Deutschlands 7:1 gegen Brasilien Was für ein Spiel!

Da ist er wieder, der Hurra-Fußball! Beim 7:1 gegen Brasilien spielt die deutsche Nationalmannschaft wie im Rausch, Rekorde purzeln, die Träume des Gastgebers lösen sich in Tränen auf. Alles Wichtige zum historischen Sieg der DFB-Elf.
Deutschlands 7:1 gegen Brasilien: Was für ein Spiel!

Deutschlands 7:1 gegen Brasilien: Was für ein Spiel!

Foto: EDDIE KEOGH/ REUTERS

Ausgangslage: Joachim Löw wird seine Mannschaft nicht großartig motiviert haben müssen. WM-Halbfinale gegen den Gastgeber Brasilien, größer geht es (fast) nicht! Die äußeren Bedingungen in Belo Horizonte waren optimal für beide Teams (22 Grad Celcius, 51 Prozent Luftfeuchtigkeit). Löw vertraute seiner Aufstellung aus dem Viertelfinale gegen Frankreich (Lahm in der Abwehr, Schweinsteiger und Khedira im Mittelfeld, Klose im Sturm).

Dass bei den Brasilianern Neymar nach seinem Lendenwirbelbruch nicht mitspielen konnte, dürfte sich bis in den letzten Winkel der Welt herumgesprochen haben. Für ihn lief Bernard Anício Caldeira Duarte, kurz "Bernard" auf - mit 1,63 Metern der kleinste Spieler dieser WM. Noch schmerzlicher sollte sich aber bemerkbar machen, dass Kapitän und Abwehrchef Thiago Silva mit einer Gelbsperre fehlte.

Doch auch das kann nicht erklären, was in den ersten 45 Minuten passierte.

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WM-Halbfinale: Die DFB-Gala gegen Brasilien

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Ergebnis: 7:1 (5:0) für Deutschland. Nein, wirklich! Sieben zu eins gegen Brasilien. In Brasilien. Im Halbfinale einer Fußballweltmeisterschaft. Und das kam so.

Die erste Halbzeit: Es begann relativ normal: Brasilien begann offensiv, Sami Khedira schoss Toni Kroos an, Philipp Lahm zeigte, dass er nicht nur ballsicher, sondern auch ein sensationeller Grätschenvirtuose ist. Und dann ging es los, dieses noch nie dagewesene Torfestival der deutschen Mannschaft. Müller nach elf Minuten, Klose (23. Minute), zweimal Kroos (25./26.) und Sami Khedira schossen nach nicht einmal einer halben Stunde einen 5:0-Vorsprung heraus.

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Beide Teams sahen zur Halbzeit aus, als sei die Partie bereits vorbei. Die deutschen Ersatzspieler eilten auf den Platz, um die elf Helden abzuklatschen, Lukas Podolski gratulierte Miroslav Klose. Und die Brasilianer? Hielten sich für einen 0:5-Rückstand nach 45 Minuten im Halbfinale der Heim-WM erstaunlich gut. Noch keine Tränen, aber leere Gesichter, Torhüter Júlio César schlurfte im Zeitlupentempo in die Kabine. Und zahlreiche Brasilianer verließen bereits das Stadion. Selbst ältere Zuschauer äußerten bei Twitter ihre Ungläubigkeit:

Die zweite Halbzeit: Zu gerne wäre man bei den Halbzeitansprachen beider Trainer dabei gewesen. Luiz Felipe Scolari dürfte alle Hände damit zu tun gehabt haben, seine Spieler zumindest halbwegs wieder aufzurichten. Und Joachim Löw schien seiner Abwehr verordnet zu haben, Manuel Neuer ein bisschen mehr ins Spiel einzubinden. Der zuletzt schon überragende Torhüter musste zu Beginn der zweiten Hälfte mehrmals retten - und tat dies gewohnt souverän. Der eingewechselte André Schürrle schoss noch zwei Tore, Oscar traf in der letzten Minute zum 1:7-Endstand. Dann flossen die Tränen.

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Freigänger des Spiels: Thomas Müller vor dem 1:0. Bei der Ecke von Toni Kroos stand der WM-Torjäger völlig frei, David Luíz versuchte noch, Müllers Schuss zu verhindern, doch der Ersatzkapitän kam zu spät. Es war bereits Müllers zehntes Tor bei einer WM-Hinrunde (fünf bei der WM 2010, fünf in Brasilien). Zu diesem Zeitpunkt wunderte man sich noch über die Freiheiten der deutschen Spieler und ahnte nicht, dass es zum Leitmotiv des Abends werden sollte.

Rekordmann des Spiels: Eine kleine Niederlage in der großen, jetzt hat der Brasilianer Ronaldo auch noch den WM-Torrekord an einen Deutschen verloren. Mit seinem Tor zum 2:0 traf Miroslav Klose zum 16. Mal bei einer Weltmeisterschaft - Rekord (hier geht es zur ausführlichen Klose-Meldung und zu den Bildern von allen Toren).

Die deutschen Rekorde des Spiels:

  • höchster Halbfinal-Sieg bei einer WM (vorher unter anderem das 6:1 Deutschlands gegen Österreich 1954),
  • achter Einzug in ein WM-Finale (1954, 1966, 1974, 1982, 1986, 1990, 2002, 2014) - Rekord,
  • höchste Halbzeitführung der deutschen WM-Geschichte (bislang 4:0 gegen Saudi-Arabien bei der WM 2002),
  • 223 WM-Treffer - damit hat Deutschland Brasilien (221) als Mannschaft mit den meisten WM-Toren abgelöst.

Die brasilianischen Negativrekorde des Spiels:

  • höchste Niederlage in der Geschichte der brasilianischen Nationalmannschaft seit dem 0:6 gegen Uruguay 1920,
  • höchste Niederlage für einen WM-Gastgeber (vorher 2:5 von Schweden im Finale 1958 gegen Brasilien/1:4 von Mexiko im Viertelfinale 1970 gegen Italien),
  • erste Niederlage im 13. WM-Spiel für Scolari als Trainer der brasilianischen Nationalmannschaft.

Gesang des Spiels: 58.000 Zuschauer waren in der ausverkauften Arena von Belo Horizonte, man hörte nur ein Sechstel von ihnen - die deutschen Fans skandierten ab dem 2:0 in Endlosschleife "So ein Tag, so wunderschön wie heute".

Sündenbock des Spiels: Fred, der glücklose Stürmer der Brasilianer. Der 30-Jährige hatte bisher erst einen Treffer erzielt (beim 4:1 gegen Kamerun) und wirkte oft wie ein Fremdkörper in seiner Mannschaft. In Belo Horizonte entlud sich nun der gesamte Unmut der brasilianischen Zuschauer auf Fred, der bei jeder Ballberührung ausgebuht wurde.

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Geste vor dem Spiel: Kapitän David Luíz und Torhüter Júlio César hielten während der brasilianischen Hymne ein Trikot ihres verletzten Teamkollegen Neymar vor der Brust - und schmetterten noch leidenschaftlicher mit als bei früheren Spielen.

Fazit: Es war mehr als ein Fußballspiel - es war ein historisches Ereignis. Nicht nur DFB-Präsident Wolfgang Niersbach suchte nach dem Abpfiff vergeblich nach Worten: "Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Sensationell, märchenhaft, das ist alles zu schwach." Auch wenn bei den Brasilianern wichtige Spieler fehlten, nach DIESEM Auftritt geht Deutschland als Favorit ins Finale am Sonntag, egal ob die Niederlande oder Argentinien der Gegner wird.

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