Deutschland bei der EM gegen Frankreich und Portugal "Wir gehen sicherlich nicht als Favorit in die Gruppe"

Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal: Deutschland hat bei der EM im kommenden Jahr die wohl schwierigste Gruppe erwischt - und muss sich einen neuen Testspielgegner suchen.

MAXIM SHIPENKOV/EPA-EFE/REX

Seine Mundwinkel zeigten leicht nach unten, und weil ihm seine Haare tief in die Stirn hingen, konnte man nicht richtig erkennen, ob er dort Sorgenfalten hatte. Eines stand Bundestrainer Joachim Löw nach der Auslosung der EM-Gruppen jedenfalls nicht im Gesicht: lockere Zufriedenheit - oder zufriedene Lockerheit, wie man will.

Das war allerdings kein Wunder: Es hätte schließlich nicht härter kommen können für Bundestrainer Löw und die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Bei der Europameisterschaft im kommenden Jahr muss die DFB-Elf mit dem Weltmeister Frankreich und dem Europameister Portugal um den Einzug in die K.-o.-Phase kämpfen.

Nach dem ersten Schock lachte Löw dann aber doch noch, ebenso wie sein französischer Trainerkollege Didier Deschamps und der Portugiese Fernando Santos. Allen dreien war wohl bewusst, dass sie da im Romexpo Exhibition Centre von Bukarest in etwas geraten waren, das gemeinhin als "Todesgruppe" beschrieben wird.

"Das ist eine Hammer-Gruppe"

Kylian Mbappé, Antoine Griezmann - bereits im Auftaktspiel gegen die Franzosen am 16. Juni muss die deutsche Defensive einige der weltbesten Angreifer vom eigenen Tor fernhalten. Das zweite Spiel am 20. Juni bestreitet die DFB-Auswahl gegen Portugal - dort rennt ja bekanntlich Cristiano Ronaldo im Angriff herum. Wenn es für Löw und Co. schlecht läuft, könnte das dritte Gruppenspiel bereits bedeutungslos sein.

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Christian Charisius/DPA

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Wobei der dritte Gegner ja noch gar nicht feststeht. Sieben Optionen gibt es aufgrund des umstrittenen Verfahrens noch. Gewinnt Island, Bulgarien oder Co-Gastgeber Ungarn den Playoff-Pfad A, ist dieses Team in der deutschen Gruppe. Setzt sich dort aber Rumänien durch, kommt es anders: Da Rumänien als Co-Gastgeber in die Gruppe A muss, würde der Sieger des Pfades D in die DFB-Gruppe kommen: Georgien, Nordmazedonien, Kosovo oder Weißrussland.

"Das ist eine Hammer-Gruppe, klar. Jeder muss in der Gruppe ans Limit gehen, um eine Chance zu haben, in die K.o.-Runde zu kommen", sagte Löw im Anschluss an die Auslosung. Optimistischer als sein Gesichtsausdruck zuvor es hatte vermuten lassen, ergänzte er: "Ich freue mich." DFB-Präsident Fritz Keller sagte: "Mit diesen Spielen können wir gleich Fußball-Fieber in Deutschland entfachen. Das ist ein Hammer-Los."

"Es ist die schwerste aller sechs Gruppen"

DFB-Direktor Oliver Bierhoff fügte hinzu: "Wir gehen sicherlich nicht als Favorit in die Gruppe. Wir haben es am schwierigsten angetroffen. Das wird für unsere junge Truppe eine große Herausforderung. Ich hoffe, dass durch unseren Heimvorteil ein Schub entsteht." Alle drei Gruppenspiele wird die DFB-Auswahl in München absolvieren, das stand bereits vor der Auslosung fest.

Doch ob der Heimvorteil gegen Mbappé und Ronaldo ausreichen wird? In der Nations League hatte es zuletzt - ebenfalls in München - ein 0:0 und in Paris ein 1:2 gegen Frankreich gegeben. Bei der EM 2016 flog man gegen das Team im Halbfinale (0:2) raus. An Portugal hat Löw bessere Erinnerungen. Bei der EM 2012 (1:0) und auf dem Weg zum WM-Titel 2014 (4:0) gab es Vorrundensiege.

Respekt ist bei den Gegnern noch vorhanden - trotz des deutschen Vorrunden-Aus bei der WM 2018. "Bei der Klasse unserer Gegner müssen wir direkt Leistung bringen", sagte Frankreichs Trainer Deschamps: "Es ist die schwerste aller sechs Gruppen, wir kennen die Qualität der Gegner."

Löw braucht nun einen neuen Trainingspartner

Deschamps zeigte sich selbstbewusst: "Sie werden aber auch nicht besonders glücklich sein, Frankreich in ihrer Gruppe zu haben." Noch forscher äußerte sich Lucas Hernández vom FC Bayern München: "Sie sollten die sein, die Angst haben: Wir sind Frankreich, wir sind die Weltmeister. Wir haben Respekt, aber wir haben nie Angst auf dem Platz."

Die Auslosung stellt Löw auch vor terminliche Aufgaben: Portugal fällt nun als Trainingsspiel-Gegner aus, man will natürlich nicht frühzeitig seine neuesten Taktiken (oder Freistoßvarianten) offenbaren. "An Portugal waren wir dran. Deswegen müssen wir uns jetzt anders orientieren. Wir haben noch ein paar Optionen", sagte Löw.

Im März spielt die DFB-Auswahl in Spanien, als zweiter Gegner ist nun der WM-Dritte Belgien im Gespräch. In der unmittelbaren Vorbereitung gastiert Deutschland in der Schweiz, zudem findet vor dem Turnierstart gegen Frankreich in München noch ein weiteres Länderspiel statt.

Deutschlands Bilanz gegen Frankreich: 9 Siege, 8 Remis, 14 Niederlagen
Deutschlands Bilanz gegen Portugal: 10 Siege, 5 Remis, 3 Niederlagen

bka/dpa/sid

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