Deisler-Rückkehr "Ich habe den Fußball vermisst"

Nach langer Pause ist Sebastian Deisler beim FC Bayern wieder ins Training eingestiegen. Der Mittelfeldspieler, der wegen Depressionen stationär behandelt werden musste, absolvierte erstmals eine Einheit mit dem Team. An einen Pflichtspiel-Einsatz ist vorerst dennoch nicht zu denken.


Sebastian Deisler: "Ich fühle mich sehr gut"
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Sebastian Deisler: "Ich fühle mich sehr gut"

München - "Ich habe den Fußball vermisst. Die letzte Zeit war nicht so schön, aber die Sonne geht immer wieder auf. Ich bin überzeugt, dass wir die nächsten Monate noch viel Spaß haben werden", sagte Deisler nach seiner ersten Trainingseinheit mit der Mannschaft, "ich freue mich einfach. Ich bin Sportler. Ich habe gemerkt, dass es mein Spiel ist."

Gemeinsam mit seinen Kollegen absolvierte der 24-Jährige einige Lauf- und Koordinationsübungen, nachdem er in der vergangenen Woche bereits abseits der Team-Übungszeiten auf dem Vereinsgelände erste Gehversuche unternommen hatte. Deisler war seit Ende November im Münchner Max-Planck-Institut wegen Depressionen behandelt und vor einigen Tagen entlassen worden. Seinen letzten Einsatz in der Fußball-Bundesliga hatte er am 8. November 2003 beim 4:1-Heimsieg des FC Bayern gegen Borussia Dortmund.

"Es ist eine lange Zeit gewesen", sagte Deisler über die insgesamt neun Wochen Klinikaufenthalt. Im Januar war er erstmals Vater geworden: "Wir haben einen Sohn bekommen. Es ist eine große Freude, wieder auf dem Platz zu stehen. Alles schöne Dinge - da macht es einfach wieder Spaß. Das ist Motivation."

"Ein paar Kilos sind schon noch zuviel drauf"

An seinen Comeback-Absichten ließ der Nationalspieler keine Zweifel. "Die Lust auf Fußball ist wieder hundertprozentig da - und sie war eigentlich nie weg", sagte Deisler, der den Journalisten bereitwillig Auskunft gab. Sonst gilt der Profi, der 2002 für 9,2 Millionen Euro von Hertha BSC Berlin zu den Bayern gewechselt war und zwischenzeitlich immer neue Verletzungen erlitten hatte, als sehr verschlossen.

Weder Deisler noch Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld wollten einen konkreten Zeitpunkt für ein Comeback nennen. "Wir werden ihn langsam an das Mannschafttraining heranführen", sagte der Coach, "es ist eine große Freude für mich, dass er zurückgekommen ist." Wichtig sei, dass auf Deisler kein Druck ausgeübt werde. Dem Mittelfeldspieler, der wie Hitzfeld aus Lörrach stammt, stehen mit Trainer Björn Andersson und Physiotherapeut Oliver Schmidtlein zwei persönliche Betreuer zur Verfügung.

"Es ist enorm wichtig für Sebastians Entwicklung, dass der Alltag für ihn wieder angefangen hat", sagte Hitzfeld. In Absprache mit ihm, sei ein spezieller Einsatzplan für den Spieler entwickelt worden. Deisler stehe auf der "vorletzten Stufe", so der 55-jährige Fußballlehrer. Eines gibt Deisler allerdings zu bedenken: "Ich fühle mich zwar sehr gut, aber ein paar Kilos sind schon noch zuviel drauf."



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