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DFB-Heimpleite gegen Argentinien Angestrengt gut gelaunt

Erster Dämpfer für den Weltmeister: Gegen Argentinien verlor das Team von Bundestrainer Löw deutlich. Trotzdem wollte sich die Mannschaft die Partystimmung nicht verderben lassen - doch da machte das Publikum nicht mit.

Das Spiel war gerade abgepfiffen, da fühlte sich der Stadionsprecher in der Arena von Düsseldorf bemüßigt, sich noch einmal zu Wort zu melden: "Den vierten Weltmeister-Stern kann uns trotzdem niemand nehmen", verkündete er trotzig, und dass "es ja erst am kommenden Sonntag in der EM-Qualifikation so richtig zur Sache geht". Dort werde man "eine ganz andere deutsche Mannschaft erleben".

Das wird auch nötig sein, denn eine Leistung wie bei der 2:4 verlorenen WM-Revanche gegen Argentinien, den Finalgegner von Rio, sollte man in einem Pflichtspiel besser nicht wiederholen.

Es sollte der große Festabend für die Nationalmannschaft werden, das Schaulaufen der Weltmeister vor heimischem Publikum - und dann noch gegen den Gegner, den man am 13. Juli in Rio de Janeiro bezwungen hatte. Die Feierlaune wollten sich Joachim Löw und seine Mannschaft denn auch durch das Spiel partout nicht verderben lassen - obwohl die starken Argentinier alles dafür taten, als Party-Crasher aufzutreten.

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Deutschland gegen Argentinien: Dämpfer bei der Weltmeister-Party

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"Es war ein guter Test, mehr nicht", versuchte Löw nach dem Spiel gar keine Beunruhigung aufkommen zu lassen. Beunruhigung über die eklatanten Abwehrlöcher auf den Außenpositionen, über die fahrlässige Defensivarbeit im Mittelfeld, über die Vergabe bester Einschussgelegenheiten vor dem argentinischen Tor. Der Gladbacher Christoph Kramer, einer der wenigen, die an diesem Abend gute Form zeigten, konnte "dem Spiel auch viel Positives abgewinnen", man habe "90 Minuten Gas gegeben und sich in der ersten Halbzeit richtig gut bewegt".

Das Düsseldorfer Publikum, zum Feiern einer WM-Abschlussparty mit ihren Helden angereist, wollte dieser Sichtweise allerdings nicht wirklich folgen. Vor allem den Rückkehrer Mario Gomez hatte es auf dem Kieker. Der Stürmer des AC Florenz, der nach seiner langen Verletzung die WM verpasst hatte, erwischte allerdings auch einen denkbar unglücklichen Abend. Dreimal stand er allein vor Argentiniens Torwart Romero, dreimal brachte er es nicht fertig, den Ball an ihm vorbei ins Tor zu befördern, was der Hauptjob eines Mittelstürmers ist.

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Deutschland in der Einzelkritik: Jung, dynamisch, überfordert

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Als Gomez nach einer Stunde ausgewechselt wurde, musste er sich die lauten Pfiffe der Zuschauer gefallen lassen - worüber sich der Bundestrainer anschließend mächtig echauffierte. "Das geht grundsätzlich gar nicht, einen Spieler im eigenen Stadion auszupfeifen", so Löw. Es sei nachvollziehbar, dass Gomez - "er hat erst ein einziges Pflichtspiel absolviert" - noch nicht in Top-Form sei, Löw sei es wichtiger gewesen, "zu sehen, wie er sich bewegt".

So viel Geduld hatten die Zuschauer nicht mitgebracht. Der Dortmunder Marco Reus, auch er hatte wie Gomez wegen Verletzung die WM nicht mitgemacht, wurde nach einem allerdings auch übersichtlichen Auftritt mit einer Papierkugel beworfen. Und als es zwischenzeitlich 0:4 stand, war es totenstill im Stadion, erst André Schürrles Gegentreffer zum 1:4 löste die Ruhe im Stadion wieder in Jubel auf. Da später auch Mario Götze traf, hörte sich das Resultat schon wieder gar nicht so schlimm an, und die WM-Fahrer konnten ihre Ehrenrunde antreten.

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Argentinien in der Einzelkritik: Die Weltmeister-Besieger

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"Wir haben trotz allem nie nachgelassen", destillierte Löw die positiven Erkenntnisse des Abends heraus. Es sei eben nicht so einfach, nach so einer langen und erfolgreichen Weltmeisterschaft sofort wieder dort anzuknüpfen, und auch sein argentinischer Kollege Gerardo Martino sprang ihm zur Seite. Bei Deutschland hätten "wichtige Spieler gefehlt", die Mannschaft "muss sich jetzt wieder finden".

Das wird sie ohne Philipp Lahm, Per Mertesacker und Miroslav Klose tun müssen. Das Trio der Zurückgetretenen war vor dem Anpfiff mit großem Hallo verabschiedet worden. So euphorisch wie bei der Nennung der drei Namen wurde der Jubel an diesem Abend nicht mehr. Vor allem Klose löste geradezu einen Begeisterungssturm in der Arena aus. Umso bitterer müssen seinem langjährigen Rivalen Mario Gomez danach die Pfiffe in den Ohren geklungen haben.

Lediglich vier von elf Startelf-Finalisten standen in Düsseldorf 53 Tage nach dem Endspiel von Rio in der Anfangsformation. Auch ein Indiz dafür, das man beide Partien nicht miteinander vergleichen sollte. Die Argentinier um ihren überragenden Star Ángel Di María gingen zudem hochmotiviert zu Werke, ihre deutschen Gegenspieler nahmen das Endresultat dagegen auffällig leicht zur Kenntnis: "Wenn wir eine unserer Chancen nutzen und in Führung gehen, nimmt das Spiel eine ganz andere Wendung", analysierte Kramer. Von daher sei "alles okay", sagte er, bevor er und seine Teamkollegen sich zu einer internen WM-Nachfeier verabschiedeten.

Alles okay - für diesen Mittwoch, der vorrangig dem Zelebrieren des WM-Titels gewidmet war, mag das noch irgendwie stimmen. Ab Sonntag aber zählt die Weltmeisterschaft nicht mehr.

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