Bayerns Sieg gegen Mönchengladbach Sie machen wieder ernst

Des FC Bayern würdig: Nach den zuletzt enttäuschenden Auftritten in der Bundesliga hat sich der Rekordmeister beeindruckend zurückgemeldet. Gegen Mönchengladbach brillierte vor allem ein Rückkehrer.
Von Christoph Leischwitz
Douglas Costa (Mitte)

Douglas Costa (Mitte)

Foto: Matthias Schrader/ AP

Seit einigen Tagen hängt in der Münchner Arena ein meterhohes Transparent am Ausgang der Interviewzone, darauf sind die Meisterschale, der DFB-Pokal und die Champions-League-Trophäe abgebildet. Die ganz großen Titel, die es im Fußball zu gewinnen gibt, jeweils mit der Anzahl an Bayern-Titeln versehen: 26, 18, 5. Darüber steht noch: "Auf Wiedersehen. Gute Heimreise."

Die Spieler von Borussia Mönchengladbach mussten auf dem Weg zum Mannschaftsbus an diesem Transparent vorbei und dürften sich gedacht haben: Das wird keine gute Heimreise. Nach dem Desaster wollten sie nur noch weg.

Zum Leidwesen des vermeintlichen Angstgegners - die Borussia blieb zuletzt in vier Spielen in Serie gegen die Bayern ungeschlagen - hatte der Rekordmeister ausgerechnet in dieser Woche seine Spiel- und Lauffreude wiederentdeckt. Auch wenn das 2:0-Endergebnis gnädig ausfiel, grenzte das Spiel phasenweise an eine Demütigung. Vor allem dann, wenn Douglas Costa den Ball hatte.

Der Brasilianer war in der laufenden Spielzeit verletzungsbedingt erst auf vier Kurzeinsätze gekommen, bei den mäßigen Auftritten der Bayern gegen Köln und Frankfurt hatte er gefehlt. Nun schien er all die nicht gelaufenen Kilometer wieder hereinholen zu wollen. Er war sehr aktiv, bisweilen auch übermotiviert. "Sie haben dann auch angefangen, Mätzchen zu machen, das war dann schon frustrierend", sagte Mönchengladbachs Christoph Kramer später.

Costa war nach seiner gedankenschnellen Aktion zum 2:0 in der 31. Minute nicht nur für ein Selfie mit seinem Cousin zur Tribüne gelaufen. Er hatte auch mehrmals den Ball mit der Sohle geführt und mit der Hacke gespielt. Die Showeinlagen wären gar nicht nötig gewesen, die Borussen waren ganz offensichtlich schon mit sich selbst überfordert genug: "Viel zu passiv", "nicht mutig", "fehlende Frische", Trainer André Schubert fand hernach, sein Team habe zu keiner Zeit die Chance gehabt, das Spiel zu gewinnen.

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Der Plan der Bayern war hingegen perfekt aufgegangen: Nach vier Partien mit Gegentoren gelang ihnen wieder einmal ein Zu-Null-Spiel. Und selbst, wenn die Münchner mit dem 4:1 in der Champions League gegen PSV Eindhoven drei Tage zuvor schon ihre Minikrise beendet hatten, so freuten sie sich diesmal über einen weiteren Aspekt: Am Ende wurde es nicht mehr spannend. "Das war wichtig, dass wir nicht nachlassen, dass wir den Gladbachern auch zeigen, dass hier nichts zu holen ist", sagte Manuel Neuer. Gegen Köln und gegen Frankfurt habe man ja gesehen, so der Torwart, was trotz Führung noch passieren könne - beide Partien endeten noch unentschieden.

Die Balance ist zurück

Doch trotz der guten Leistung war die Partie eine Gratwanderung. Gerade mit Blick auf die zwei anstehenden englischen Wochen geht es Trainer Carlo Ancelotti vor allem darum, souverän aufzutreten, ohne sich gleichzeitig komplett verausgaben zu müssen. Die Lösung waren starke 45 Minuten, die genügten bereits, um den mutlosen Borussen jede Hoffnung auf Punkte zu nehmen.

Damit es nicht mehr spannend wurde, griffen die Bayern noch zu einem weiteren, seltenen Mittel: Das Team zog sich phasenweise komplett in die eigene Hälfte zurück. Gab die Mannschaft in der ersten Halbzeit noch zwölf Torschüsse ab, waren es in der zweiten nur noch fünf. "Im Fußball kann man nicht nur offensiv denken, man muss auch gut verteidigen. Heute haben wir kaum Konterchancen zugelassen, obwohl Gladbach ein gutes Konterspiel hat", sagte Ancelotti. Diese Konter zu verhindern, das habe "ganz oben auf der Agenda" gestanden, verriet Mats Hummels später. Die von Ancelotti oft beschworene "Balance" zwischen Angriff und Verteidigung hatte endlich funktioniert. Torwart Neuer sagte: "Wir haben die Kontrolle bewahrt." Allein beim Pfostenschuss von André Hahn in der 70. Minute war diese Kontrolle kurz abhanden gekommen.

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Bemerkenswert war die radikale Rotation, die Ancelotti selbst gegen einen Champions-League-Vertreter wie Mönchengladbach betrieb. Thomas Müller und Joshua Kimmich fehlten in der Startelf, Jérôme Boateng blieb 90 Minuten auf der Bank, Kapitän Philipp Lahm stand gar nicht erst im Kader. Müllers zögernder Kommentar ließ zumindest erkennen, dass er über seine Nichtberücksichtigung überrascht war. "Der Trainer hat ganz zu Beginn gesagt, dass er seine Personalentscheidungen nicht groß kommentieren wird", sagte er und damit war die Sache erledigt.

Am kommenden Mittwoch (20.45 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) geht es gegen einen weiteren vermeintlichen Angstgegner, im DFB-Pokal empfängt das Team den FC Augsburg. Egal mit welchem Personal: Sollten die Bayern auch diesmal die Balance finden, wird auch Augsburg keine gute Heimfahrt haben.

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