Deutschland-Argentinien "Fakt ist, wir sind stärker"

Die deutsche Nationalelf hat mit ihren vier aufeinander folgenden Siegen Fans und Kritiker überzeugt. Jetzt planen Klinsmanns Spieler, Argentinien wegzuputzen. Damit könnte das Team eine neue Bestmarke aufstellen. 


Hamburg - Noch nie erreichte eine deutsche Nationalmannschaft fünf Siege in Folge bei einer Weltmeisterschaft. Nach den Erfolgen gegen Costa Rica (4:2), Polen (1:0), Ecuador (3:0) und im Achtelfinale gegen Schweden (2:0) benötigt das Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann noch einen Erfolg gegen Argentinien (Freitag, 17 Uhr im Liveticker bei SPIEGEL ONLINE), um einen neuen Rekord aufzustellen.

Assistent Löw (l.), Bundestrainer Klinsmann: "Jeder weiß, was er tun muss"
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Assistent Löw (l.), Bundestrainer Klinsmann: "Jeder weiß, was er tun muss"

Eine solch lange Serie von Siegen schafften deutsche Teams bislang zweimal, allerdings über zwei Turniere verteilt. Bei den Weltmeisterschaften 1954 und 1958 gelang Sepp Herberger dieses Kunststück, dazu schaffte Deutschland dank des Titels 1990 und dem Erfolg im Auftaktspiel 1994 fünf Siege in Serie.

Für die neue Bestmarke muss die deutsche Mannschaft allerdings zunächst eine fast sechs Jahre lange Negativserie knacken. Seit dem 7. Oktober 2000 hat Deutschland in 16 Vergleichen gegen keine der sogenannten großen Fußballnationen mehr gewonnen. Damals glückte ein 1:0 im WM-Qualifikationsspiel in England. Torschütze war damals Dietmar Hamann, der Englands Keeper David Seaman mit einem Freistoß überwand.

Mittelfeldspieler Torsten Frings hält wenig von der Statistik: "Uns interessiert nicht, was in den letzten Jahren war. Freitag sind wir dran." Die bisherigen Auftritte der Argentinier nötigen ihm Respekt ab: "Man sollte nicht alles an Juan Riquelme festmachen. Das sind alles Spitzenleute, die ein Spiel entscheiden können. Fakt ist allerdings, wir sind stärker."

Das deutsche Team sei topfit und so stark wie in den letzten zwei Jahren nicht, sagte Nationalspieler Torsten Frings am Dienstag in Berlin. "Wir können 90 Minuten marschieren und, wenn es sein muss, auch 120". Und: "Wir haben bis jetzt noch keinen Gedanken daran verschwendet, dass wir rausfliegen könnten."

Abwehrrecke Per Mertesacker fürchtet sich nicht vor dem Duell mit flinken argentinischen Stürmern wie dem nur 1,69 Meter großen Javier Saviola vom FC Sevilla. Sicherlich sei es schwer, gegen Saviola zu spielen, weil dieser extrem wendig sei und sich blitzschnell drehen könne, sagte der 21-jährige Innenverteidiger. Das Gegenrezept lieferte der kopfballstarke Profi von Hannover 96 jedoch gleich mit. "Wir müssen die Argentinier zu langen und hohen Bällen zwingen." Wenn die Pässe flach in die Spitze kämen, werde es schwer.

Am Viertelfinalgegner bissen sich die Deutschen in den vergangenen Jahren mehrmals die Zähne aus. Beim Konföderationen Cup vor einem Jahr gab es ebenso ein 2:2 wie im Februar 2005 im Testspiel in Düsseldorf. Niederlagen kassierte die deutsche Elf im April 2002 in Stuttgart (0:1) und Ende 1993 in Miami (1:2). Immerhin: Den letzten Vergleich bei einer WM gewannen die Deutschen, es war das 1:0 im Finale 1990 in Rom.

Damals war Klinsmann als Spieler dabei, heute sieht er sein Team gegen die Argentinier im Vorteil. "Wir sind gut vorbereitet und auch im Kopf bestens präpariert. Jeder weiß, was er tun muss", sagte der Bundestrainer. "So stark wie jetzt waren wir in den letzten zwei Jahren nicht. Wir verschwenden keinen Gedanken daran, dass wir ausscheiden."

Auf dem Trainingsplatz fehlten heute Kapitän Michael Ballack und Torjäger Miroslav Klose. Klinsmann hatte den beiden ein Spezialprogramm verordnet, sie bereiteten sich in einer extra eingerichteten Fitness-Halle auf das Duell gegen Argentinien vor. "Beide haben voll trainiert", sagte Assistenztrainer Joachim Löw. Torwart Oliver Kahn brach das Vormittags-Training wegen Übelkeit ab.

Die deutschen Fans sind vor dem Duell am Freitag zuversichtlich. Nach einer repräsentativen Umfrage durch das Marktforschungsinstitut promit erwarten 84 Prozent der Befragten einen Sieg gegen Argentinien. 53 Prozent tippen sogar auf die deutsche Mannschaft als Weltmeister. Vor dem Erfolg gegen Schweden waren es nur 38 Prozent.

bri/sid/dpa

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