Daum Neue Karriere im Iran?

Der Iran sucht einen neuen Nationaltrainer - und die Gerüchte verdichten sich: Es soll Christoph Daum sein.


Christoph Daum: Bald wieder auf dem Rasen?
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Christoph Daum: Bald wieder auf dem Rasen?

Düsseldorf/Teheran - Ein Mitglied des iranischen Fußballverbandes (FFI), Mohammad-Resa Randschbar, sagte der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA am Dienstag, dass die Nationalmannschaft nach der Blamage beim Asiencup im Libanon und der Entlassung von Dschalal Talebi bei den Qualifikationsspielen zur WM 2002 von einem "erfahrenen Mann" geführt werden soll. Laut IRNA ist einer der Kandidaten der 47-jährige Daum, der sich nach der Drogen-Affäre seit Oktober in den USA aufhält.

Auf seiner Homepage hatte Daum bereits verraten, dass die FFI-Anfrage für ihn eine Ehre und überdenkenswert sei. "Das Potenzial des iranischen Fußballs ist riesig, und es wäre für viele Trainer eine echte Herausforderung, mit dem Iran an einem asiatischen Turnier oder sogar wieder der Fußball-Weltmeisterschaft teilzunehmen", so Daum.

In der Zeitung Aftab'e Jasd hieß es letzte Woche sogar, dass Daum Nationaltrainer Irans werden wird. Das Tagesblatt bezog sich auf ein Interview Daums mit einem Kabel-TV in Frankfurt, in dem der Ex-Leverkusener so zitiert wurde: "Ich werde Nationaltrainer Irans, aber die Angelegenheit soll, so lange ein Vertrag nicht endgültig ist, geheim bleiben." Auf die Anfrage, um welchen Sender es sich bei dem Interview gehandelt habe, konnte das Blatt allerdings keine klare Antwort geben.

FFI-Präsident Mohsen Safaie-Farahani dementierte alle Berichte zum Thema Daum. Er bezeichnete die Berichte als "Propagandatrick von Daums Agent". Der Nachrichtensender Chabar hatte schon Anfang des Monats berichtet, dass bald eine offizielle Erklärung bezüglich Daum veröffentlicht werden soll. Auch die Tageszeitung "Ghods" schrieb, dass der FFI-Verantwortlichen seit Oktober an einer Verpflichtung von Daum als Nationalcoach interessiert und die Gespräche mit Daum in einer "ernsten Phase" seien.

Daum absolviert in Florida momentan eine "Lehrzeit" und beobachtet intensiv amerikanische Sportarten wie American Football, Basketball oder Baseball. Auf seiner Internet-Homepage verriet der ehemalige Bayer-Trainer, es mache ihm "Freude und Spaß, einmal über den eigenen Tellerrand zu schauen und wertvolle Anregungen für meine zukünftige Arbeit zu gewinnen". Dabei fällt dem 47-Jährigen vor allem auf, dass "hier trotz des Drucks, gewinnen zu müssen, die Freude deutlich spürbar ist".

Bei seinen Recherchen hat Daum festgestellt, dass in den populären US-Sportarten im Vergleich mit Europa und Deutschland ein großer Unterschied in relativ langen Spielpausen nach der Saison besteht. Die Spieler hätten in fast allen Sportarten meist zwei bis drei Monate trainings- oder spielfreie Zeit. "Damit werden sowohl die Aktiven als auch die Zuschauer nie überstrapaziert", schreibt Daum weiter. Auch in Deutschland könnte über eine sinnvollere Einteilung diskutiert werden, "um den Spaß und die Freude auf und außerhalb der Spielfelder zu steigern".

Daum liegen nach eigenem Bekunden neben dem Iran-Angebot auch Offerten ausländischer Clubs vor. Spätestens im April kommenden Jahres will er eine Entscheidung über seine berufliche Zukunft fällen. Offen ist nach wie vor seine Rückkehr nach Deutschland.



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