Deutschland gegen Aserbaidschan Pflichtsieg mit Patzern

Der nächste Schritt nach Südafrika ist getan: Die deutsche Nationalmannschaft hat in Aserbaidschan gewonnen - mit einer soliden Leistung gegen einen engagiert-harmlosen Gegner. Doch sie zeigte auch immer wieder Schwächen in der Defensive.


Hamburg - Wenige Minuten waren gespielt in Baku, da lächelte Berti Vogts. Soeben hatte einer seiner Akteure die Chance gehabt, ein Tor zu erzielen. Das war der Auswahl Aserbaidschans in bislang fünf Partien in der WM-Qualifikation nicht gelungen. Und es gelang auch diesmal gegen Deutschland nicht. Weder in dieser Szene, noch in der restlichen Spielzeit. Dank einiger guter offensiver Szenen seiner Mannschaft gab es für Vogts zwar durchaus noch einige Gelegenheiten zu leiser Zufriedenheit, jedoch keine zu ausgelassener Freude. Am Ende siegte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft 2:0 (1:0) in Aserbaidschan.

In der Gruppe 4 der WM-Ausscheidung liegt das Team von Bundestrainer Joachim Löw damit nach dem sechsten Sieg im siebten Spiel mit 19 Punkten weiterhin auf Rang eins, der die direkte Qualifikation für das Turnier in Südafrika bedeutet.

Auf Rang zwei wird Russland (15) geführt, das allerdings eine Partie weniger absolviert hat. Der Zweitplatzierte kann sich nach Abschluss der Gruppenphase noch über die Playoffs für die WM qualifizieren. Am 10. Oktober muss Deutschland zur wohl entscheidenden Partie um den Gruppensieg auf Kunstrasen in Russland antreten.

"Wir sind Mitte der zweiten Halbzeit ein bisschen ins Schwimmen gekommen", sagte Abwehrspieler Philipp Lahm. "Aserbaidschan hat ordentlich gespielt für seine Verhältnisse. Wir hätten die Konter besser ausspielen müssen, dann hätten wir auch höher gewinnen können." Bayern-Teamkollege Bastian Schweinsteiger zeigte sich erleichtert: "Wir hatten uns vorgenommen, ein frühes Tor zu schießen. Zum Glück ist uns das gelungen, sonst wäre es immer schwieriger geworden. Aserbaidschan hat nicht umsonst oft nur mit einem Tor Unterschied verloren. Das zeigt, dass sie Fußballspielen können", so der Mittelfeldakteur. "Wir sind froh, drei Punkte geholt zu haben. Das war wichtig."

Teilnehmer WM 2010

25 Länder haben sich schon neben WM-Gastgeber Südafrika qualifiziert.

ASIEN (4)

- Australien

- Japan

- Nordkorea

- Südkorea

EUROPA (9)

- Deutschland

- Niederlande

- England

- Spanien

- Dänemark

- Serbien

- Italien

- Schweiz

- Slowakei

SÜDAMERIKA (4)

- Brasilien

- Paraguay

- Chile

- Argentinien

AFRIKA (5)

- Südafrika

- Ghana

- Elfenbeinküste

- Nigeria

- Kamerun

AMERIKA (3)

- Mexiko

- USA

- Honduras

Ozeanien (1)

- Neuseeland

In der Hauptstadt Baku zeigten sich die Gastgeber zu Beginn der Partie offensiver als erwartet. Innerhalb von drei Minuten sorgten zweimal Elwin Mammadow (7., 8.) und Wafig Jawadow (9.) für gefährliche Szenen vor dem Kasten von Torhüter Robert Enke. Eingreifen musste der Hannoveraner jedoch nicht, die heimischen Stürmer konnten die Szenen nicht zum Abschluss bringen.

Aus dem ersten guten Angriff der Löw-Elf entstand dann die deutsche Führung. Bastian Schweinsteiger, von Michael Ballack bedient, traf mit einem Schuss von der Strafraumgrenze (12.). Der Ball war zwar von Alexander Tschertoganow abgefälscht, trotzdem sah Torhüter Farhad Weljew nicht gut aus. Für den 25-jährigen Schweinsteiger war es das 19. Tor im 68. Länderspiel.

Danach zog sich Aserbaidschan weiter zurück, und die deutsche Mannschaft bekam die Partie etwas besser in den Griff. Klare Torchancen spielte sich das Team jedoch kaum heraus. Lediglich der Hamburger Piotr Trochowski strahlte bei Standardsituationen Gefahr aus, in der 29. Minute mit einem Freistoß und in der 33. Minute mit einem Eckball. In beiden Fällen war Mario Gomez mit dem Kopf am Ball. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte setzte Miroslav Klose zudem einen Kopfball-Aufsetzer aus fünf Metern über das Tor.

Besser machte es der Bayern-Stürmer in der 54. Minute: Nachdem Torhüter Weljew einen Schuss von Gomez an die Latte gelenkt hatte, drückte Klose den aufsetzenden Ball mit dem Kopf ins leere Tor. Für den 31-Jährigen war es der 45. Treffer im 89. Länderspiel, womit er in der ewigen Torjägerliste nun zusammen mit Karl-Heinz Rummenigge auf Rang fünf steht.

Auch nach dem zweiten Treffer musste das DFB-Team noch einige brenzlige Situationen überstehen, zeigte sich in der Defensive immer wieder nachlässig und unkonzentriert. Letztlich war der Sieg jedoch ungefährdet.

Berti Vogts sagte nach der Partie: "Glückwunsch an Deutschland. Sie haben die drei Punkte verdient. Aber ich bin auch mit meiner Mannschaft zufrieden. Meine Mannschaft hat alles gegeben, mehr war nicht möglich", so der 62-Jährige. "Sie hätte ein Tor verdient gehabt, daran müssen wir weiter arbeiten. Glückwunsch an Deutschland. Ich kann nur die Daumen drücken, dass sie als Gruppenerster durchkommen."

Die nächste WM-Qualifikations-Partie wartet am 9. September auf das deutsche Team. In Hannover kommt es dann zum Rückspiel gegen Aserbaidschan.

Aserbaidschan - Deutschland 0:2 (0:1)
0:1 Schweinsteiger (12.)
0:2 Klose (54.)
Aserbaidschan: Weljew - Sadigow, Yunisoglu, Malikow, Allahwerdijew - Schukurow, Tschertoganow, Abbasow, Jawadow - Mammadow - Nadirow (ab 75. Aktiamow)
Deutschland: Enke - Lahm, Tasci, Mertesacker, Schäfer - Schweinsteiger, Ballack, Hitzlsperger, Trochowski (ab 77. Jansen) - Klose (ab 75. Cacau), Gomez (ab 84. Özil)
Schiedsrichter: Allan Kelly (Irland)
Zuschauer: 30.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Allahwerdijew, Schukurow, Malikow, Tschertoganow

fsc/sid



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