Daum-Affäre Mayer-Vorfelder unter Beschuss

Im Fall Daum lassen sich die Wogen nicht glätten. Als enger Vertrauter von Christoph Daum wird nun der designierte DFB-Boss Gerhard Mayer-Vorfelder ins Visier genommen. Die Angriffe kommen vorwiegend aus dem Süden der Republik.


Gerhard Mayer-Vorfelder: An der Beschlusslage nichts geändert
AP

Gerhard Mayer-Vorfelder: An der Beschlusslage nichts geändert

Frankfurt am Main - Gerhard Mayer-Vorfelder ist durch die Affäre Christoph Daum gehörig unter Druck geraten: Am Montag berichteten sowohl die "Süddeutsche Zeitung" als auch der "Kicker" von Bestrebungen beim DFB, den 67-jährigen zum Verzicht auf die Kandidatur als DFB-Präsident zu bewegen. Der Stuttgarter galt bislang als designierter Nachfolger von Egidius Braun, der sich am 27./28. April 2001 in Magdeburg auf dem DFB-Bundestag nach dann achteinhalbjähriger Amtszeit nicht mehr zur Wahl stellen wird.

Als Alternativen werden derzeit DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt und Manfred Schneider, Vorstandsvorsitzender der Bayer AG, gehandelt. Chefkritiker Paul Breitner fordert landauf, landab kategorisch, "MV" dürfe nicht DFB-Präsident werden.

Auch der nordrhein-westfälische Sportminister Michael Vesper schlug in diese Kerbe und erklärte im Westdeutschen Rundfunk, Mayer-Vorfelder sei der Hauptverantwortliche für das verfehlte Krisenmanagement der letzten Wochen. Was der DFB jetzt benötige, sei nicht ein Übergangskandidat an der Spitze, sondern eine Dauerlösung, die mindestens bis zur WM 2006 trage.

Der DFB reagierte auf derlei Aufforderungen mit dem üblichen Verweis auf die Beschlusslage. Mediendirektor Wolfgang Niersbach: "DFB-Vorstand und die Landesvorsitzenden haben sich einstimmig für Gerhard Mayer-Vorfelder als einzigen Kandidaten ausgesprochen. Daran hat sich nichts geändert."

Wird Christoph Daum nun der Stolperstein des designierten DFB-Präsidenten Mayer-Vorfelder? Schon zu gemeinsamen Stuttgarter Zeiten gab es Parallelen: Nach dem verheerenden Wechselfehler 1992 im Champions-League-Spiel gegen Leeds United (vierter Ausländer eingewechselt) verlängerte "MV" nahezu im Alleingang den Vertrag des Trainers beim VfB, um ihm sein Vertrauen auszudrücken. Aber die Mannschaft glaubte nicht mehr an ihren Coach, und im Dezember 1993 musste Daum seinen Hut in Stuttgart nehmen.

Daum, Mayer-Vorfelder: Wird der Trainer "MVs" Stolperstein?
DPA

Daum, Mayer-Vorfelder: Wird der Trainer "MVs" Stolperstein?

Mayer-Vorfelder selbst weilte am Montag in Genf, wo er im Rahmen der von der Europäischen Union geforderten Neuregelung des nationalen und internationalen Transfersystems die deutschen Interessen innerhalb des europäischen Fußballs vertrat.

Klar geäußert hat sich inzwischen die Bayer AG. Der Sportbeauftragte des Konzerns, Meinolf Sprink: "Herr Schneider hat erst kürzlich seinen Vertrag als Vorstandsvorsitzender bis 2002 verlängert. An den jetzigen Gerüchten ist nichts dran." Wahr allerdings ist, dass Egidius Braun schon vor etwa vier Jahren daran gedacht hatte, Schneider, der bis dato nie eine Funktion in einem Verein oder Verband hatte, als Quereinsteiger und Industrie-"Kapitän" zu seinem Nachfolger zu machen.

Am Dienstag wird in Frankfurt die "Task Force" unter Leitung von Bayern-Vize Karl-Heinz Rummenigge tagen, um über die neue Situation zu beraten. Rummenigge und Beckenbauer wollen Bayer Leverkusen das Tandem Völler/Skibbe ein weiteres Jahr, bis einschließlich WM 2002, "stehlen". Bayer Leverkusen will dies unter allen Umständen verhindern.



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