berliner Welt noch in Ordnung: Belfodil traf zum 1:0 für die Hertha

Da war die Berliner Welt noch in Ordnung: Belfodil traf zum 1:0 für die Hertha

Foto: IMAGO/Sebastian Räppold/Matthias Koch / IMAGO/Matthias Koch

Elfmeter da, Elfmeter hier: Nach dem vergebenen Matchball gegen Mainz in der Vorwoche hatte Trainer Felix Magath sein Team auf vier Positionen verändert und ihm das Konzept »gut stehen, Nadelstiche setzen« verpasst. Das funktionierte. Dan-Axel Zagadou brachte Ishak Belfodil im Strafraum zu Fall, der Algerier verwandelte seinen Strafstoß sicher (18. Minute).

Halbzeitstand: Der VfB war drückend überlegen, hatte allein durch Endo noch zwei großartige Gelegenheiten (32. und 35.), die 1:0-Führung hätte höher lauten müssen. Hertha BSC ließ ideenlose Dortmunder anlaufen und lag weiterhin drei Punkte vor der Konkurrenz aus Stuttgart. Vorteil Hertha.

Der Ausgleich von Anthony Modeste

Der Ausgleich von Anthony Modeste

Foto: IMAGO/Pressefoto Rudel/Robin Rudel / IMAGO/Sportfoto Rudel

Aus drei mach fünf: Stuttgarts Torhüter Florian Müller brachte Bewegung in den Abstiegskampf. Eine harmlose Flanke der Kölner ließ er durch die Finger rutschen, Anthony Modeste bedankte sich mit einem Kopfballtreffer zum 1:1 (59.). Hertha lag zu diesem Zeitpunkt, 25 Minuten vor Ende des 34. Spieltags, fünf (!) Punkte vor dem VfB. Was sollte da noch schiefgehen?

Aus fünf mach drei mach eins: Eine als Handspiel von Marvin Plattenhardt gewertete Situation war der Anfang vom Ende für die Herthaner. Erling Haaland verwandelte in seinem letzten Spiel für den BVB den Strafstoß sicher (68.). Berlins Torhüter Marcel Lotka, der für die kommende Saison bereits einen Vertrag beim Gegner aus Dortmund unterschrieben hat, jetzt aber doch bleiben soll, war chancenlos. Als dann der frisch eingewechselte Yousouffa Moukoko zum 2:1 traf (84.), hatten die Gäste aus der Hauptstadt den Klassenerhalt nicht mehr in eigenen Händen, standen aber weiterhin auf Platz 15. Bis in die Nachspielzeit…

Foto: Tom Weller / dpa

Fußball, heilig's Blechle: Von Sir Alex Ferguson ist nach dem Last-Minute-Sieg von Manchester United gegen den FC Bayern München im Champions-League-Finale 1999 der Ausspruch »Football, bloody hell« überliefert. Mit dem 34. Spieltag der Saison 2021/2022 dürfte auch eine schwäbische Version Eingang in den Fußballkanon finden. Ecke, Verlängerung Ito, Kopfballtreffer Endo (90.+2). »Ich habe nach diesem Geschrei und dem Jubel einen Schädel. Das war Ekstase, ein toller Moment, überragend. So einen Moment wie heute vergisst man nie«, sagte VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo nach dem Schlusspfiff bei Sky.

Die Hertha muss in die Relegation

Die Hertha muss in die Relegation

Foto: IMAGO/Sebastian Räppold/Matthias Koch / IMAGO/Matthias Koch

Jetzt auch noch Relegation: Sein Berliner Kollege Felix Magath sagte erst einmal nichts. Nach Schlusspfiff ging es für ihn in Dortmund schnell in die Kabine, einen solchen Tiefschlag muss auch ein Ich-hab-schon-alles-gesehen-Typ wie der 68-Jährige erst einmal verarbeiten. Dafür hat er allerdings nur begrenzt Zeit: Am 19. und 23. Mai (jeweils 20.30 Uhr) trifft sein Team in der Relegation auf den Dritten der zweiten Liga. Dort wartet am Sonntag eine nicht minder spannende Entscheidung um den Aufstieg.

Bielefeld, ehrenhalber: Drei Punkte und sieben Tore hätte Bielefeld am letzten Spieltag noch auf den VfB aufholen müssen, um den direkten Abstiegsplatz zu verlassen. Das gelang nicht. Mit einem 1:1 (0:0) gegen RB Leipzig verabschiedet sich die Arminia achtbar aus der Bundesliga. Für den Klassenerhalt hätte der finanziell unterlegene Klub am Limit seiner Möglichkeiten spielen müssen. Das hat er, über die gesamte Saison gesehen, nicht geschafft und muss nun wie Fürth einen erneuten Anlauf in der zweiten Liga unternehmen. Ob dann auch Hertha BSC zu den Aufstiegskonkurrenten gehört, entscheidet sich in neun Tagen.