Daum-Prozess Hoeneß sorgt für zusätzlichen Ärger

Der Daum-Prozess steckt zurzeit in einem Engpass. Alle wollen ein baldiges Ende und zugleich das Gesicht wahren. Darüber hinaus meldet sich auch wieder Bayern-Manager Uli Hoeneß aus München zu Wort.


Christoph Daum in Koblenz: Um Kopf und Kragen geredet?
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Christoph Daum in Koblenz: Um Kopf und Kragen geredet?

Landgericht Koblenz, bereits der 17. Verhandlungstag im Kokain-Prozess gegen den Fußballtrainer Christoph Daum und zwei Mitangeklagte. Der Verteidiger des Angeklagten W., Michael Hasslacher, setzt sich im Alleingang vom Feld seiner Mitstreiter ab und appelliert an die Vernunft aller. Er zitierte Dürrenmatt, der einst schrieb: Eine Geschichte ist erst schön, wenn sie die schlimmstmögliche Wendung nimmt. Wer kann das wollen?

Hasslacher sieht diese Wendung kommen, wenn der "imaginäre Zeuge Franz Robens", wie ihn der Vorsitzende inzwischen nennt, der Kronzeuge der Anklage, tatsächlich im März vor Gericht erscheinen sollte. Dann könnte es zum "vollständigen Fiasko der Anklage" kommen.

Ohne Robens geht es nicht voran - und mit ihm? Niemand ist tatsächlich an diesem Zeugen interessiert. Die Verteidigung häuft Munition an, und die Staatsanwaltschaft darf nicht hoffen, dass alle Kugeln an ihr vorbeifliegen werden. Vereinzelt gibt es Stimmen in der Staatsanwaltschaft, die vom angeblich hervorragenden Eindruck schwärmen, den Robens zu erwecken im Stande sei. Zählt man das Konvolut seiner Vorstrafen durch, scheint er ein begnadeter Schwindler zu sein. Und so einer stellt sich ja meist gut dar. Wer will dieses Waterloo riskieren?

Was tun für eine Annäherung?

Der Daum-Prozess steckt daher in einem Engpass, einem Flaschenhals gewissermaßen, in dem der Ausgang zwar im Augenblick noch unerreichbar erscheint, gleichwohl aber schon zu sehen ist. Was tun für eine Annäherung? Die Staatsanwaltschaft signalisierte in dieser Woche zumindest verbal Verständigungsbereitschaft, unter der Maßgabe allerdings, "dass dafür schon eine Vorleistung des Angeklagten nötig ist".

Mit anderen Worten: Ein Geständnis muss her, das eine ansehnliche Strafe, von 90 Tagessätzen war ja schon die Rede, ermöglicht. Mit leeren Händen mag angesichts des Wirbels, der angerichtet wurde in Sachen Daum, und angesichts der öffentlichen Kritik niemand dastehen. "Wir haben seit Monaten Angebote gemacht", zürnte Staatsanwalt Jörg Angerer in dieser Woche, "wir können derzeit nichts für ein vorzeitiges Ende tun."

Die Staatsanwaltschaft gerät immer in Bedrängnis

Für die Verteidigung, die sich an "Angebote" in Form einer Freiheitsstrafe erinnert, sind selbst 90 Tagessätze nicht hinnehmbar. Wofür auch? Von den 100 Gramm Kokain, zu deren Erwerb Daum angestiftet haben soll, ist nicht mehr die Rede. Der Haarspezialist Käferstein, der den Kokaingehalt in Daums Haaren nicht berechnete, sondern schätzte, steht als Zeuge voraussichtlich nicht zur Verfügung. Und dass Daum zeitweise kokste in persönlich bedrückender Situation, wie er ja auch zugibt - das ist nicht strafbar.

Je länger der Prozess dauert, der Vorsitzende hält Termine bis Juni bereit, desto mehr gerät die Staatsanwaltschaft in Bedrängnis. Für eine Verständigung aber bedarf es eines Weges aus dieser Situation heraus, die nicht nach Rückzug aussieht. Denn das Gesicht soll gewahrt bleiben.

Uli Hoeneß: "Der ist völlig durchgeknallt"
DDP

Uli Hoeneß: "Der ist völlig durchgeknallt"

In dieser Woche haben die Daum-Verteidiger Zurückhaltung geübt, es wurde schon über das "Schweigen der Lämmer" gespottet. Dafür ließen sie ihren Mandanten reden. Er sollte zur Interpretation abgehörter Telefonate beitragen. Ob die Entscheidung glücklich war? Daum redete und redete, atemlos und durcheinander: dass ihm gedroht worden sei, man packe "bei Hoeneß" aus; dass "die Münchener Seite" ihn überredet habe, Bundestrainer zu werden, und nachher schlecht über ihn geredet wurde; dass "ein Angestellter von Hoeneß" ihn in eine Schwarzgeldfalle auf Mallorca habe locken wollen und so fort.

Er redete sich an der Brücke, die ihm der Berichterstatter Günter Hagenmeier an einer Stelle baute, vorbei. "Wer alles mein Freund gewesen sein will!", stöhnte er, "was alles geschrieben wurde! Es hieß, mein Telefon werde abgehört. Ich habe Blut und Wasser geschwitzt. Denn was habe ich nicht alles gesagt. Ich war damals unter ungeheuerem Druck, nicht so ruhig wie heute vor Gericht." Daum und ruhig vor Gericht?

"Daum kriegt ein weiteres Problem"

Neuer Ärger droht ihm überdies aus München. Der Manager des FC Bayern, Uli Hoeneß, antwortete auf die Attacken im Prozess mit den Worten: "Ich habe das Gefühl, dass Christoph Daum völlig durchgeknallt ist." Er habe die Sache einem Anwalt übergeben. "Ich denke", sagte Hoeneß, "Daum kriegt ein weiteres Problem."

Aufschlussreich war in Koblenz das letzte abgehörte Telefonat, das im Gerichtssaal abgespielt wurde. Da sagt einer der Gesprächsteilnehmer über Daum: "Schlimm ist - der war richtig krank! Das ist so schlimm geworden, das war so extrem, dass ich dachte - Junge! Aber selbst ich kann das nicht mehr nachvollziehen."



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