Drei Thesen zur Nations League Auch die Nationalmannschaft holt die Bayern nicht aus dem Tief

Die Nations-League-Niederlagen der DFB-Elf gegen die Niederlande und Frankreich nähren die Hoffnung auf eine spannende Bundesligasaison. Und sie zeigen, dass Sané eben doch kein Mbappé ist.

Thomas Müller (l.), Niklas Süle
AP

Thomas Müller (l.), Niklas Süle

Von und


1. Die Bayern-Krise wird anhalten

"Ich habe im Training nichts davon gemerkt, dass sie down waren." Das sagte Bundestrainer Joachim Löw am vergangenen Freitag über die Bayern-Spieler im DFB-Kader. Es war die Antwort auf eine Frage nach eventuell fehlendem Selbstbewusstsein der Münchner, die mit ihrem Verein zuvor vier Pflichtspiele in Folge nicht gewonnen hatten.

Weil er nicht das Gefühl hatte, dass die Spieler durch die Misserfolge angeschlagen waren, setzte Löw gegen die Niederlande auf einen starken Bayern-Block. Das Ergebnis ist bekannt: Thomas Müller vergab eine Großchance, als er frei vor Torwart Cillessen nur das Außennetz traf, Jérôme Boateng leistete sich ungewohnt viele Fehler im Spielaufbau und wirkte auch in der Zweikampfführung behäbig, Manuel Neuer hatte mit schlechtem Stellungsspiel entscheidenden Anteil am 0:1, und Mats Hummels fiel vor allem dadurch auf, dass er die Fehler seines Teams im Anschluss herunterspielte und die Niederlage kleinredete.

Die Folge: Boateng reiste leicht angeschlagen frühzeitig von der Nationalmannschaft ab, Müller fand sich gegen Frankreich auf der Bank wieder. Hummels und Neuer spielten zwar ebenso wie ihr Bayern-Teamkollege Niklas Süle und machten keine großen Fehler, konnten sich aber nicht besonders auszeichnen. Insgesamt zeigten die Münchner, warum der Serienmeister der vergangenen Jahre in der Bundesliga schwächelt und mit vier Punkten Rückstand auf den BVB nur Tabellensechster ist. Nur Joshua Kimmich überzeugte im DFB-Trikot - das allerdings im Mittelfeld und nicht als Außenverteidiger wie im Verein.

Fotostrecke

14  Bilder
DFB-Team in der Einzelkritik: Zwischen Bewunderung und Verzweiflung

Vor der Länderspielpause war vor allem Trainer Niko Kovac für die Bayern-Krise verantwortlich gemacht und scharf kritisiert worden. Die Nations-League-Partien haben gezeigt: Die Spieler der Münchner sind einfach nicht in Form. Das verheißt nichts Gutes für die kommenden Aufgaben in Meisterschaft, Champions League und DFB-Pokal und bedeutet im Umkehrschluss, dass die Bundesliga spannend bleiben dürfte.

2. Sané ist kein Mbappé

Dass Löw bei der Kadernominierung für die WM in Russland auf Leroy Sané verzichtete, sorgte für großes Unverständnis. Schließlich war der 22-jährige Offensivspieler von Manchester City in der vergangenen Saison zum besten Jungprofi der Premier League gewählt worden und gilt nach wie vor als wohl größtes Talent im deutschen Fußball.

Weil er über enormes Tempo, eine beeindruckende Technik und einen starken Abschluss verfügt, wurde Sané sogar mit Frankreichs Shootingstar Kylian Mbappé verglichen. Das 1:2 (1:0) von Paris hat gezeigt, warum das aktuell Unsinn ist. Sané zeigte zwar vor allem in der ersten Hälfte starke Ansätze, beschäftigte die französische Hintermannschaft im Zusammenspiel mit Serge Gnabry und Timo Werner und holte den Elfmeter zur Führung des DFB-Teams heraus.

