"Sommermärchen"-Skandal DFB muss rund 19,2 Millionen Euro Steuern nachzahlen

Der Skandal um die Heim-WM 2006 kommt den Deutschen Fußball-Bund teuer zu stehen. Rund 19,2 Millionen Euro muss er nachzahlen, will aber gegen den Bescheid vorgehen.

Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann, Co-Trainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff auf der Fanmeile am Brandenburger Tor (2006)
DPA

Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann, Co-Trainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff auf der Fanmeile am Brandenburger Tor (2006)


Der Skandal um die Heim-WM 2006 kommt den Deutschen Fußball-Bund (DFB) teuer zu stehen. Der Weltmeisterverband muss im Zuge der steuerrechtlichen Ermittlungen rund 19,2 Millionen Euro nachzahlen. Das Finanzamt Frankfurt am Main spricht dem DFB für das Jahr des "Sommermärchens" den Status der Gemeinnützigkeit ab. Allerdings hat der Verband angekündigt, die geänderten Steuerbescheide anfechten zu wollen.

Ausgangspunkt der Untersuchungen ist die vom SPIEGEL enthüllte Zahlung des DFB von 6,7 Millionen Euro an die Fifa. Sie war als Mitfinanzierung einer Galaveranstaltung deklariert, die aber nie stattfand. Die Vorgänge darum wurden als WM-Affäre bekannt.

Bereits im Juli hatte der DFB Bedenken geäußert

Die 6,7 Millionen Euro hatte der frühere Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus zunächst im Auftrag der deutschen WM-Macher heimlich dem deutschen Bewerbungsteam geliehen. Das Geld wurde dann kurz vor der WM falsch deklariert an die Fifa zurückgezahlt, diese leitete das Geld weiter auf ein Konto von Louis-Dreyfus. Eingesetzt wurde das Darlehen möglicherweise, um die vier Stimmen der Vertreter im 24-köpfigen Fifa-Exekutivkomitee zu sichern.

Bereits im Juli hatte der DFB Bedenken geäußert, "Steuernachzahlungen und Zinsbelastungen in Höhe von 26,2 Millionen Euro zu tragen."

"Die Sachverhaltsermittlungen der zuständigen Staatsanwaltschaft Frankfurt, die vom DFB in vollem Umfang unterstützt werden, sind noch nicht abgeschlossen", teilte der Verband mit: "Der DFB ist unverändert der Auffassung, dass die Zahlung der 6,7 Millionen Euro betrieblich veranlasst war und deshalb zu Recht steuerlich als Betriebsausgabe geltend gemacht wurde. Demzufolge fehlt es auch an einer Grundlage für eine Versagung der Gemeinnützigkeit für das Jahr 2006."

Vorerst sollen die in den geänderten Bescheiden festgesetzten Steuern aber "fristgerecht" bezahlt werden. Ob und wie die in dem Verfahren der Staatsanwaltschaft als Beschuldigte geführten früheren Top-Funktionäre Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach (beide Ex-Präsidenten) und Horst R. Schmidt (Ex-Generalsekretär) in Regress genommen werden könnten, ist offen.

mru/sid

insgesamt 48 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
BSC 20.10.2017
1. Aua
Der DFB wird beim Finanzgericht obsiegen, das Finanzamt riskiert einiges. Nur wegen der einen Buchung bzw. Zahlung darf die Gemeinnützigkeit nicht aberkannt werden.
UnitedEurope 20.10.2017
2.
Danke an den Spiegel. Überall wo Geld fließt gibt es Korruption und Betrug, wieso sollte es beim Fußball anders sein? Als ob die Welt nur darauf gewartet hat uns die WM zu "schenken".
Pensionskassen 20.10.2017
3. Ein solch korrupter Verein darf nicht gemeinnützig sein
Der Nachweis von Ausgaben muss einwandfrei vom Steuerpflichtigen nachgewiesen werden. Da hier ein offensichtlich betrügerische Angabe gemacht wurde ist alles zu verwerfen und die Gemeinnützigkeit ist dahin. Dies müsste nicht nur für die Vergangenheit gelten sonder auch für die Zukunft. Die Politiker trauen sich nur nicht.,
Freidenker10 20.10.2017
4.
Die "Gemeinnützigkeit" all dieser Raffgeorganisationen wie DFB und auch Fifa ist sowieso eine Frechheit. Hier gehts nur noch um Steuervermeidung, deshalb freut mich das Urteil wenn es Bestand hat!
marinero7 20.10.2017
5. Schmiergeld bleibt Schmiergeld
"Betrieblich veranlasste" Schmiergelder, früher als nützliche Ausgaben bezeichnet, gibt es im Steuerrecht schon lange nicht mehr. Also muss der DFB zurecht nachzahlen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.