DFB-Sieg gegen Nordirland Verflucht gut

Der Sieg gegen Nordirland war ein minimaler Ertrag maximaler Dominanz. Die wichtigsten Erkenntnisse: Deutschland hat wieder einen Rechtsverteidiger - und Thomas Müller ist verflucht. Alles Wichtige zum Spiel.
Thomas Müller, Mario Götze, Mario Gomez

Thomas Müller, Mario Götze, Mario Gomez

Foto: Clive Mason/ Getty Images

Ausgangslage: Seltsam indifferent. Nach zwei Gruppenspielen hatte sich in Bezug auf die Offensivqualitäten der DFB-Elf eine gewisse Skepsis breitgemacht. Die defensiven Nordiren waren deshalb in der Wahrnehmung immer größer und gefährlicher geworden, sodass man am Ende über einen Zittersieg schon froh sein würde.

Rechenspiele: Im Vergleich zum Gruppenrivalen Polen (spielte parallel gegen die Ukraine) reichte ein Sieg mit einem Treffer weniger. Bei Punkt- und Torgleichheit würde wegen des ausgeglichenen direkten Vergleichs die Fairplay-Wertung zählen. Hier lag der DFB vor dem Spiel mit zwei Gelben Karten weniger vorn.

Startaufstellungen

Nordirland: McGovern - Hughes, McAuley, Cathcart, J. Evans - Dallas, Norwood, C. Evans, Davis, Ward - Washington
Deutschland: Neuer - Kimmich, Boateng, Hummels, Hector - Khedira, Kroos - Müller, Özil, Götze - Gomez

Wechselspiele: Joshua Kimmich ersetzte Benedikt Höwedes als Rechtsverteidiger, Mario Gomez begann als einzige Spitze, Mario Götze rückte auf die linke Offensivseite (für Julian Draxler).

Ergebnis: 1:0 (1:0) - und damit der minimale Ertrag einer maximalen Überlegenheit. Weil Polen gegen die Ukraine nur 1:0 gewann, ist Deutschland Gruppensieger.

Joshua Kimmich

Joshua Kimmich

Foto: Alexander Hassenstein/ Getty Images

Erste Halbzeit: Dieses Format bietet zu wenig Platz, um wirklich alle gefährlichen Szenen der deutschen Mannschaft aufzulisten. Deshalb seien hier nur die Wichtigsten erwähnt:

  • Kimmich auf Özil, der direkt auf Müller - McGovern klärt (7. Minute);
  • Kombination Müller-Özil-Götze - Götze vergibt aus sieben Metern frei vor McGovern (12.);
  • Kimmich mit halbhoher Flanke auf Gomez, der mit der Brust auf Müller - knapp rechts vorbei (23.);
  • Müller-Kopfball an den Pfosten nach Kimmich-Flanke (27.);
  • Özil auf Götze auf Müller - Direktabnahme an die Latte (34.).

Zwischendrin erzielte Mario Gomez das 1:0, er profitierte von einer schönen Vorarbeit von Thomas Müller, der wiederum von Mesut Özil in Szene gesetzt worden war.

Erstes Feedback an den Bundestrainer: Die Umstellungen funktionierten. Kimmich stand zwar so hoch, dass er fast wie ein Außenstürmer wirkte - aber nahezu jede Spielbeteiligung des 21-Jährigen wirkte sich positiv aus. Gomez traf und war immer anspielbar.

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Verflucht! Was sich in der ersten Halbzeit aber auch andeutete: Der sogenannte Thomas-Müller-EM-Fluch setzte sich fort. Noch nie hat der Mann bei einer EM getroffen, bei Weltmeisterschaften hingegen schon zehnmal.

Der Arbeitsnachweis der DFB-Abwehr in der ersten Hälfte?

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Zweite Halbzeit: Verlief deutlich weniger spektakulär als die erste. Bemerkenswert aber: Nachdem Mario Götze zwei große Chancen vergeben hatte, wurde er in der 55. Minute prompt durch André Schürrle ersetzt. Ein psychologisch eher ungünstiger Zeitpunkt. Zumal der Beitrag des Neuen überschaubar war: zwei vergurkte Flanken, null Schüsse aufs Tor.

Im Video: Die besten Szenen der DFB-Elf

Muster des Spiels: Gab es nicht. 60 Minuten lang griff die deutsche Mannschaft durch die Mitte an und über die Flügel, sie spielte lange Bälle, kombinierte sich durch nordirische Abwehrbeine, und all das geschah so fließend, dass man sich wundern musste, warum das nicht immer so läuft. Der Grund für die neue deutsche Angriffsstärke waren Löws taktische Umstellungen im Vergleich zum 0:0 gegen Polen. Gomez zog die Aufmerksamkeit der gegnerischen Innenverteidiger auf sich, Kimmich stand deutlich höher und breiter als es Höwedes zuletzt getan hatte. Die Folge: eine entzerrte nordirische Formation und dadurch Freiräume für die DFB-Elf. Was vor allem Özil und Müller freute.

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Einzelkritik Deutschland: Kimmich - ein Gewinn für die Offensive

Foto: Abedin Taherkenareh/ dpa

Schreckminute des Spiels: Eine Viertelstunde vor Schluss lief die Zeit plötzlich ganz langsam weiter. Jérôme Boateng zeigte an, dass er ausgewechselt werden wollte, aber der Ball wollte einfach nicht ins Aus. Auch die Antwort, was der so wichtige Innenverteidiger denn hatte, ließ somit lange auf sich warten. Dann kam so etwas wie Entwarnung ("die Wade hat zugemacht") - und Benedikt Höwedes. Was uns zum… ...

…Paradoxon des Spiels führt: Denn dass da plötzlich Höwedes in der Innenverteidigung neben dem Außenverteidiger Kimmich spielte, das wirkte wie ein Schenkelklopfer des Schicksals. Höwedes ist eigentlich zentraler Verteidiger und hilft bei diesem Turnier nur außen aus, wo er wiederum durch Kimmich ersetzt wurde, der dort ebenfalls nicht zu Hause ist.

Ausblick: Hat Löw seine EM-Mannschaft gefunden? So einfach ist es nicht. Dass Kimmich gefühlt Außenstürmer spielte, blieb defensiv zwar ohne Folgen. Doch das lag auch am Gegner, dessen Kontertaktik (lange Bälle auf die einzige Spitze Conor Washington) in etwa so gefährlich war wie die Flanken von Benedikt Höwedes. Gegen einen stärkeren Gegner wäre eine solch mutige Aufstellung sehr riskant. Sie wäre aber auch eine erfreuliche Ausnahme bei dieser von Defensivfußball geprägten Europameisterschaft.