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Deutschland gegen Frankreich: EM-Aus in Marseille

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Deutschlands EM-Aus Die ganze "Arbeit umsonst"

Deutschland dominierte gegen Frankreich - und schied trotzdem aus. Das ist enttäuschend, vor allem für die Spieler. Doch Manuel Neuer macht klar: "Niemand muss sich um die Nationalmannschaft Gedanken machen."

Es war das Gesicht von Thomas Müller, das zeigte, wie es um die emotionale Seite der deutschen Nationalmannschaft bestellt war.

Müller, eigentlich ein Ewig-Grinser, einer, der immer gute Laune verbreitet, kam blass, mit tiefen Furchen auf der Stirn und eingefallenen Wangen aus der Mannschaftskabine. "Wir haben die ganze Arbeit, die wir in dieses Turnier gesteckt haben, im Endeffekt umsonst gemacht. Wir stehen mit leeren Händen da", sagte Müller nach der 0:2-Pleite gegen Frankreich.

Das deutsche Team ist im Halbfinale ausgeschieden, der Traum, denWeltmeistertitel von 2014 mit dem Europameistertitel 2016 zu krönen, ist in den 90 Minuten gegen den Gastgeber ohne jegliche Romantik zerplatzt.

"Die Stimmung ist scheiße, wir sind niedergeschlagen, enttäuscht", sagte Mats Hummels, der gegen Frankreich aufgrund einer Gelbsperre nicht spielen konnte. Er verfolgte die Partie von der Tribüne und musste von dort mit ansehen, wie seine Mannschaft zwar beinahe das gesamte Spiel gegen die Franzosen kontrollierte, aber einfach kein Tor machte. "Wir haben in der Defensive keinen schlechten Job gemacht. Aber es hat einfach einer gefehlt, der vorne das Ding auch reinschießt", sagte Hummels.

"Manchmal hat man halt dieses Pech"

Bundestrainer Joachim Löw hatte die Offensive des DFB-Teams für das Halbfinalspiel extra noch einmal umgebaut. Für den verletzten Mario Gomez rückte Müller ins Sturmzentrum, Julian Draxler und Mesut Özil teilten sich die Position dahinter. Müller, der vor dem Spiel noch kein EM-Tor geschossen hatte, rotierte in diesem Turnier erstmals auf die vorderste Position. Er lief erneut viel, riss viele Löcher, schmiss sich in jeden Zweikampf, blieb am Ende aber erneut torlos. Ähnlich erging es Draxler, der beinahe mit jedem Dribbling an einem französischem Verteidiger hängen blieb. "Manchmal hat man halt dieses Pech", sagte Müller.

Pech und Glück - darüber sprachen fast alle deutschen Nationalspieler. Selbst Löw sagte, das Ausscheiden sei "wirklich Pech" gewesen. Das Pech, es wirkte nun, wenige Minuten nach dem Spiel, eher wie ein Schild, das die Mannschaft vor sich her tragen musste, damit der Schmerz des Ausscheidens sie nicht zu sehr berühren konnte.

Manuel Neuer, Bastian Schweinsteiger, Benedikt Höwedes - sie alle ärgerten sich über irgendeine übersinnliche Macht, die es Müller nicht ein einziges Mal erlaubte, seinen Fuß im richtigen Moment in eine Flanke zu halten. Oder die den Schuss von Joshua Kimmich an den Pfosten statt ins Tor lenkte.

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Deutschland in der Einzelkritik: Schweinsteigers Drama

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"Ich kann nicht erklären, warum die Hand da oben war"

Vor allem aber haderten sie mit einem Elfmeter, den ausgerechnet ihr Kapitän Schweinsteiger in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit verursachte. Schweinsteiger, der nach langer Verletzungspause mitgenommen wurde, um in wichtigen Partien für Ruhe und Stabilität zu sorgen, sprang mit einem ausgestreckten Arm in einen Zweikampf und wurde prompt an der Hand angeköpft.

Die Szene wirkte in der Nachbetrachtung eher nicht so, als sei sie von Pech geprägt gewesen. Vielmehr schaute Schweinsteiger einem Eckball zu lange zu, sah, wie Patrice Evra frei zum Kopfball kam und versuchte die Chance mit einer unorthodoxen Abwehrbewegung zu vereiteln. Stellungsspiel, Geschwindigkeit, Sprungkraft, Gedankenschnelligkeit - Schweinsteiger ließ in diesem Moment beinahe alles vermissen.

"Wir spielen eine Raumdeckung, es war schwierig. Ich kann nicht erklären, warum die Hand da oben war", sagte Schweinsteiger später. Er rieb sich dabei immer wieder das Gesicht, die Augen, er wirkte müde, ausgelaugt. Als ihn jemand fragte, ob man ihn noch einmal im Nationalteam sehen würde, fing der sonst so stolze Kapitän an zu stammeln, brachte keinen angefangenen Satz zu Ende. Irgendwo in den Wortfetzen versteckte er die Botschaft, dass er nun genau über diese Frage nachdenken wolle.

"Niemand muss sich um die Nationalmannschaft Gedanken machen. Wir haben genügend erstklassige Spieler, die bald nachkommen werden", sagte Neuer und sah dabei deutlich mehr nach Kapitän aus als Schweinsteiger bei seinen Aussagen. Es ist in der Tat so, dass bis auf die möglichen Rücktritte von Schweinsteiger und Lukas Podolski fast der gesamte Mannschaftsstamm zusammenbleibt. "Wir haben den deutschen Fußball würdevoll repräsentiert. Wenn man das mit unserer Niederlage im EM-Halbfinale 2012 gegen Italien vergleicht, muss ich sagen: Ich scheide lieber so aus wie heute", sagte Neuer.

"Unsere Idee von Fußball gehört zu den besten"

Alle Spieler und der Trainer waren sich einig, dass sie die eigentlich bessere Mannschaft waren, dass sie Frankreich nur wenige Möglichkeiten für deren Pressing anboten. "Wenn wir heute eines aus diesem Spiel mitnehmen können, dann dass unsere Idee von Fußball zu den besten im Weltfußball gehört", sagte Hummels.

Dass Frankreich zwar deutlich weniger Ballbesitz hatte, aber ihre Grundgeschwindigkeit viel höher ist, vor allem die individuelle, dass sie mit Spielern wie Antoine Griezmann, Dimitri Payet oder Paul Pogba Weltklassespieler haben, die jederzeit eine Partie mit einem einzigen Moment entscheiden können, das erwähnte niemand.

Und auch nicht, dass die deutsche Mannschaft diese Qualität bei der EM gegen keinen einzigen starken Gegner zeigen konnte.

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