Fotostrecke

9  Bilder
DFB-Niederlage gegen Frankreich: Mutig gespielt, erneut verloren

Aber er leistete sich auch viele leichte Ballverluste und traf oft die falschen Entscheidungen - so zum Beispiel in der 21. Minute. Bei einem Konter war er eigentlich frei durch und hätte allein auf Hugo Lloris zugehen können. Stattdessen nahm er aber das Tempo raus und spielte einen schlampigen Querpass auf Werner, den der französische Keeper abfing.

Mbappé zeigte im Spiel gegen die DFB-Auswahl zwar auch nicht seine beste Leistung im Nationaltrikot und war an den beiden Treffern seines Teams nicht beteiligt. Aber der 19-Jährige bewegte sich deutlich intelligenter als Sané, setzte sein Tempo besser ein und lief seinen Gegenspielern in schöner Regelmäßigkeit davon. Was beide vor allem unterscheidet: Mbappé hat in 24 Länderspielen schon neun Tore erzielt, Sané ist bei 15 Einsätzen noch ohne Treffer für die Nationalmannschaft.

3. Löw braucht nicht Schulz und Kehrer, sondern zweimal Schuhrer

Gegen Frankreich überraschte Joachim Löw mit einem neuen System. Im 3-4-3, das defensiv zum 5-4-1 wurde, agierte er mit zwei Außenspielern: Nico Schulz und Thilo Kehrer. Beide machten ihre Sache zwar ordentlich, jeweils ein Teil ihres Spiels hakte aber.

Bei Schulz war es die Offensive. Der 25-Jährige von der TSG Hoffenheim ist es in der Bundesliga eigentlich gewohnt, sich über die linke Außenbahn auch in den Angriff einzuschalten. Gegen Frankreich war davon wenig zu sehen. In der Defensive präsentierte er sich dafür stabil: Sogar ein Laufduell mit dem heranstürmenden Mbappé konnte er für sich entscheiden - als einer der wenigen in der deutschen Mannschaft.

Kylian Mbappé, Nico Schulz, Thilo Kehrer (v.l.)
AP

Kylian Mbappé, Nico Schulz, Thilo Kehrer (v.l.)

Auf der anderen Seite setzte Kehrer starke Offensivakzente. Immer wieder hinterlief er Gnabry, überlud damit die rechte Angriffsseite und schaffte Überzahlsituationen. Probleme hatte der PSG-Verteidiger aber in der Defensive. Immer wieder brach Frankreichs Linksverteidiger Lucas Hernández über Kehrers rechte Seite durch und bereitete so unter anderem das zwischenzeitliche 1:1 vor.

Könnte man aus beiden Spielern einen machen und diesen dann klonen, hätte die deutsche Mannschaft womöglich zwei perfekte Außenverteidiger. Aus Schulz und Kehrer würde gewissermaßen Schuhrer werden. Bis die Gentechnik so weit ist oder beide auf andere Weise an ihren Schwächen arbeiten, muss Löw Abstriche machen - entweder offensiv oder defensiv.

