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WM-Team Kamerun: Ein Alt-Star und zwei Bundesliga-Profis

Foto: DOMINIC EBENBICHLER/ REUTERS

DFB-Gegner Kamerun Finke, der Löwe

Mit 66 Jahren fängt für Volker Finke das WM-Leben an. Der ewige Coach des SC Freiburg betreut das Team Kameruns, das heute im Testspiel gegen die DFB-Elf antritt. Dabei kämpft Finke mit den Erwartungen und den Ansprüchen seines Superstars.

Auch ein Arzt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft war mal Schüler. Tim Meyer hatte im Abitur des Albert-Schweitzer-Gymnasiums im niedersächsischen Nienburg einen "strengen, aber gerechten Lehrer" im Leistungskurs Sport, wie sich der DFB-Mediziner an die frühen Achtzigerjahre erinnert. Dieser Lehrer hieß Volker Finke. Rund 30 Jahre später sehen sich beide am Sonntag beim Testländerspiel der Nationalelf gegen Kamerun in Mönchengladbach wieder (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD).

Finke ist mittlerweile 66 Jahre alt, als Pädagoge wäre er inzwischen pensioniert. Als Fußballlehrer jedoch legt der langjährige Coach des SC Freiburg erst in diesem gesegneten Alter seine internationale Reifeprüfung ab. Erstmals ist Finke als Cheftrainer des Teams Kamerun bei einer Weltmeisterschaft dabei, und allein das ist schon eine große Geschichte.

Er habe "immer schon ein Faible für Afrika" gehabt, hat Finke gesagt. Seit 13 Monaten ist er in Kamerun im Amt, und er hatte schon reichlich Gelegenheit, dieses Faible der einen oder anderen Belastungsprobe zu unterziehen. Zahlreiche Nebengeräusche überlagern die WM-Vorbereitung und lassen ein fokussiertes Arbeiten kaum zu. Zumindest in dieser Hinsicht können sich Finke und sein DFB-Kollege Joachim Löw schon einmal rege austauschen.

Personalie Eto'o sorgt für Zündstoff

Der Streit um die WM-Prämien schwelt seit Wochen, die Spieler sind unzufrieden mit dem, was ihnen versprochen wurde. Knapp 70.000 Euro pro Spieler will der Verband dem Team für die WM-Teilnahme zahlen, die Profis selbst jedoch wollen mindestens 180.000 Euro. Finke hat gesagt, er halte sich da heraus. Er hat genug andere Baustellen, um die er sich kümmern muss.

Vor allem schwebt die heikle Personalie Samuel Eto'o über der Mannschaft. Der Superstar des Kameruner Fußballs, der in der Vergangenheit gerne auch bei der Aufstellung ein gewichtiges Wort mitzureden gewohnt war, kann auch unter Finke der Versuchung kaum widerstehen, die Hierarchie im Team selbst zu bestimmen.

Dass der 33-Jährige zudem angeschlagen zur Vorbereitung kam, macht die Sache nicht einfacher. Das letzte Testspiel gegen Paraguay, das 1:2 verloren ging, absolvierte er daher wie viele andere Stammspieler nicht. Gegen Deutschland soll er zumindest einen Kurzeinsatz erhalten. Eto'o bringt zwar längst nicht mehr die Leistung aus seinen allerbesten Tagen, die Privilegien aus jener Zeit will er aber immer noch behalten.

Im Verband Kameruns herrscht das Chaos

Allerdings ist der Trainer aus Deutschland nicht unbedingt für Durchsetzungsschwäche bekannt. Starallüren von Spielern waren Finke immer schon zuwider, Lukas Podolski hat das in Köln erfahren, als Finke dort Sportdirektor war. Sich hineinreden lassen, das hasst er wie sonst kaum etwas. In Kamerun warten sie daher nur darauf, dass es zwischen Finke und Eto'o zum großen Krach kommt. Bislang allerdings haben die beiden noch ihren Frieden gehalten. Möglicherweise ist es allerdings nur ein Waffenstillstand.

Es sind nicht die einzigen Schwierigkeiten, mit denen sich Finke als Chef der Unbezähmbaren Löwen bisher konfrontiert sah. Im Verband herrscht das Chaos, der alte Präsident sitzt im Gefängnis, die Altstars wie Roger Milla lieben es, sich über die Öffentlichkeit in die Angelegenheiten der Nationalmannschaft einzumischen. Kamerun hat ähnliche Probleme wie viele Fußballverbände in Afrika. An der Erwartungshaltung ändert das gemeinhin wenig.

Die ist hoch, wie alle vier Jahre muss es eigentlich mindestens das Halbfinale sein, wenn nicht gar der erste Titel für ein afrikanisches Land. Dass Kamerun es bei der WM 1990 in Italien bis ins Viertelfinale geschafft hat, ist bis heute Anspruch und Verpflichtung zugleich. Finke hat sich dem schon ein wenig angepasst, wenn er sagt: "Ziel muss es sein, zumindest die Gruppenphase zu überstehen." Ein mutiges Vorhaben: Mit Topfavorit und Gastgeber Brasilien, den unangenehmen Kroaten und dem sportlichen Überraschungsei Mexiko hat Kamerun drei harte Gegner in der Vorrunde. Finke sagt dennoch: "Natürlich wollen wir in die zweite Runde." Er will kämpfen. Da ist Finke schon ein echter Löwe.

Mit seinem alten Schüler Tim Meyer hat der Coach nach der WM-Auslosung im Dezember telefoniert. Meyer hat sich dabei nach Jahrzehnten endlich für die guten Ratschläge seines Lehrers revanchieren und diesem jetzt selbst ein paar Tipps mitgeben können. Allerdings ging es nur darum, wie man sich bei dem Klima in Brasilien verhält, wie man sich gegen Erreger schützen kann und wie sich die Akklimatisierung ein bisschen schneller hinbekommen lässt.

"Wir fahren nicht nach Brasilien zum Urlaub machen", hat Finke gesagt. Mit Selbstbewusstsein hat er sich längst geimpft, dazu braucht er keinen Arzt.