insgesamt 32 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Yoroshii 17.10.2018
1. Sane saniert die Adler nicht
An dem Jungen scheiden sich die Geister. Der Bericht aber sagt eine Wahrheit, die keiner abstreiten kann: Sane fehlt die geistige Beweglichkeit. Vielleicht ist es die körperliche Wendigkeit, die damit in Widerspruch steht. Er ist ein"kopfloser" Spieler. Bisher jedenfalls und ähnelt dem bei den Franzosen eingewechselten Dembele. Völlig überschätzt und ein tolles Geschäft für Dortmund. In Hz 1 hat er überraschend gut begonnen. Man hat ihm wohl eingetrichtert, den Ball auch mal abzugeben, wenn es erforderlich ist. Schaun mer mal. Sein Trainer bei City soll ja enorme Entwicklungsfähigkeiten haben.
jawa1299 17.10.2018
2.
Mbappé ist das größte Talent seit Messi und unglaublich in seiner Reife, die er mit 19 Jahren schon mitbringt. Tut Sané den Gefallen und vergleicht ihn nicht mit Mbappé, sondern bewertet einfach unvoreingenommen seine durchaus gute Leistung.
Tavlaret 17.10.2018
3. Das ist der Lauf der Zeit
Boateng und Hummels, beide 30, kommen mit den immer schneller werdenden Spielern nicht mehr mit. Müller ist der, der eine gut spielende Mannschaft mit seinen unorthodoxen Aktionen noch verbessern kann, er ist aber keiner, der schwach spielende Mannschaften verbessert. In der N11 kann man inzwischen auf die 3 verzichten. Bayern hat ohne Not gute Spieler abgegeben (Rudy, Vidal, Bernat) und v. a. nicht gut genug aufgerüstet - Goretzka und Gnabry sind gut aber keine Weltklasse. Das Bayern-Spiel wird nach wie vor von Robben (34) und Ribery (35) getragen und die sind leider nicht mehr schnell, die Verteidiger können mittlereweile bei ihrem "Fullspeed" nebenher traben und sie kommen nicht mehr vorbei.
michael031056 17.10.2018
4.
Die Bayern und ihre Krise/n? Das ist doch ein Witz! Das ist alles selbstgemachter Stress, die Unfähigkeit und der Machthunger ehemaliger Spieler, der Machthunger dieser Herren, der immer wieder dazu beiträgt, das die Bayern in diese Lage geraten. Immer nach dem Motto, wir brauchen die besten Spieler und den besten Trainer. Ob das Personal nachher damit klar kommt, miteinander arbeiten und wirklich die Leistung erbringen kann, die von Ihnen erwartet wird ist fraglich und Glücksache. Und die Nationalelf? Da gibt es den sehr guten Trainer Löw, der angeblich auf einmal alles falsch macht. Ich glaube das nicht, abgesehen von der Tatsache, das er verdienten Spielern immer wieder die Möglichkeit gibt sich auf dem Platz zu beweisen, während schon längst junge Männer auf der Ersatzbank sitzen, die eine Leistung aufs Spielfeld bringen, die alle Fans von Ihnen erwarten. Wenn diese Spieler dann trotzdem gegen eine Mannschaft, wie die der franz. Nationalelf verliert, ist das überhaupt nicht schlimm. Die DFB-Mannschaft hat das gebracht, was sie derzeit bringen kann und das war sehr viel. Was der Mannschaft nun noch fehlt, ist ein Stürmer, wie es einst Gerd Müller war. Der hat aus jeder Situation heraus ein Tor gemacht. Solch ein Spieler fehlt genauso wie eine sichere Abwehr. Hier gibt es Schulungsbedarf. Wenn das alles geschieht, wenn sich ein solcher Stürmer wie Gerd Müller oder zumindest so ähnlich finden lässt, ist die DFB-Elf einen großen Schritt weiter. Denn alles andere ist Schulung durch die Nationaltrainer und den Trainern im Verein, die viel mehr mit dem DFB zusammenarbeiten müssen als sie es bisher getan haben. Und mal ehrlich, muß Bayern München und/oder die Nationalelf immer die beste Mannschaft stellen? Wir haben in den Bundesligen sehr viele gute Mannschaften mit vielen sehr talentierten Spielern und für die Nationalmannschaften Europas und der Welt trifft das erst recht zu. Wir sind und können nicht immer die besten sein. Das wäre auf Dauer auch langweilig. Oder?
Jetztredich 17.10.2018
5. Sané ...
...läuft und dribbelt, er läuft und dribbelt und läuft und dribbelt und schießt oder passt den Ball dann ins Nirvana - wenn er ihn nicht schon vorher beil Laufen unf Dribbeln vertändelt hat. Immer und immer wieder.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.